Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Runter vom Gas

Kobergs Klarsicht: Runter vom Gas

Ryan Gosling wird mehr und mehr zur Galionsfigur einer cineastischen Entschleunigung.
Der Zeitgeist und das ist wunderbar ist kein Tyrann, keiner der sich alles mit Gewalt untertan macht, sondern einer der eine Richtung vorgibt, der viele folgen, aber eben nicht alle. Tatsächlich und hierfür liefern die Unterhaltungsmedien unzählige Beispiele macht es nicht viel Sinn vom Zeitgeist im Singular zu sprechen. Mehrere Zeitgeister sind am Werk. Und während der eine die YouTubisierung des Unterhaltungskinos voranzutreiben scheint, schafft ein anderer Raum für Ryan Gosling.Oder eben für viele seiner Filme, in denen er nostalgisch lange Szenen nützt, um facettenreich traurig drein zu schauen.

Mit „YouTubisierung“ meine ich die an dieser Stelle bereits beklagte Beschleunigung und Überladung des Blockbuster-Kinos. Zu viele Geschichten, zu wenig Zeit. Da hilft dann auch die Überlänge und die Fortsetzung nichts die vermeintliche Notwendigkeit, in immer höherer Schlagzahl Reize zu liefern, um das Publikum bei der Stange zu halten.

Gosling ist für mich seit längerem ein Gesicht, das diesem Trend entgegensteht; mit seinem Auftreten in „Blade Runner 2049“ hat er sein Anrecht auf diese Position einmal mehr unterstrichen. Diese Qualität vieler Gosling-Filme mag in erster Linie der gelungenen Regie geschuldet sein. Trotzdem ist es wieder und wieder sein Gesicht, das einen guten Teil der Leinwand füllt, während in weiteres Mal bewiesen wird, dass sich Spannung eher durch Ruhe als durch die Reizflut auf das Publikum übertragen lässt.

Selten war Film in den letzten Jahren so spannend, wie die Fluchtwagenfahrt am Anfang von „Drive“. Aber nicht nur Spannung, auch andere Emotionen lassen sich mit Ruhe so eindringlich übertragen. Schuld beispielsweise, in „ The Place Beyond the Pines “. Oder worum auch immer es in „Only God Forgives“ ging.

Die Wiederkehrende Verpflichtung Goslings für derartige Filme erklärt sich wohl am ehesten aufgrund seiner Fähigkeit, regungslos emotional zu sein. Dass es diese Filme gibt und dass sie, wie „Blade Runner 2049“ gerade beweist, sogar an den Kassen erfolgreich sein können, stimmt auf jeden Fall optimistisch. Ein bisschen Vielfalt tut auch den Zeitgeistern gut.