Caines Corner

Caines Corner: Over the Top oder City Cobra?

Sylvester Stallones lukrative Ausflüge in die Cannon-Welt
Ich werde nie vergessen wie Produzent und Regisseur Menahem Golan unbedingt Sylvester Stallone für seinen nächsten Film „Over the Top“ haben wollte. Auf den Hinweis, dass der Filmstar Mitte der 80er Jahre 6 Millionen Dollar für den Part des Truckdrivers und Armdrückers haben wollte, sprach er die berühmten Worte: „Ich gebe ihm 10!“. Nachzusehen in der Doku „The Go-Go Boys: The Inside Story of Cannon Films“. Der kritischere und wahrscheinlich spannendere Beitrag zum Phänomen „CANNON FILMS“ ist „Electric Boogaloo“. Macht immer wieder Spaß und zeigt, wie man mit Leidenschaft und wenig finanziellen Mitteln einen Nischenmarkt bedient und „Never forgot to concentrate always on your core competences“ beherzigen sollte.

Stallone war von der Filmidee wenig begeistert, aber das fette Geld hat ihn dann doch überzeugt. Zusätzlich war er der Meinung, dass den „Unfilm“ niemand sehen wird. Er hatte diesbezüglich teilweise Recht. Im Kino seinerzeit ein Flop, aber auf Video Top. Und in den nun fast 30 Jahren seit dem US-Kinostart am 13.2.1987 begeistern Lincoln Hawk und Sohn nicht nur mich mehr denn je, weil er so unglaublich naiv ist und einfach sauschlecht gemacht ist. In meiner Kategorie „Ich liebe auch schlechte Filme“ ist dieser Streifen einfach „Over the Top“. Dramaturgie, Schnitt, Musikeinsatz sowie durchaus unfreiwillig komische darstellerische Leistungen bezeugen was die Filmwelt ohnehin wusste: die Regiekünste des Filmproduzenten waren begrenzt. Und trotzdem bleibe ich vor allem im TV beim Zippen immer stehen und genieße das seichte Familiendrama.

Over the Top

Stallone und Golan konnten schon vorher auf eine Zusammenarbeit mit „Die City Cobra“ zurückblicken, der am 23. Mai 1986 anlief. Da hatte aber offensichtlich das Filmstudio Warner Bros. die Zügel fest in der Hand. Bei Produktionskosten von knapp 25 Millionen Dollar spielt der ultrabrutale Cop-Film (Maria Cobretti schickt mit seiner 9mm 41 von 52 per Express ins Jenseits) etwas unter 50 Millionen ein – und das nur in den USA. Das weltweite Ergebnis mit ca. 160 Millionen Dollar war mehr als beachtlich. George Pan Cosmatos war halt ein echter Filmemacher, der zuvor mit „Rambo II“ das Actiongenre revolutionierte. Es gab aber auch Gerüchte, dass Stallone selbst Regie führte und Cosmatos zum Produzenten degradierte. Egoistisches Verhalten wechselte sich mit Humoreinlagen des Stars angeblich am Set ab. Die Tragödie am Film waren jedoch zahlreiche geschnittene Fassungen, die kürzeste Version hatte nur 73 Minuten. Das ist knapp über einer Stunde und war eine Frechheit für den Zuschauer. In der Uncut-Version (es gibt auch längere Rohfassungen) dauert der Film 87 Minuten. Am 31.10.2010 war es soweit: ungefähr 25 Jahre nach Kinostart konnte ich erstmals den wahrscheinlichen Kino-Cut auf DVD bewundern.

Die City Cobra

Eine Anekdote der Filmgeschichte ist, dass Stallone „Beverly Hills Cop“ zuvor abgelehnt hatte, da ihm die Ausrichtung auf eine Komödie nicht gefiel. Für „Over the Top“ schämt er sich wahrscheinlich heute noch. Mit „Die City Cobra“ erfüllte sich Sly aber seinen Wunsch nach einem harten Cop-Film. Nicolas Wending Refn lässt seinen schweigsamen Helden Ryan Gosling in „Drive“ mit einem Zündholz im Mund spielen. Das ist eine tolle Referenz. Beide Stallone-Cannon-Filme landeten bei der Kritik einen Bauchfleck. Aber ich kenne zahlreiche Fans, die diese Filme lieben. Dazu zähle ich mich mit voller Leidenschaft. Du auch?
Der Autor
leander-caine


Forum

  • Over the Top

    Also „Over the Top“ ist jetzt natürlich kein Meisterwerk, aber durchaus unterhaltsam, vor allem wenn man den Film nicht ganz ernst nimmt.

    „Wenn ich meine Kappe umdrehe ist es wie wenn ich den Motor meines Trucks starte“
    treadstone71
    17.11.2016, 15:28 Uhr