Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Fehlende Längen

Kobergs Klarsicht: Fehlende Längen

Der Erfolg der Mini-Serien erhöht den Druck auf das Kino.
Es fällt immer schwerer, Reizvolles im Kinoprogramm zu entdecken. Das mag ein subjektiver Eindruck sein, aber ich weiß, ich bin damit nicht allein. Der x-te Aufguss von Godzilla, Dwayne Johnson im Großstadt-Dschungel und die jüngste pseudo-politische Komödie aus Frankreich – der Funke will immer seltener überspringen und die Welt der Serien hält mit überzeugendem Angebot dagegen.

Besonders auffallend ist das aufstrebende Format der Mini-Serien. Neu ist das Konzept nicht wirklich. Ganz im Gegenteil wurde es schon in den 1960ern genutzt, um für häufig schwermütige Erzählungen ausreichend Zeit zu haben. Nach der Jahrtausendwende starteten die üblicherweise in ein paar Stunden abgeschlossenen Episoden-Erzählungen dann richtig durch: „Bands of Brothers“, „Traffic“ oder „The Pacific“ hinterließen bleibende Eindrücke. Und in gekonnter Verknüpfung mit dem Ende von „Game of Thrones“ lenkten HBO und hierzulande Sky dieses Frühjahr die Aufmerksamkeit des suchenden Publikums auf „Chernobyl“ und verhalfen dem Format damit zu einer neuen Blüte.

Im Kino steigt der Anteil an Fortsetzungen und Neuverfilmungen kontinuierlich an und es scheint immer öfter, als fehle es an Selbstbewusstsein der Filmschaffenden, neuen Ideen eine Chance zu geben. Umso teurer der Film, umso mehr muss er für möglichst alle Publikumsgruppen zurechtgestutzt werden. Wieder und wieder bleibt der Eindruck, die künstlerische Vision sei irgendwo im Produktionszyklus erstickt.

Wagnisse und das notwendige Vertrauen in den Stoff sucht man besser bei den Serienformaten. Dort wird experimentiert und Geschichten bekommen die Zeit, die sie brauchen. Und das sind, wie „Chernobyl“ oder „The End of the F***ing World“ beweisen oft nur drei bis vier Stunden. Aber im Gegensatz zu Kinofilmen mit ihren obligatorischen Fortsetzungen, die in zwei Filmen immer öfter fünf Geschichten erzählen wollen und gleichzeitig noch sicher gehen, auch jene zufrieden zu stellen, die mit dem zweiten oder dritten Teil einsteigen, verlassen sich Mini-Serien darauf, dass ihre eine Geschichte wirkt. Und damit bleibt sie dann nachhaltiger in Erinnerungen als alle fünf Handlungsstränge des Sommer-Blockbusters zusammen.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Miniserie

    Pride and Prejudice, absoluter Favorit!
    07.07.2019, 00:00 Uhr
    • welche version? ;)

      die aus 1952, 1958, 1980, 1995, oder gar die südkoreanische aus 2014?
      da ich mal stark annehme, du meinst die "definitive version" aus 1995 mit colin firth, leg ich dir noch lost in austen ans herz (derzeit auf amazon). bin gespannt was du davon hältst...
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      07.07.2019, 23:31 Uhr
  • Die beste Miniserie... hmmm End of the f*fking world ear gut, Good Omens war auch gut und Mini Animationsserie: Over the garden wall!
    belzebub_625217a49e.jpg
    06.07.2019, 13:33 Uhr
  • Zeit

    Mein Hauptproblem bei Miniserien ist bei mir die Zeit. Wenn ich nur hin und wieder genügend Zeit finde um mir eine Folge anzusehen, ziehen sich leider auch Miniserien ziemlich in die Länge. Und wird es dann manchmal auch schwer, dem Inhalt zu folgen. Deshalb bleibe ich momentan lieber bei Filmen...
    schifferl_8ecab76654.jpg
    05.07.2019, 23:53 Uhr
  • Weihnachten

    Also bei TV-Miniserien denke ich ganz klar auch an die ehemaligen Fernsehsechsteiler wie „Patrik Pacard“, „Anna“ oder „Laura und Luis“.
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    05.07.2019, 23:25 Uhr
  • Ich bin vor kurzem auch auf den Geschmack von Mini Serien gekommen. Die Geschichte kann viel detailreicher und umfangreicher erzählt werden, als es in einem Film möglich ist.
    Zwei sehr spannende Mini Serien sind The Night Manager und The Five. Letztere hab ich innerhalb von drei Tagen verschlungen.
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    05.07.2019, 22:49 Uhr
  • to stream or not to stream

    "es fällt immer schwerer, reizvolles im kinoprogramm zu entdecken...?"
    mann, du wirst älter!

    1. wenn ich mir alte kinoprogramme aus den sechzigern anschaue oder das programm eurer geliebten achziger vergegenwärtige, fällt auf: gute filme waren immer mangelware, abhängig von saison (sommerloch oder award season), regierung (etwa top gun und all die kriegsgeilen reaganschen hollywoodheldenepen) und zeitgeist (die heutige neokonservativ-liberale agenda mit pseudogrün-feministischer tünche und politisch-korrekter ansichtsdiktatur) – da kann einem echt der spaß vergehen...

    und leider: was einem als jüngelchen oder heranwachsendem mädel gefallen hat, mag zwar mit nostalgiefaktor punkten, das hirn (und damit die kritische instanz – und distanz) lässt sich aber nimmer so ganz ausschalten. ich versprech dir: es wird im lauf der jahrzehnte immer schlimmer! ;)))

    2. der wandel der sehgewohnheiten ("ich bleib lieber daheim auf der couch als mich ins kino zu bemühen..."), eine vom großen kinofilm qualitativ immer weniger unterscheidbare fülle an amazon- oder netflix-produktionen machen das streaming-angebot zur echten konkurrenz. gute geschichten sind aber auch hier mangelware – schau dir nur das gros der reißbrett-serien an, die ganz und gar die erwartungshaltungen des zielpublikums bedienen: superhelden, serienkiller, weltenretter noch und nöcher, dazu eine eigene schiene für die LGBTQetc-gemeinde... nichts anderes als füllmaterial zwischen werbeeinschaltungen.

    3. die mutter der miniserie war wahrscheinlich die (BBC-)literaturverfilmung – ich liebe es, wenn man einem vielschichtigen klassiker die zeit und aufmerksamkeit geben kann, die er verlangt. da darf es auch der zehnte aufguss sein – man kann immer wieder neue nuancen, neue sichtweisen, oder aber spannend konträre twists entdecken. besonderen spaß macht's, wenn eine miniserie (lost in austen) sich auf eine legendäre literaturverfilmung bezieht – ein "postmoderner moment" sozusagen... und das beste dran: miniserien sind zu ende, bevor man ihrer überdrüssig werden kann.

    meine serien-highlights: le carrés the night manager, the handmaid's tale, westworld, viking (zumindest die ersten staffeln), the people vs o.j. simpson, the assassination of gianni versace, the bletchley circle, broadchurch, gut besetzte viktorianer-verfilmungen mit authentischem kolorit und liebe zum detail... als klassischer kinofilm alle nicht machbar – solange es noch leute gibt, die ihre blase nicht kontrollieren können oder filme nach der spieldauer auswählen.
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    05.07.2019, 22:42 Uhr
  • Wieviel Folgen ...

    ... hat eine MiniSerie eigentlich maximal?

    Also ich denke, es sollte NUR eine abgeschlossene Geschichte enthalten.

    Gutes Beispiel... THE TUDORS...

    Aufstieg und Fall diverser Frauen von Henry VIII ...

    divorced beheaded died divorced beheaded alive ...
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    05.07.2019, 19:50 Uhr
    • Grenze

      Das würd mich auch interessieren, wie man hier die Grenze sieht. Die letzte Staffel von „Lucifer“ hatte ja nur 10 Folgen. Gilt das dann auch schon als Miniserie? Find ich übrigens spitze die Serie...
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      05.07.2019, 22:11 Uhr
    • Zitat Wikipedia

      „Eine Miniserie unterscheidet sich von einer laufenden Fernsehserie, die normalerweise nicht eine vorbestimmte Anzahl von Folgen hat und für mehrere Jahre in mehreren Staffeln fortgesetzt werden kann.

      Zur Klärung beigetragen hat, dass die Hollywood Foreign Press Association 2014 die Golden-Globes-Regeln überarbeitet hat, die sich u. a. auf die Prämierung von Fernsehserien und Miniserien auswirken. Die größte Veränderung betrifft die Kategorie „Miniserie“ – jetzt „limitierte Serie“ genannt. Diese wird jetzt auf der Basis von Geschichte und Inhalt, nicht nach der Länge oder der Anzahl der Episoden definiert. Jede Produktion, deren Figuren und Handlung auf eine Staffel beschränkt sind, wird als Miniserie betrachtet. Die HBO-Serie True Detective wäre dann eine limitierte Serie, keine Drama-Serie. Mit anderen Worten, es spielt keine Rolle, ob eine Show acht, 13 oder 22 Episoden läuft. Maßgeblich ist der Inhalt, wenn es nach der HFPA geht.“
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      05.07.2019, 23:28 Uhr
    • definition

      miniserie bezeichnet einen TV-mehrteiler mit einer umfassenden, in sich abgeschlossenen geschichte, die bereits bei produktionsbeginn in mehrere teilgeschichten aufgesplittet ist, unabhängig von länge oder anzahl der episoden.

      so definieren die golden-globe-regeln jede TV-produktion, deren figuren und handlung auf eine staffel beschränkt sind, als miniserie (bzw "limited series") – eine eventuelle zweite staffel mit wiederum in sich abgeschlossenem inhalt und/oder anderen protagonisten gälte dann ebenfalls als (eigenständige) limitierte serie; die academy of television arts & sciences definiert in ihren regeln für die emmy-vergabe als "limited series" eine produktion von zwei oder mehr episoden mit einer gesamtlaufzeit von mindesten 150 programmminuten, die eine vollständige, sich nicht wiederholende geschichte erzählt und deren handlung sich nicht über mehrere staffeln erstreckt und/oder die selben hauptfiguren in weiteren staffeln einsetzt.
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      05.07.2019, 23:46 Uhr
    • definition

      miniserie bezeichnet einen TV-mehrteiler mit einer umfassenden, in sich abgeschlossenen geschichte, die bereits bei produktionsbeginn in mehrere teilgeschichten aufgesplittet ist, unabhängig von länge oder anzahl der episoden.

      so definieren die golden-globe-regeln jede TV-produktion, deren figuren und handlung auf eine staffel beschränkt sind, als miniserie (bzw "limited series") – eine eventuelle zweite staffel mit wiederum in sich abgeschlossenem inhalt und/oder anderen protagonisten gälte dann ebenfalls als (eigenständige) limitierte serie; die academy of television arts & sciences definiert in ihren regeln für die emmy-vergabe als "limited series" eine produktion von zwei oder mehr episoden mit einer gesamtlaufzeit von mindesten 150 programmminuten, die eine vollständige, sich nicht wiederholende geschichte erzählt und deren handlung sich nicht über mehrere staffeln erstreckt und/oder die selben hauptfiguren in weiteren staffeln einsetzt.
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      05.07.2019, 23:47 Uhr
  • Von den Serien, die auch als Mini-Serien geplant waren, zählenGood Omens und Over the Garden Wall zu meinen Favoriten. Abgesehen davon finde ich Nightflyers und Firefly toll.

    Generell bevorzuge ich das Format wenn es um die Verfilmung von Büchern geht, da einfach mehr Zeit ist um die Handlung umzusetzen und aus Zeitgründen nichts weggelassen, umgebessert,... werden muss.
    05.07.2019, 19:37 Uhr
  • Mini Serien sind die besseren Filme

    Mir hat Dark und Fargo sehr gut gefallen, aber auch You hat mich positiv überrascht.
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    05.07.2019, 19:31 Uhr
  • Absolut richtig

    Der Grund ist meiner Meinung nach die Zeit: ein Kinofilm dauert meist 2 Stunden, eine (Mini-)Serie meist einige Stunden. Die Zeitdifferenz kann entscheidend sein. Trotzdem würde ich mich über TV-Highlights auch im Kino freuen: ganz oben in der Wunschliste BREAKING BAD, THE SOPRANOS und MC MAFIA.
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    04.07.2019, 18:49 Uhr