Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Sternenhaufen

Kobergs Klarsicht: Sternenhaufen

Filme voller Stars verbreiten oft nur ein billiges Glitzern.
Damals mit Danny Ocean war es ja noch wirklich lustig: Eine eindrucksvolle Ansammlung von Stars drängt sich in den engen Raum eines einzelnen Films und kurbelt ganz nebenbei die Werbemaschinerie ordentlich an. Damals ließ man uns auch noch recht erfolgreich glauben, all das sei mehr aus Jux und Tollerei entstanden, als aus Marketing-Kalkül. Doch seither ist einige Zeit vergangen und derartige Star-Aufläufe sind zum Selbstzweck geworden.

Letztes Jahr hat Garry Marshall mit „Valentinstag“ gezeigt, wie wenig man aus unzähligen Schauspielern mit überdurchschnittlichem Potential machen kann. Dabei hat der Mann schon „Pretty Woman“ gedreht und sollte wissen, wie er sein Publikum zum Seufzen bringt. Aber nein. Das Überangebot an bekannten Gesichtern führt zu minimalistischen Episoden und letztendlich bekommt niemand die Gelegenheit, sein etwaiges Potential auch auszuspielen.

Nachdem „Valentinstag“ also schon ein ziemlicher Graus war, scheint es naheliegend, noch eines draufzusetzen. Und so kommt dieser Tage Marschalls nächster Streifen „Happy New Year“ in unsere Kinos und hat noch ein paar Stars mehr auf dem Poster untergebracht. Und das scheint den Produzenten zu genügen.

Wie Til Schweiger kürzlich bei Harald Schmidt verriet, verursachen die vielen klingenden Namen durchaus kein großes Loch im Budget. Jeder der Darsteller wird nur für drei bis vier Tag gebucht und so hat der nuschelnde Til kaum einen seiner Kollegen zu Gesicht bekommen, auch wenn sie sich auf der Leinwand alle gemeinsam über den Jahreswechsel im Big Apple freuen.

Der Qualität der Darstellungen merkt man den Zeitdruck hinter der Kamera selbstverständlich an, auch wenn ohnehin keine Zeit bleibt, um tatsächlich Geschichten zu erzählen. Bleibt also nur zu hoffen, dass der Zenit des Phänomens erreicht ist bevor noch mehr Serienstars importiert werden müssen. Catherine Heigl war ja schon keine Offenbarung. Und jetzt auch noch dieses singende Nervenbündel aus „Glee“...

Zum Schluss also der fromme Advent-Wunsch nach ein wenig Besinnung in der Filmindustrie. Weniger sind oft mehr. Selbst wenn die Wenigen wieder Julia Roberts und Richard Gere heißen.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Episoden

    Ein Episodenfilm ist natürlich auch immer ein Risiko. „Valentinstag“ war mir zum Beispiel schon etwas zu chaotisch.
    Ein Episodenfilm, der mir sehr gefallen hat ist aber „Tatsächlich ... Liebe“. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass hier fast alle der Kurgeschichten so gut waren, dass sie einen eigenen Film füllen hätten können. Und dass diese intelligent miteinander verstrickt wurden.
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    08.12.2011, 16:44 Uhr