Cannes 2015
Cannes 2015 - Tag 9

Cannes 2015 - Tag 9

Zum Abschluss des Festivals gab es für das Uncut-Team gleich sieben Filme zu sehen.
Alles hat ein Ende. So auch die 68. Filmfestspiele von Cannes. Man merkt es vor allem daran, dass es weit und breit keine SCREEN- bzw. HOLLYWOOD REPORTER-Ausgaben gibt. Normalerweise stehen Damen und Herren vor dem Festivalzentrum und verteilen die Filmbibeln. Heute nicht mehr.

Eigentlich wollten Patrick und ich uns gestern Abend am Cinema de la Plage „Terminator“ anschauen, aber nachdem das Wetter nicht optimal war bzw. es sonst keinen Zug mehr für die Rückfahrt nach Juan-les-Pins gegeben hätte, haben wir den Abend wie jeden Abend mit einer Flasche „Laffee“ (belgisches Bier; einen Kommentar zum französischen Bier verkneifen wir uns an dieser Stelle) ausklingen lassen. Dazu gab es auf dem Handy noch ein kleines „Best of“ von „Phantom Kommando“.

Was lese ich heute? Gaspar Noes Beitrag außer Konkurrenz „Love“, welcher in einem Midnight-Screening gezeigt wurde und als Skandalfilm erwartet wurde, bellt zwar, beißt aber nicht. Wahrscheinlich ist der nette Herr schon auf dem Sprung zum „Grand Swiss Hotel“ :-)

Ein letztes Mal wollte ich es wissen – wieder früh aufgestanden um „Carol“ anschauen zu können. Wurde ein viertes Mal abgewiesen. Sowas habe ich noch nie erlebt. Beim Anstellen haben Patrick und ich mit einem Amerikaner und zwei Russinnen einen Film-Smalltalk betrieben. Der Amerikaner freute sich über das positive Feedback zu „The Lobster“. Die Russinnen waren von Natalie Portmans Regiedebüt „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, welches sie in Hebräisch gedreht hat, wenig begeistert.

Ich selbst wartete geduldig auf den Einlass zu den letzten zwei Filmen dieses Jahrgangs, welche durchaus als persönlich negative Abrundung des Festivals gewertet werden können: Ein Beitrag war aus China mit dem Titel NIE YINNIANG – oder international „The Assassin“ – auf Spanisch vielleicht SICARIO? Hatte Riesenpech und habe leider nur 1/3 des Films verschlafen. Was hätte ich gegeben, wenn ich kurz vor dem Ende aufgestanden wäre … Ein Unglück kommt definitiv selten allein: Auch bei „Dämonen und Wunder“ frage ich mich was mit den Arthaus-Filmemachern bloß los ist? Jetzt hat es auch Jacques Audiard erwischt – das „Death Wish“-Fieber. Der nette Herr DHEEPAN greift gegen Ende des Films ebenfalls zur Waffe und löscht alle aus. Für die nächste Zeit habe ich die Schnauze voll von „Avenger“-Movies. Was mich richtig fertig macht, ist, dass beide Filme tobenden Applaus erfahren haben. Wenn „The Assassin“ einen Preis gewinnt, dann kann es sein, dass ich nie mehr nach Cannes komme …
Mein Resümee ist sehr simpel: „Alles steht Kopf“, „Ewige Jugend“ und „Mad Max: Fury Road“ sind genial! Letzter Titel übrigens nicht nur für mich: Laut Kommentaren und nach Diskussionen mit Filmjournalisten hat der „Road Warrior“ die Croisette begeistert. Es ist schön, dass auch so ein Film bei einem anspruchsvollen Publikum ankommt. Richtig mutig wäre es jedoch, wenn mal auch ein „Mad Max“ im Wettbewerb laufen würde! Träumen darf man ja.

Patrick hatte heute nochmal die Möglichkeit sich einige der großen Filme bei eigenen Markt-Screenings anzusehen. Den Anfang machte der durchaus zurecht gehypte „Carol“, gefolgt vom wunderbar absurden „Das Märchen der Märchen“. Beide gehören sicherlich zu den beeindruckendsten Filmen des diesjährigen Festivals. Was danach folgte war weniger erfreulich. Denn wie bereits die Kritiken vermuten ließen, ist Gus Van Sants „The Sea of Trees“ tatsächlich ziemlich in die Hose gegangen. Auch Barbet Schroeders „Amnesia“ konnte nicht überzeugen. Den Abschluss machte Gaspar Noés „Love“, der bereits im Vorfeld Wellen schlug. Es handelt sich um einen 3D-Porno, der zwar visuell einiges hergibt, aber abseits der zahlreichen Sexszenen doch sehr seicht bleibt.

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Der Autor
leandercaine_0fc45209c9.jpg

Forum

  • Regiepreis

    Jetzt hat „The Assassin“ ja sogar einen der Hauptpreise gewonnen. Wird im nächsten Jahr also die Stelle von Leander frei? Und kann man sich schon dafür bewerben? Ein bisschen Sonne in Südfrankreich würde mir auch gefallen ;)
    treadstone71_02519ad8f6.jpg
    27.05.2015, 08:27 Uhr
    • Cannes ohne Leander Caine ist wie Twin Peaks ohne David Lynch

      Bewerben kann man sich natürlich immer. Wer nächstes Jahr in Cannes sein wird, wird aber erste Ende des Jahres entschieden. Und vielleicht hat Leander Caine seinen Frust über „The Assassin“ bis dahin schon wieder vergessen ;)
      uncut_4fd94f1238.jpg
      27.05.2015, 14:19 Uhr
  • Andrang und Einlass

    Also das ist einer der ganz grossen Pluspunkte in Berlin: du kannst, wenn Du willst, jeden Film sehen, wenn Du akkreditiert bist. Es gibt genug Sitzplätze und ggf. wird ein zweiter Saal geöffnet. Aber das Wetter ist in Cannes sicherlich besser! :-)
    markus_lhnert2020_d56a9fa338.jpg
    23.05.2015, 07:07 Uhr
    • :-(

      also ehrlich, was schert mich das wetter draußen, wenn ich im klimatisierten kinosaal den film meiner wahl anschauen darf - und was schert mich das défilé der sternchen und busenwunder an der croisette, wenn ich an der höhe meiner absätze und an der farbe meiner akkreditierungskarte gemessen werde? _so_ kann mir cannes gestohlen bleiben...
      r2pi_f4e09adb6c.jpg
      23.05.2015, 19:14 Uhr
  • the assassin

    "ein martial-arts-film, der sich mit den moralischen dilemmata einer auftragsmörderin beschäftigt, sich dabei in langsamkeit und schönheit ergeht; ein meditatives meisterwerk von kompositorischer eleganz, ein formvollendetes, bis ins kleinste detail betörendes epos, unterstrichen von einem atmosphärischen score": die ersten kritiken zu nie yinniang klingen sonst ja recht überschwänglich – ich bin jetzt wirklich gespannt, was hinter dem "schönsten film des jahres" steckt und ob die begeisterung auch von der jury geteilt wird...
    r2pi_f4e09adb6c.jpg
    22.05.2015, 22:17 Uhr