Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Und was will der Inder?

Kobergs Klarsicht: Und was will der Inder?

Über M. Night Shyamalan lässt sich wunderbar streiten.
Und da er bei „Devil“ ja ganz ordentlich seine Finger im Spiel gehabt hat, sollte man das auch wieder einmal tun: Welche waren seine besten Filme? Was waren die Flops? Und soll man den schrägen Inder als großen Regisseur bezeichnen?

Meine These ist folgende: Die Qualität der Shyamalan-Filme ist indirekt proportional zum Rummel, der um sie gemacht wird. Wobei ich zugeben muss, sein Werk erst seit „The Sixth Sense - Der sechste Sinn“ zu verfolgen – der obigen These folgend, müssten die beiden Filme davor Meilensteine der Filmgeschichte gewesen sein. Wer weiß.
Seinen Durchbruch hatte er also mit einem kleinen Jungen, der tote Menschen sehen konnte. Kein Meisterwerk in meinen Augen. Auch keine Empfehlung. Im besten Fall ein Film, den man gesehen haben sollte, weil er immer und immer wieder zitiert worden ist. Zu unglaubwürdig ist das Ende, zu vorhersehbar die Schocker davor. Doch der Film füllte die Kassen mit einem Vielfachen seines Budgets.

Seine beste Phase hatte der Mann – so meine Behauptung – nach dem Erfolg von „Signs - Zeichen“. Nun hatte er sich wohl etabliert und konnte beginnen, seinen Filmen noch mehr seiner persönlichen Note zu geben; einer Note, die den Studios wohl heute noch bitter aufstößt: „The Village - Das Dorf“, „Das Mädchen aus dem Wasser“ und „The Happening“ floppten an den Kassen. Und das obwohl Shyamalan sich hier meisterlich an den Feinheiten zwischenmenschlicher Spannungen abarbeitete, die vor dem dramatischen Hintergrund fast lächerlich erscheinen. Warum hat Eliot Moore (The Happening) mit seiner Arbeitskollegin noch ein Tiramisu gegessen, ohne seiner Frau davon zu erzählen?
Die wahre Größe seines Genies offenbarte M.N.S. jedoch in „Das Mädchen aus dem Wasser“, als Filmkritiker Henry Faber im Keller des Hauses auf ein Monster trifft:

Hello? Is the bathroom on this level working? A dog inside the building! Go! Shoo! Why you're not a dog at all. My god, this is like a moment from a horror movie. This is precisely the moment where the mutation or beast will attempt to kill an unlikable side character. But, in stories where there has been no prior cursing, violence, nudity or death, such as in a family film, the unlikable character will escape his encounter, and be referenced later in the story, having learned valuable lessons. He may even be given a humorous moment to allow the audience to feel good about him. This is where I turn to run. You will leap for me, I will shut the door, and you will land a fraction of a second too late.
[Turns to run, is killed by wolf]

Dass Shyamalan seine Achtung für Filmkritiker zu diesem Zeitpunkt bereits verloren hatte ist augenscheinlich. Dass ihm auch das Publikum nicht die Treue hielt ist traurig. Denn was folgte war „Die Legende von Aang“, eine klischeehafte Verwurschtung eines eigentlich potenten Stoffes.
Vom Einfluss eines eigenwilligen Regisseurs ist hier nicht mehr viel zu spüren. Und seine Narrenfreiheit musste dieser wohl aufgeben: Nicht nur, dass Shyamalan den Film nicht in 3D transformieren lassen wollte, im Zuge dieses Prozesses wurde auch noch eine halbe Stunde an Szenen gestrichen. Und die Einspielergebnisse waren bescheiden. Mal sehen, wer jetzt noch an ihn glaubt.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Und trotzdem...

    .. ich bleib dabei: Nummer 1 ist "The Sixth Sense", dann "The Village".
    apanatschka_bd42685caa.jpg
    01.02.2011, 21:21 Uhr
  • "Unbreakable"

    Für mich der absolut beste MNS Film. Und Du hast recht: kaum ein Regisseur polarisiert so sehr wie er und es ist ein Jammer, dass seine Karriere und Filmographie einen so anderen Verlauf genommen haben als es nach "The Sixth Sense" ausgesehen hatte.
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    01.02.2011, 14:00 Uhr
    • Unbreakable

      Ja, Unbreakable darf nicht fehlen in der Liste. Ist eigentlich mein Lieblingsfilm von Shyamalan.
      treadstone71_02519ad8f6.jpg
      01.02.2011, 20:09 Uhr