Neu im Kino
Neu im Kino (KW 26/2018)

Neu im Kino (KW 26/2018)

Trotz der kinoleerenden Fußball-WM darf man sich diese Woche im Kino dennoch auf eine sympathische Coming-(Out)-Of-Age-Komödie oder auch auf das neue Werk einer einst gefeierten Regielegende freuen.

Love, Simon

Im Independent-Kino erfreut sich das LGBT-Sub-Genre (Lesbian, Gay, Bisexual, Transexual), das sich dem Leben nicht-heterosexueller Figuren widmet, schon seit vielen Jahren an großer Beliebtheit. Mit mehrfach gepriesenen Werken wie „Carol“ (2015), „Moonlight“ (2016) oder zuletzt erst „Call Me By Your Name“ (2017) konnte der LGBT-Film in den letzten Jahren gar bei zahlreichen namhaften Preisverleihungen mehrfach repräsentiert werden. Nichtsdestotrotz konnte das Thema bisher noch nie so wirklich das Mainstream-Kino erreichen. Dieser Umstand soll sich nun mit der High-School-Komödie „Love, Simon“ ändern.

Das neue Werk von Regisseur Greg Berlanti basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Becky Albertalli und erzählt vom 17-jährigen Simon Spicer (Nick Robinson). Nach außen hin scheint der Teenager ein 08/15-High-School-Leben zu führen, jedoch hütet Simon vor seinen Freunden und Eltern ein großes Geheimnis: er ist schwul. Als er eines Tages mit einem anonymen Mitschüler, von dessen Homosexualität er durch Zufall erfährt, eine Mail-Freundschaft anfängt, fühlt er sich langsam aber sicher dazu ermutigt, seinem Umfeld das Geheimnis anzuvertrauen. Das geplante Coming-Out gestaltet sich jedoch schon bald schwieriger als erwartet…

Bei „Love Simon“ handelt es sich um die allererste Produktion eines großen Studios, die sich einer homosexuellen Romanze widmet und konnte am US-amerikanischen Box-Office bereits große Erfolge verbuchen. Und der ganze Erfolg ist auf jeden Fall nicht unverdient, denn herausgekommen ist dabei eine wirklich schöne Coming-Of-Age-Komödie, die Elemente klassischer High-School-Komödien im Stile von John Hughes mit einem zuvor im Mainstream zu selten behandelten Thema vermischt. Zwar greift das Drehbuch ab und an etwas zu tief in den Klischeetopf, was jedoch zumeist mit Charme und smarten Slapstick wieder wettgemacht wird.

Ein Film, der heutigen und kommenden Generationen an Teenagern den Mut geben kann, deren Sexualität nicht verstecken zu müssen!

Nach einer wahren Geschichte

Regisseur Roman Polanski zeichnete sich einst für wahre Kino-Meilensteine wie „Ekel“ (1965), „Tanz der Vampire“ (1967) oder „Rosemary's Baby“ (1968) verantwortlich. Ende der 70er-Jahre sorgte Polanski für schockierende Negativ-Schlagzeilen: er wurde wegen „Vergewaltigung durch Verwendung betäubender Mittel“ einer damals erst 13-Jährigen angeklagt. Als sich abzeichnete, dass Polanski den Prozess verlieren würde, flüchtete er vor seiner Verurteilung nach Frankreich, wo er bis heute verweilt.

Trotz seiner mutmaßlichen Tat kehrte Polanski dem Filmemachen nicht den Rücken und wurde für sein Holocaust-Drama „Der Pianist“ 2003 sogar mit dem Oscar für die Beste Regie ausgezeichnet. Der Verleihung konnte der heute 74-jährige Filmemacher aufgrund der drohenden Verurteilung zwar nicht beiwohnen, bekam aber tösenden Applaus vom Publikum.

Aufgrund des derzeitigen #metoo-Klimas in Hollywood wurde Polanskis Straftat in den letzten Monaten wieder prominent in den Medien behandelt. Umso obskurer ist es, dass ausgerechnet jetzt sein neuestes Werk „Nach einer wahren Geschichte“ bei uns in den heimischen Kinos anläuft.

Der Psychothriller handelt von der Schriftstellerin Delphine (Emmanuelle Seigner), die nach der Arbeit an ihrem letzten sehr persönlichen Roman psychisch ausgelaugt ist. Eines Tages lernt sie die junge Frau Elle (Eva Green) kennen, zu der sie schon bald eine Freundschaft aufbaut. Je näher jedoch Elle in Delphines Leben tritt, desto mehr scheint ihre Schreib-Begabung zu schwinden. Als sich jedoch aus der Freundschaft schon bald eine Obsession entwickelt, beginnt Delphine langsam aber sicher den Verstand zu verlieren.

Bei den letztjährigen Filmfestspielen von Cannes, bei denen das Drama seine Weltpremiere feiern durfte, wurde der Film von der Presse sehr gemischt aufgenommen. Alteingesessene Polanski-Fans, die dessen Privatleben von seinem künstlerischen Schaffen trennen können, sollten aber dennoch einen Blick wagen!

Weitere Neustarts

Fans von Elvis Presley dürfen sich mit „The King - Mit Elvis durch Amerika“ auf eine ungewöhnliche Dokumentation freuen, die das Leben des King of Rock mit moderner Gesellschaftspolitik der USA verbindet.

Im britisch-skandinavischen Drama „Euphoria“ sind Alicia Vikander und Eva Green als entfremdete Geschwister zu sehen, die sich nach der Beerdigung ihrer Mutter auf eine gemeinsame Reise durch Europa begeben.

Aus deutschem Hause erwartet uns die Jugend-Fantasy-Komödie „Meine teuflisch gute Freundin“, in der die Tochter des Satans auf die Erde geschickt wird, um einen Menschen zum Bösen zu bekehren.

Die jüngeren Zuschauer dürfen sich auf das norwegische Animations-Abenteuer „Elias - Das kleine Rettungsboot“ freuen, in dem sich der titelgebende Held nichts sehnlichster wünscht, als beim Großhafen zu arbeiten.

Zu guter Letzt sei noch zu erwähnen, dass das mehrfach preisgekrönte koreanische Drama „On the Beach at Night Alone“ nun endlich auch in Graz anläuft.

Ich wünsche UNCUT-Lesen wie immer eine tolle Zeit im Kino und hoffe, dass es den einen oder anderen von euch trotz der WM-Euphorie auch in heimische Lichtspielhäuser verschlagen wird.
Der Autor
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