Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Verheizt

Kobergs Klarsicht: Verheizt

Wenn der Krieg der Sterne zu stark angefacht wird, könnte er noch in diesem Jahrzehnt zu Ende gehen.
Einen Haufen Feuerholz hat sich Disney da eingekauft. Liebevoll an der Hausmauer gestapelte Scheite, durchgetrocknet und bestens brennbar. Dass Lucasfilm nicht nur aus „Star Wars“ besteht ist fast nebensächlich. Denn schon ein paar Späne aus dem Sternenkrieg-Franchise und der Funke einer Pressemitteilung reichen aus, um medial ein Lauffeuer zu entfachen. Dabei hätte es die traditionellen Medien gar nicht gebraucht, um die Nachrichten über neue Jedi-Abenteuer ein paar Mal um den Globus zu schicken. Denn Facebook und Twitter allein haben diesen Job erstklassig erledigt. Und all die treuen Anhänger der Rebellion, die sich nach der zweiten Trilogie – mehr enttäuscht als euphorisiert – mit Videospielablegern und der Clone-Wars-Serie über Wasser hielten, treten wieder an die Öffentlichkeit, um Stimmung zu machen und Vorfreude zu schüren.

In Fragen der Nachhaltigkeit setzt Disney aber offenbar auf den Osterfeuer-Ansatz: In kurzen Abständen soll immer mehr Holz ins Feuer geworfen werden; wohl um die kolportierten 4 Milliarden Dollar, die an George Lucas gezahlt wurden, möglichst bald wieder einzunehmen. 2015, 2017 und 2019 sollen die Teile 7, 8 und 9 ins Kino kommen. Und damit die Flammen nicht aufhören zu lodern, gibt es dazwischen Spin-offs zu den Schicksalen verschiedener Helden der Saga.

Nach einem gefühlten Dutzend Piratenfilme braucht Disney sicherlich dringend ein neues Pferd, das zu Tode geritten werden kann. Aber die Erfahrung sollte doch gezeigt haben, dass sich mit dem Star-Wars-Stoff, trotz einiger Pannen, jahrzehntelang heizen lässt, wenn nur längere Wartephasen die Sehnsucht nach der Wärme eines Lichtschwertes auf der Leinwand immer wieder anwachsen lässt. Stattdessen schließt das Gute-Laune-Imperium die traditionsreiche Spieleschmiede LucasArts und verspricht uns Kinofilme im Dauerfeuer. Und so ist zu befürchten, dass mir die Jedi-Ritter 2019 ähnlich auf die Nerven gehen werden wie der anfangs so erfrischende Captain Jack Sparrow. Nur während für die „Pirates of the Caribbean“ gerade einmal das Potenzial einer Disneyland-Attraktion verheizt wurde, brennt mit „Star Wars“ ein Stück Kulturgeschichte. Und die Grundlage der, in mehreren Ländern dieser Welt anerkannten, Religionsgemeinschaft der Jediisten. So gesehen grenzte eine schlechte Fortsetzung der Saga fast an Blasphemie. Und vor Letzterer haben sich die konservativen Disney-Studios stets gehütet. Zum Abschluss also ein Funken Hoffnung.