Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: McVampire

Kobergs Klarsicht: McVampire

Wie aus immer denselben Zutaten unterschiedlichste Vampire entstehen.
Sie sind zu den großen Verwandlungskünstler des Unterhaltungskinos geworden, diese blassen Blutsauger. Wobei eine Beschreibung ihrer Äußerlichkeiten sich als immer unmöglicher entpuppt. Freilich sehen Vampire ab und an noch so aus, als wären sie in direkter Linie mit dem Grafen Dracula verwandt, aber wenn ich beispielsweise an die sabbernden Kreaturen aus Scott Stewards „Priest“ zurückdenke, so erinnern die mich eher an den letzten Zombie-Shooter, als an rumänische Schlösser und feinen Zwirn.

Vampire können heutzutage fast alles sein. Und genau das ist ihre Stärke: Von ekelerregenden Monstern (siehe oben) zu trotteligen Onkeln aus der Vergangenheit („Dark Shadows“) und von gefühllosen Mitgliedern einer Schattengesellschaft („Blade“) bis hin zum romantischen Teenie-Schwarm („Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen“); sie sind erstaunlich wandelbar und trotzdem braucht man sie nicht zu erklären. Das Publikum weiß, dass ein gebissener Mensch zum Vampir wird – obwohl das in allen Filmen unterschiedlich abläuft – und es wundert sich nicht, wenn die Blutsauger vor dem Sonnenlicht fliehen – obwohl es ihnen in vielen Geschichten nichts ausmacht.

Sie sind also der Bösewicht-Baukasten moderner Geschichtenerzähler. Und manchmal sind sie auch gut. Auf jeden Fall dürfen sich Märchenonkel und –tanten aus der breiten Palette bekannter Vampir-Eigenschaften beliebig viele aussuchen um so mythische Figuren zu erschaffen, die das Publikum recht bedingungslos annimmt. In Timur Beckmambetovs aktuellem Kinofilm „Abraham Lincoln Vampirjäger“ ist es das Silber, das die Vampire tötet. Sonnenlicht scheint sie kalt zu lassen und von Knoblauch hat seit „Blade“ kaum mehr jemand gebrauch gemacht. Und wenn die Herrschaften jemanden beißen wird das Opfer offenbar nur zum Vampir, wenn es keine reine Seele hat. Oder so. Erklärt wird das nicht, aber weil sie ja Vampire sind wird’s schon passen.

In wenigen Genres wird so leidenschaftlich mit Konnotationen gespielt, wie in Vampirfilmen. Darin begründet sich wohl ihre Popularität. So bleiben sie seltsam anziehend, selbst wenn sie uneingeschränkt böse sind. Sie sind die Stilikonen des Horrorgenres und ihr Hang zu schönen jungen Frauen und deren entblößten Hälsen gibt dem Ganzen noch einen erotischen Touch. Ihren guten Ruf verlieren sie auch nicht, wenn sie zwischendurch fast zur Unkenntlichkeit umgestaltet werden. Also nur zu: Der nächste Vampirbausatz liegt sicher schon bereit.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • TV

    Die wahren Vampire sind im Fernsehn: "True Blood" !!!
    apanatschka_bd42685caa.jpg
    12.10.2012, 09:07 Uhr
  • Favoriten

    Für mich der absolut beste, weil gleichermaßen unterhaltsame wie gruselige Vampirfilm ist Roman Polanskis "Tanz der Vampire". Mit "Twilight" gibt es nun auch eine Vampirdynastie der Neuzeit oder der "MTV Generation", wie die Jugendlichen dieser Zeit oft genannt werden, obwohl MTV schon lange seinen Glanz verloren hat.
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    11.10.2012, 11:31 Uhr