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  • Bewertung

    Polizist auf Abwegen

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    Dass Laurence Rupp ein vielschichtiger Schauspieler ist, ist spätestens seit dem Experimentalfilm „Die Geträumten“ von Ruth Beckermann, der 2016 den Diagonalepreis als Bester Spielfilm für sich gewann, nicht zu bestreiten. Im Film „Cops“ von Stefan Lukacs aka Istvan, der sich im Kurzfilm „Void“ schon einmal mit der Sondereinheit WEGA beschäftigt hat, darf er sich nun von einer komplett neuen Seite zeigen. In diesem mimt er nämlich einen Polizisten, der sich seinen Traum ein Teil des berüchtigten WEGA-Einsatzkommandos zu sein unbedingt erfüllen will.

    Christoph trainiert hart und hingebungsvoll und arbeitet konsequent darauf hin, ein Teil der Sondereinheit WEGA zu werden, bei der er sich im Moment in Ausbildung befindet. Andauernde Machtkämpfe und männliche Rollenklischees erfüllen den Alltag der Rekruten, allen voran der Chefausbilder der Einheit Konstantin Blago (Anton Noori), der seine „Schützlinge“ oder „Burschis“, wie er sie liebevoll nennt, mit besonderer Härte behandelt. Als bei einem vermeintlich harmlosen Einsatz die Situation auf Grund einer gravierenden Fehleinschätzung Blagos eskaliert und ein psychisch Kranker, welcher sich in seiner Wohnung verschanzt hatte, ein Messer zückt, reagiert Christoph umgehend und schießt den Angreifer nieder. Einige Tage später erliegt der Angreifer seinen schweren Verletzungen. Perplex von seinem eigenen Handeln, bemerkt Christoph erst zu spät die Konsequenzen seiner Tat, doch der Respekt, der ihm von da an vom Chef und seinen Kollegen entgegenkommt, lassen ihn jedwede Schuldgefühle verdrängen. Als ihn bei späteren Einsätzen jedoch Flashbacks und Panikattacken befallen, und er zunehmend gewaltbereit gegenüber Mitmenschen, Kollegen und sogar seiner Freundin (Anna Suk) wird, so wird auch sein Umfeld zunehmend ablehnender und der Traum von der WEGA scheint allmählich in einem Albtraum zu enden.

    In seinem Langspielfilmdebut erzählt Stefan Lukacs die Geschichte eines jungen Mannes, der sich plötzlich mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert sieht, und dieses einfach nicht verarbeiten kann, immer wieder hört man vom Protagonisten „ Jo passt eh alles“, wenn er nach seinem Zustand befragt wird. Ein großartiges Castingensemble (auf der Diagonale mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet!) verstärkt die wichtige Botschaft des Films und verdeutlicht die zunehmende Hilflosigkeit des Titelhelden Christoph, in der dieser allmählich untergeht. In den Nebenrollen sind vor allem Maria Hofstätter, in der Rolle der gewissenhaften Polizistin Marianne Kelch, sowie Roland Düringer, als Christophs gutmütiger Vater, hervorzuheben, und geben dem ansonsten eher jungen Cast eine gewisse Würze. Musikalisch wird die Handlung optimal von einem Soundtrack der Sofa Surfers unterstrichen, und mit schnellen, lauten Beats Christophs Gemütszustand wirkungsstark vermittelt.

    Der Film wird ab Herbst 2018 in den heimischen Kinos zu sehen sein, bereits jetzt kann er sich über zahlreiche Preise freuen, nicht nur bei der Diagonale konnte „Cops“ abräumen (unter anderem auch der Publikumspreis) auch beim renommierten Max-Ophüls-Preis konnte das Drama den Publikumspreis und den Preis für den gesellschaftlich relevantesten Film gewinnen. So sehr der Film auch das vorherrschende Polizeisystem kritisiert, und dadurch mit unglaublicher Aktualität und Relevanz auffährt, so darf der Film nicht als reiner Anti-Polizei-Film gesehen werden, vielmehr sollen Probleme im System aufgezeigt und veranschaulicht werden.
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    (Julia Pogatetz)
    20.03.2018
    13:38 Uhr