Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Personalfragen

Kobergs Klarsicht: Personalfragen

Der Name auf dem Regie-Sessel hat für viele an Bedeutung verloren. Das beeinflusst die Erwartungen und kann Enttäuschungen bescheren.
Selten, dass sich die Geister in Filmfragen derart scheiden, wie dieser Tage, wenn über „Batman vs. Superman - Dawn of Justice“ diskutiert, geschrieben, gezetert und geschwärmt wird. Zack Snyder solle doch bitte nie wieder ein Comic verfilmen, ist zu lesen. Und andernorts wird wiederum der lang ersehnte neue Wind im Comic-Genre gefeiert. Die Aufregung tut dem Medium Film auf jeden Fall gut, aber sie sagt auch einiges aus, über Filme und ihr Publikum.

Ein Eindruck der sich verhärtet ist der, dass Filme für einen großen Teil ihres Publikums losgelöst sind, von den Personen die sie machen und der Richtung, aus der sie kommen. „Batman vs Superman“ ist zu düster, sonderbar pathetisch und in seinen harten Schnitten verwirrend? Ein paar kurze Blicke auf den Werdegang des Regisseurs hätten hier Vorahnungen geweckt. Über weite Strecken ist der Film genau das, was von Zack Snyder und seinen Kollaborateuren wie etwa Hans Zimmer zu erwarten war. Das muss man nicht mögen und wahrscheinlich fehlt dem Film die eine oder andere Stunde Laufzeit, um wirklich das zu sein, was Snyder machen wollte, aber sonderliche überraschend ist das nicht.

Vom Typ her ähnlich, aber noch ein bisschen verwunderlicher war für mich die zweimal vernommene Kritik, „The Hateful 8“ sei für einen Western zu brutal und aufgrund der endlosen Dialoge langweilig. Verwunderlich deswegen, weil der Film für all jene, die in ihm vor allem das neueste Werk von Quentin Tarantino sehen, sehr viel von dem gebracht hat, was erwartet wurde. Aber natürlich: Wer einen Western sehen wollte und dem Regisseur nicht viel Beachtung geschenkt hat, dürfte tendenziell enttäuscht worden sein.

Oft genug sind es die Schauspieler oder ein Trailer, die mich ins Kino locken. Manchmal ist es das Thema und immer wieder ist es in erster Linie der Regisseur. Jede dieser Optionen weckt Erwartungen und wenn ein Film wie „Batman vs Superman“ schon vorab so intensiv diskutiert wird, dann fächert sich das Publikum natürlich auf, von den Trägern des Hypes bis zu den Zufallsgästen.

Das explosive Knistern rund um den Film entsteht wohl vor allem im Aufeinandertreffen eines stilistisch extremen Regisseurs und eines von den Massen erwarteten Blockbusters. Das zu ermöglichen war sicher eine mutige Entscheidung der Produzenten. Im Saal entsteht dann alles von tief empfundener Zufriedenheit bis zu verärgertem Gelächter. Und Meinungsverschiedenheiten wie diese verankern dann auch wieder Regisseurs-Namen in den Köpfen des Publikums.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • eine Schachtel Pralinen...

    Ja die Erwartungshaltung der einzelnen Personen (Zuseher) ist in der Filmbranche ein zweischneidiges Schwert. Wie könnte man es noch vergleichen? Wenn ich in einem Restaurant ein Wiener Schnitzel bestelle und es mir erwarte, und auf einmal bekomme ich Spagetti Bolognese serviert, bin ich auch nicht gerade begeistert. Vielleicht erwarteten sich viele bei Batman v Superman eine Art Avengers. Einfach etwas vollkommen anderes als das, was schlussendlich präsentiert wurde. Wenn jemand nun die Comics gelesen hat, hat man eine andere Erwartung an den Film, als jemand, der Smallville gesehen hat und sich den netten Clark von nebenan erwartet hatte. Einerseits ist es gut, dass nicht zu viel im Vorhinein verraten wird, schließlich hätte man sonst vielleicht nie den Gang ins Kino gewagt und wäre damit positiv überrascht worden.. jedoch kann das eben auch nach hinten losgehen. Oft werden heutzutage Genres vermischt, so das es sich beim Film weder um Fisch noch Fleisch handelt... und der Film nirgends so richtig punkten kann. Was die Erwartungshaltung angeht, ist man da sicherlich bei einer Komödie besser bedient. Aber da gibt es ja auch schon so viele Untersparten. Wie sagte Forrest Gump einst so schön? Das Leben (und auch die Filmbranche) ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man kriegt!
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    13.04.2016, 10:36 Uhr