Die beste aller Welten

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Forumseintrag zu „Die beste aller Welten“ von juliap

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juliap (11.04.2017 11:43) Bewertung
Die dämonische Sucht
Das Spielfilmdebüt "Die beste aller Welten" des gerade mal 25-Jährigen Adrian Goiginger, der auf der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte, und im Zuge dessen den Kompass-Perspektive-Preis erhalten hat, konnte auch bei seiner Österreichpremiere auf der Diagonale 17' überzeugen. Nicht nur der Kleine Zeitung-Publikumspreis ging an das berührende Drama, auch wurde die Hauptdarstellerin Verena Altenberger mit dem Diagonaleschauspielpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Der Film, basierend auf den realen Kindheitserlebnissen des Regisseurs, wird aus den Augen des siebenjährigen Adrians erzählt. Adrian lebt gemeinsam mit seiner Mutter Helga und deren Lebensgefährten Günter in einer heruntergekommenen Junkiewohnung, die immer wieder Schauplatz exzessiver Partyabende ist. Helga, die gleichermaßen überfordert von der immer stärker werdenden Heroinsucht ist, wie von ihrer frühen Mutterrolle, bemüht sich sehr Adrian trotz der vorherrschenden Umstände mit viel Liebe und Fürsorge zu erziehen. Je tiefer sie jedoch im Drogensumpf versinkt umso schwerer wird es für sie ihrer Rolle als fürsorgender Mutter gerecht zu werden, Helga weiß einerseits, dass sie auf diese Weise Adrians Kindheit zerstört, andererseits ist sie auch bereit um ihn zu kämpfen. Um die schlimmen Ereignisse, die um ihn herum stattfinden, verarbeiten zu können, flüchtet sich Adrian in eine Art Fantasiewelt, in der es nur ihm, dem großen Abenteurer, gelingen kann einen besonders bösartigen Dämon zu bekämpfen. An dieser Stelle ist ein Vergleich mit Guillermo del Toro's großartigen "Pans Labyrinth" angebracht, der mit ähnlich fantastischen Elementen und einem stark ausgeprägten Symbolismus, die furchtbaren Erlebnisse eines Kindes wiederspiegelt.
Dem Spielfilm "Die beste aller Welten" gelingt es auf eine Weise zu berühren, die fernab von kitschig ist, im Gegenteil mit einer wahnsinnigen Authentizität punktet. Das Schauspielensemble agiert wunderbar und wirkt sehr gut aufeinander abgestimmt, besonders die Szenen zwischen den beiden Hauptdarstellern Verena Altenberger und Jeremy Miliker, der Darsteller des Adrian, scheinen eine besonders vertraute, beinahe wirklich mütterliche Bindung zu zeigen. Adrian Goiginger beweist mit seinem Drama, dass er sich keiner Vergangenheit zu schämen hat, dass man trotz schwerwiegender Probleme eine aufopfernde, liebende Mutter sein kann und porträtiert auf diese Weise seine Mutter als eine Heldin, die sich ihren Dämonen stellen musste und siegte. Für mich ist "Die beste aller Welten" zweifellos der beste Spielfilm im Programm der Diagonale 2017 gewesen, welchen ich ohne Einschränkung weiterempfehle.
 
 

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