Filmkritik zu Impetigore

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  • Bewertung

    Blut ist dicker als Wasser

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Das asiatische Kino ist für seinen Facettenreichtum und seine Genrelastigkeit bekannt. Während Japan und Südkorea seit geraumer Zeit im Mittelpunkt des asiatischen Horrorkinos stehen, haben sich in den letzten Jahren auch Indonesien und Thailand in dieser Kategorie einen Platz ganz vorne erkämpft. Der indonesische Regisseur Joko Anwar hat bereits mit seinem Sensationserfolg „Satan‘s Slave“ aus dem Jahr 2017, der vor zwei Jahren am Slash ½ zu sehen war, bewiesen, dass er mit seinen Filmen Leuten das Fürchten lehren kann, nun legt er mit seinem neuen Film „Impetigore“ nach. Er wurde am diesjährigen Sundance Film Festival gezeigt und ist in den Vereinigten Staaten über die Horror-Streamingplattform Shudder zu beziehen.

    Großstädterinnen treffen auf javanische Traditionskultur: Maya wurde von ihrer Tante in der Stadt aufgezogen, nachdem sie als kleines Kind von ihren Eltern, über die sie keinerlei Kenntnisse besitzt, weggegeben wurde. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Dini arbeitet sie an einer Mautstelle, wo sie eines Tages von einem Unbekannten mit einer Machete attackiert und schwer verletzt wird. Ihr Angreifer wird an Ort und Stelle von der Polizei erschossen. Einige Zeit vergeht und Maya gehen die letzten Worte des Aggressors nicht mehr aus dem Kopf, die von ihrem Geburtsort und ihren Eltern zu handeln schienen. Schließlich beschließt sie in das Dorf zu fahren, aus dem sie angeblich stammt, Dini begleitet ihre Freundin auf der Reise. Angekommen im abgelegenen, kargen Dorf suchen sie Mayas Elternhaus auf, das seit vermeintlich zwanzig Jahren leer stehen soll. Allmählich wird den beiden jedoch bewusst, dass die Dorfbewohner ein schreckliches Geheimnis verbergen, ein Fluch, der den Einwohnern seit geraumer Zeit das Leben schwer macht und mit dem Mayas Schicksal auf merkwürdige Art und Weise verbunden zu sein scheint.

    Nachdem Hauptdarstellerin Tara Basro bereits in „Satan‘s Slaves“ ihr Können gezeigt hat, gibt sie auch in „Impetigore“ ihr Bestes und avanciert dabei zu einer echten Scream Queen. Das souveräne Konzept des Films mischt klassische Horrorelemente mit Elementen der indonesischen und javanischen Kultur und vermag über weite Strecken eine markerschütternde Erzählung darzubieten. Obwohl der Film zwischendurch Längen aufweist, zieht er die Zuschauer mit seinen beeindruckend-beunruhigenden Bildkompositionen und einer fesselnden Schilderung, die die Protagonistin auf den Weg in ihre fürchterliche Odyssee begleitet, immer wieder zurück in den Bann. Der Film strahlt seine gesamte Laufzeit über gewisse Reminiszenzen an bestimmte Horrorklassiker aus, im Speziellen jedoch der finale Akt, bei dem einem unweigerlich Tobe Hoopers Kultfilm „The Texas Chainsaw Massacre“ in den Sinn kommt.

    Die letzte Sequenz bildet allerdings gleichzeitig den einzigen Stolperstein des Films: Ein künstlich in die Länge gezogenes „Deus ex Machina“-artiges Flashback, sowie ein deplatzierter Cliffhanger im Epilog, stören die Harmonie und werden der restlichen, erstklassigen Qualität des Films alles andere als gerecht.


    Indonesisches Genrekino vom Feinsten!
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    (Julia Pogatetz)
    22.09.2020
    17:24 Uhr