Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Glücklicher Zufall

Kobergs Klarsicht: Glücklicher Zufall

Keiner weiß genau, warum manche Schauspieler gefeiert werden und andere keine Jobs bekommen.
In Hollywood geht die Angst um; davor, einen Mark Hamill hinzulegen. Oder aber, wenn auch ungleich weniger dramatisch, einen Morgan Freeman. Vielleicht fürchtet sich auch manch einer davor, seiner Kariere eine Jessica Alba zuzufügen. Beunruhigend.

Hamill hat als Luke Skywalker eine der berühmtesten Filmfiguren überhaupt dargestellt – und ward nie mehr gesehen. Morgan Freeman hingegen wurde so oft für immer dieselben Rollen gecasted, dass ihm andere Türen kaum mehr offen zu stehen scheinen. Und Jessica Alba? Alle (Männer) lieben Jessica Alba. Aber niemand gibt ihr die Chance, jenes Schauspieltalent unter Beweis zu stellen, das sie zu haben vorgibt. Und weil sie nicht immer nur das süße Schönchen sein will, ist sie einfach gar nicht mehr in unseren Kinos.

Allen ernstes scheint es oft nur kleine Fenster zu geben, die Schauspielern eine Chance bieten, sich als Charakterdarsteller zu positionieren. Wer zu lange im seichten Unterhaltungsmeer planscht, wird nicht mehr ernst genommen. Hugh Jackman hat mit „Prisoners“ gerade einen Versuch unternommen, doch noch Talent zu beweisen. Keinen schlechten, wenn man bedenkt, dass mir vor kurzem erklärt wurde, „Les Misérables“ sei der Gipfel seines Talents gewesen. Mark Wahlberg hingegen kämpft noch immer gegen sein Image. Und das, obwohl er mit Streifen wie „Departed - Unter Feinden“ schon ganz gute Proben abgeliefert hat. Trotzdem kommt er keinem in den Sinn, wenn von guten Darstellern die Rede ist.

Andererseits feiern wir Kritiker-Lieblinge wie Christoph Waltz und Ryan Gosling, die in Wahrheit ebenfalls nur ein paar mal die selbe Rolle gespielt haben. Gosling hat dabei auch noch auf jede zweifelsfrei Erkennbare emotionale Regung verzichtet. Und dann ist da noch die Frage, warum hier bislang nur eine Frau erwähnt wurde. Liegt’s an mir, oder doch an Hollywood?

Tatsache ist, dass vom Kommen und Gehen von Filmstars viel über die Kurzlebigkeit, aber vor allem auch über die Willkür von Unterhaltungsmedien abgelesen werden kann. Ein Christoph Waltz bekommt zur richtigen Zeit die richtige Rolle im richtigen Film und wird über Nacht zu einem der ganz großen. Sean Connery gilt für viele ebenfalls als einer der ganz großen und hatte in einer Flut von Filmen kaum richtig gute Momente. Woran es also liegt, wer es wie weit schafft? Sicher auch am Können, aber zu einem großen Teil an Dynamiken, die sich nur vage unter Begriffen wie „Zeitgeist“, „Gunst der Stunde“ oder „Glück“ subsummieren lassen. Dazu gehört auch die ebenfalls recht willkürlich verteilte Gunst der wahrlich großen in Hollywood. Etwa Bob und Harvey Weinstein. Oder gibt es einen anderen Grund für Jennifer Lawrences Oscar als beste Hauptdarstellerin (Hauptdarstellerin!) in „Silver Linings“?
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • typecasting

    Ich glaube, dass das Typecasting und der geringe Mut zum Risiko einfach das größte Hindernis sind. Du musst Glück haben um dich als talentierte/r Schauspieler/in in guten Rollen beweisen zu dürfen und wenn du nur einen Typ besonders gut spielst, kann das schon ausreichen um dich abzustempeln. Dann wird es fast unmöglich auszubrechen.
    Ryan Gosling macht das imho ziemlich gut, dass er auf seine Vielseitigkeit setzt, aber wer weiß, was mal aus ihm wird. Wenn man sich eben nicht festlegen lässt, merkt sich das Publikum einen auch viel schwerer.
    Nur zwei persönliche Beispiele um meine Meinung zu illustrieren: ich wünschte wirklich jemand würde Charlie Sheen mal wieder eine ernste Rolle zutrauen! Keine Ahnung, ob er sie haben wollen würde, aber ich glaube wirklich, dass das Potential in ihm immer noch da ist. Und ich hoffe, dass Chris Hemsworth jetzt nach "Rush" auch Charakterollen bekommt.
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    18.10.2013, 09:18 Uhr
  • Agenten und Produzenten

    Ich glaube, dass der Erfolg eines Schauspielers bzw. einer Schauspielerin von allen Faktoren abhängt, die Du schon aufgezählt hast. Hinzu kommen aber noch zwei wichtige: der Agent, dem/der es gelingt, den Schützling in den richtigen Filmen unterzubringen und die Produzenten. Du hast die Weinsteins schon erwähnt, aber sie sind nicht die einzigen.
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    17.10.2013, 12:59 Uhr