Kobergs Klarsicht
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Kobergs Klarsicht: Superspecial

Man kann’s auch übertreiben: Zu viele Effekte zerstören den Zauber.
Es war einmal eine Zeit, in der Menschen in den Kinos staunten. Nicht nur über die fantastischen Geschichten, sondern auch darüber, wie mit technischen Tricks und Kniffen immer mehr darstellbar wurde. Wie inszenierte George Lucas die Weltraumschlacht rund um den Todesstern? Und wie ließ James Cameron die Titanic noch einmal untergehen? Wie im Zauber-Varieté war da ein Hin-und-Her zwischen durchschauen wollen und sich verzaubern lassen.

Mittlerweile gibt es kaum mehr etwas, das nicht darstellbar wäre. Ganze Filme entstehen in CGI-Studios und vor Green Screens. Beim Dreh von „Der Hobbit - Eine unerwartete Reise“ soll Ian McKellen unter Tränen erklärt haben, dafür sei er nicht Schauspieler geworden – Er drehte in einem Studio mit Fotos der 13 Zwerge, weil erst die Computer den Größenunterschied zwischen den Bartträgern und dem Zauberer generierte.
Letzte technologische Schwächen sind gerade noch dort erkennbar, wo ganze Gesichter generiert werden; etwa um die junge Carrie Fisher in „Rogue One: A Star Wars Story“ auftreten zu lassen. Aber selbst derartige, digitale Kunststücke fallen Teilen des Publikums schon gar nicht mehr auf.

Für Regie und Produktion bedeutet das unbegrenzte Möglichkeiten. Viele Geschichten sind erst in den letzten Jahren verfilmbar geworden. Filme wie „Inception“ und „Avatar“ waren lang schlichtweg undenkbar. Jetzt schaut also alles realistisch aus. Wenn Städte in sich zusammenbrechen, wenn Zwerge mit Drachen kämpfen und wenn sich Lastkraftwägen in Riesenroboter verwandeln. Und plötzlich hat das alles auch ein Stück weit seinen Reiz verloren.

Für mich ist mit den ersten Transformers-Filmen die Luft spürbar entwichen: Was davor noch für Wow-Effekte sorgte war plötzlich langweilig. Weil durch die unbeschränkten Möglichkeiten eben auch alles beliebig wird. Wenn sich jetzt in „Doctor Strange“ Häuserzeilen ineinander verknoten und in „Legend of Tarzan“ ein Mann mit einem Gorilla kämpft, verschränkt ein Teil meines Hirns gelangweilt die Arme und sagt: Ist doch eh alles aus dem Computer. Das war’s natürlich auch vor den genannten Filmen schon oft. Aber irgendwo scheint der Punkt zu existieren, wo zu viele Effekte die Glaubwürdigkeit zerstören, wo sich das Publikum nicht mehr einlassen kann, auf die vorgeführte Fiktion.

Der Punkt liegt wohl für jede und jeden woanders. Der Meteoritenschauer in „Gravity“ fühlt sich für mich weit realer an, als die Erdbeben in „2012“. Das liegt zum einen an der Qualität der Erzählung und zum anderen wohl daran, dass das Gezeigte noch mit einem Zeh in der Realität verhaftet sein muss. Sonst nimmt sich mein Hirn raus und sagt den Emotionen: Entspannt euch. Das ist doch alles Schwachsinn!
Der Autor
Koberg2016
DerKoberg


Forum

  • 100% richtig

    Teile die Meinung uneingeschränkt, dass Story viel wichtiger als Effekte sind. Ein Film, der von den Effekten erschlagen wird, langweit unheimlich ... Transformers ist nur ein Beispiel von vielen.
    Und 3D verstärkt das Gefühl der Langeweile!
    leander-caine
    14.03.2017, 20:18 Uhr