Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Von Weibs- und Mannsbildern

Kobergs Klarsicht: Von Weibs- und Mannsbildern

Der Koberg versucht das Sommerloch saisonbedingt mit Genderfragen zu stopfen.
Sommerlöcher werden in dieser Saison offenbar mit Genderfragen überbrückt. Und da es zu den Machenschaften des Herrn Potter weit qualifiziertere Kommentatoren gibt als mich, scheint das Sommerloch, auch aus der cineastischen Perspektive betrachtet, gekommen zu sein. Denn neben dem Finale der Zauberlehrlingssaga wagen nur weniger Produktionen einen Release.

Ein Glück also, dass die Genderdebatte Hollywoods durch Megan Fox ein wenig Aufwind bekommen hat. Die junge Schönheit sei es Leid gewesen, von Michael Bay immer nur als Sexobjekt in Szene gesetzt worden zu sein. Und als ihr Lamento selbst Produzent Steven Spielberg zu viel geworden war, habe diese sie vor die Tür gesetzt. Also heißt die neue Schönheit von „Transformers 3“ Rosie Huntington-Whiteley – ein Victoria’s Secret-Model dem man nachsagt, mit derartigen Objektifizierungen kein Problem zu haben.
Dass Megan Fox den Führungsstil von Michael Bay mit jenem Adolf Hitlers verglich, lässt freilich vermuten, dass ihr Intellekt ihrem Sex-Appeal wohl kaum die Show stehlen wird.

Trotz etwas lächerlicher Anekdoten wie dieser, ist die Frage nach der Rolle der Frauen im Unterhaltungskino natürlich nicht ganz unbedeutend. Immer wieder entsteht der Eindruck, die körperlichen Reize mancher Schauspielerinnen stünden ihrem Talent im Weg. Und während Angelina Jolie dem Problem Herr geworden zu sein scheint (Und wie gendert man so etwas?), geben sich Kolleginnen wie Jessica Alba größte Mühe, endlich auch an Rollen zu kommen, die ihrem Schauspiel mehr Raum lassen, als ihren Kurven.
Starke Frauen sind auf der Leinwand nicht selten, finden sich aber fast ausschließlich in der Niveau-Abteilung. In den bisher erfolgreichsten zehn Filmen dieses Jahres sucht man sie eher ergebnislos. Denn selbst die junge Wissenschaftlerin Jane Foster (Natalie Portman) konzentriert sich ab dem zweiten Drittel von „Thor“ primär auf das Bewundern des gefallenen Gottes.

Klar kann man hier einwenden, dass auch die Herren im Unterhaltungskino – „Thor“ ist hier ein hervorragendes Beispiel – häufig ihre Äußerlichkeiten in den Vordergrund stellen. Dank der fortwährenden Oberkörperentblößungen von Jason Statham war beispielsweise „Transporter 3“ gerade beim weiblichen Publikum ein großer Erfolg. Aber hier geht es zumindest um Heldenfiguren während die Damen in diesen Filmen zur Handlung oft nur wenig beitragen.

Nun will ich keinesfalls den moralischen Zeigefinger schwingen und mehr weibliche Superhelden oder toughe Soldatinnen fordern – „Elektra“ und „Catwoman“ waren fürchterlich und „Die Akte Jane“ läuft ohnehin alle paar Monate im Fernsehen. Viel eher erscheint es mir lohnenswert sich bewusst zu machen, wie bereitwillig und erfreut wir diese klassischen Rollenbilder immer wieder „konsumieren“. Und daran muss ja nichts niveaulos oder diskriminierend sein. Immerhin unterhalten sich auch Männerrunden gerne über Brad Pitt und Vin Diesel und die ärgsten Frauen-Klischees finden sich in Serien mit vorwiegend weiblichem Publikum. Nur wenn dann in intellektueller Runde über Genderfragen diskutiert wird, wollen wir das oft nicht so ganz wahr haben.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Oscar-Gesichter

    Ja, über die Theorie, dass man sich als Frau für einen Oscar hässlich schminken muss hab ich auch schon mal wo was geschrieben... Nicole Kidman, Charlize Theron und im Ansatz auch Halle Berry in Monsters Ball.
    Also: Ein paar Filme lang Sex-Appeal-Punkte sammeln und dann einmal eine Rolle mit unhübschem Gesicht :)
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    20.07.2011, 13:12 Uhr
  • ...

    Man hat regelrecht den Eindruck, als müssten Frauen sich zur Unkenntlichkeit schminken, um auf der Leinwand ernst genommen zu werden. Bestes Beispiel: Charlize Theron in Monster.
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    20.07.2011, 08:41 Uhr
    • good point

      Dazu fällt mir ein, dass Nicole Kidman auch erst ihren Oscar für "The Hours" bekam, nachdem sie sich die grausliche Riesennase von Virginia Wolf verpassen ließ. Wenigstens hatte das nichts mit dem platten Zur-Schau-Stellen-Von-Rundungen zu tun.
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      20.07.2011, 10:45 Uhr
  • Nackte Oberkörper

    Mir fällt dazu auch noch ein, dass beim zweiten "Twilight"-Film jedes Mal der ganze Kinosaal zu stöhnen und zu kreischen anfing, als sich Taylor Lautner das T-Shirt auszog.
    markus_lhnert2020_d56a9fa338.jpg
    19.07.2011, 17:08 Uhr