Berlinale 2010
Berlinale 2010 - Tag 2

Berlinale 2010 - Tag 2

Von heulenden Gedichten, schweren Anschuldigungen, tragischer Liebe und zynischen Rollstuhlfahrern handelten die Filme des heutigen Tages.
Nach dem gemütlichen Auftakt zur Berlinale am gestrigen Tage ging es heute bereits in allen Sektionen des Festivals so richtig los: Im Wettbewerb wurden drei neue Filme gezeigt und auch die „Perspektive Deutsches Kino“, sowie das „Panorama“ wurden heute eröffnet. Außerdem gab es heute die Generalprobe für die große Weltpremiere der restaurierten Urfassung von Fritz Langs „Metropolis“ zu sehen, die sich Senad Halilbasic natürlich nicht entgehen lassen wollte.

Für mich begann der heutige Tag bereits eine halbe Stunde früher als sonst um 8:30 Uhr mit der Weltpremiere des Films „Howl“, einer künstlerischen Annäherung an das umstrittene, aber kultige Gedicht aus der Feder von Alan Ginsberg, das Ende der 1950er Jahre in den USA sogar die Gerichte beschäftigte, ging es dabei doch darum, ob der Text mit seinen zahlreichen Fäkalausdrücken und sexuellen Details obszön wäre oder nicht. James Franco spielt in dem Film souverän die Hauptrolle, der Film hat sich die schwierige Aufgabe gestellt, den ebenso schwierigen Text in Bilder umzusetzen und nebenbei auch noch eine Biographie des Autors einzubauen, was ihm gelingt.

Nach der heulenden Poesie ging es gleich weiter zum neuesten Film von Roman Polanski, der zwar nicht persönlich zum Festival kommen konnte, aber seine Hauptdarsteller Pierce Brosnan und Ewan McGregor nach Berlin geschickt hat, um für „The Ghost Writer“ die Werbetrommel zu rühren. Es geht darum um die politisch brisanten Memoiren eines britischen Premierministers (P. Brosnan), für den ein Schriftsteller (E. McGregor) die Memoiren schreiben soll. Der Film wurde wohlwollend aufgenommen, wenngleich er die versammelte Journalistenschar auch nicht gerade vom Hocker riss.

Bollywood-Star Shah Rukh Khan präsentierte heute seinen neuesten Film. In „My Name Is Khan“ spielt er einen jungen Inder, der an dem Asperger-Syndrom (so ähnlich wie Autismus) leidet und in den USA eine junge Frau kennen lernt, sich verliebt und als gläubiger Muslim nach dem 11. September 2001 große Schwierigkeiten bekommt. Der Film ist ausgesprochen gelungen, geht zu Herzen und bewegt, in seinen romantischen Momenten ebenso wie in den dramatischen Augenblicken.

Da Senad und ich den Film bereits gestern vorab sehen konnten, blieb mir noch etwas Zeit, einen Film aus der „Perspektive Deutsches Kino“ zu sehen. In „Renn, wenn Du kannst“ muss sich ein junger Zivildiener mit einem zynischen Studenten herumärgern, der seit seinem 18. Geburtstag im Rollstuhl sitzt. Die beiden freunden sich schließlich doch an, als sie sich jedoch in das gleiche Mädel verlieben, gerät ihre Freundschaft in ernste Schwierigkeiten. Ein beeindruckender und (beinahe) perfekter Film, wie Ihr in meiner Kritik nachlesen könnt.

Insgesamt war der zweite Tag ein gelungener Festivalauftakt mit einer Reihe guter Filme, aber noch ohne herausragenden Favoriten für einen der Preise. Morgen geht es natürlich weiter, unter anderem erwarten wir Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio auf dem Roten Teppich.

Der Autor
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Harry.Potter

Forum

  • Metropolis

    Das ist wirklich ein großartiger Kinoklassiker, und ich bin froh, dass ich die welturaufführung auf arte miterleben durfte.

    @Harry: wow, franziska weiß! jetzt werd ich neidisch.

    wünsch Euch noch viel spaß!
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    13.02.2010, 10:02 Uhr
    • Franziska Weisz

      Danke, danke. Sie ist total nett, wir werden nächste Woche bei einem Kaffee ein wenig plaudern. In "Renn, wenn Du kannst" hat sie halt nur eine ganz kleine Rolle, ich hoffe, in "Der Räuber" hat sie mehr Präsenz, sonst muss ich mir wirklich gut überlegen, was ich sie fragen werde... ;-)
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      13.02.2010, 11:01 Uhr