Berlinale 2012
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Berlinale Tag 2

Wettbewerb, Eisenstein und Vitamine im Kino. Drei Filme im Wettbewerb und warum Smoothies die besseren Äpfel sind.
Extrem laut und unglaublich nah“, so lässt es sich am besten beschreiben, wenn eine geschätzte Kollegin auf dem Nebensitz genüsslich schmatzend in einen prallen grünen Apfel beißt. So geschehen kurz nach Beginn des gleichnamigen Films. Dabei war diesem Ereignis eine spannende Diskussion mit ebendieser Journalistin vorangegangen, in der es um die Vorteile meines Ananas-Bananen-Smoothies gegenüber ihrem Riesenapfel ging. Unser Ergebnis: der Apfel ist laut, der Smoothie die perfekte Kinonahrung für zwischendurch.

Bald darauf war der Apfel jedoch gegessen und der Film konnte in vollen Zügen genossen werden: Ein sehr guter Film, der die Ereignisse des 11. September aus der naiven und sehr erfrischenden Sicht eines kleinen Jungen aufarbeitet. Lediglich gegen Ende wird es dann immer herzzerreißender und Daldrys Drama geht für meinen Geschmack zu „unglaublich nah“ ans Herz. In der folgenden Pressekonferenz werden alle (zu recht) über den grünen Klee gelobt und ich wundere mich, als ein ukrainischer Reporter eine Frage an den 14-jährigen sehr professionell wirkenden Thomas Horn richtet: „Was sagst du dazu, dass die Folgen des 11. Septembers tausenden irakischen Familienvätern das Leben kostete?“. Steven Daldry antwortet gekonnt, dass man 09/11 natürlich immer in einem internationalen Kontext sehen muss. „Vor diesem Film, war ich schon einmal ein Graßhüpfer in einer Schulaufführung“, antwortet der talentierte Jungschauspieler später trocken, als er nach seiner Schauspielerfahrung gefragt wird.

Am frühen Morgen gab es heute „Aujourd'hui“ zu sehen. Ein schöner Film, der sich um den letzten Tag im Leben eines afrikanischen Mannes handelt. Warum er sterben wird? Man erfährt es nie… Dennoch ein guter Film mit vielen interessanten Aspekten und schönen Bildern – lediglich das langsame Tempo macht am Vormittag doch noch etwas zu schaffen. Am Nachmittag hatte ich schließlich noch die Ehre „A moi seule - Coming Home“ zu begutachten: Gesehen, abgehakt und wahrscheinlich bald wieder vergessen!

„Extrem laut“ (zumindest für einen Stummfilm) ging es auch noch am Abend zu, als das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin die neu restaurierte Fassung von Sergej M. Eisensteins „Oktober“ live im Friedrichstadtpalast begleitet. Senad und ich waren „unglaublich nah“ dabei und genossen es diesen Klassiker in dieser bombastischen Kulisse, begleitet von bombastischer Musik, erleben zu dürfen.

Der Autor
patzwey
patzwey

Forum

  • kleine Korrektur...

    Alain Gomis, Regisseur von "Aujourd'hui", stammt natürlich aus dem Senegal und nicht aus Portugal. Der Wettbewerbsbeitrag des Portugiesen Gomes folgt erst am Dienstag.
    patzwey
    11.02.2012, 18:08 Uhr
  • Eine bunte Mischung also ...

    ... von Filmen von einst und heute. Ein Akkreditierungsausweis oder eine Eintrittskarte sind noch kein Garant für gute Manieren - das musste ich auch immer wieder feststellen. Manche Leute stürzen sich oft zu Beginn des Einlasses auf die besten Plätze und dann gehen sie 15 Minuten nach Filmbeginn wieder raus. Ich bin ja eigentlich froh, dass in den meisten Kinosälen kein Handyempfang war - sonst würden die Leute auch noch telefonieren. Weiterhin viel Spaß wünsche ich Euch und macht weiter so!
    IMG_0012
    11.02.2012, 12:05 Uhr