Neu im Kino
Neu im Kino (Woche 47/2022)

Neu im Kino (Woche 47/2022)

Unter anderem mit verlieben Eishockeyspielerinnen, menschenfleischessenden Jungstars und einem animierten Wiedersehen mit einer bekannten Holzpuppe.
Was darf’s sein: eine nostalgiebefreite Zeitreise in ein schwieriges Jahrzehnt oder ein Teenie-Roadmovie mit Kannibalen-Twist? In der aktuellen Kinowoche melden sich zwei Größen des gegenwärtigen Autorenkinos mit neuen, spannenden Beiträgen zurück. Zur selben Zeit scheut sich Netflix weiterhin davor, und das MUSS gesagt werden, großem Kino die notwendigen Räumlichkeiten zu verschaffen.

Zeiten des Umbruchs

Der amerikanische Autorenfilmer James Gray hat sich mit groß produzierten Prestigeprojekten á la „The Lost City of Z“ und „Ad Astra“ einen respektablen Namen in der Szene erarbeitet. Nun meldet er sich mit seinem bis dato persönlichsten Werk zurück, das im Original den deutlich schöneren Titel „Armageddon Time“ trägt.
Bild aus dem Film „Zeiten des Umbruchs“ (Focus Features, Universal Pictures International)

Inspiriert von Erlebnissen aus der Kindheit widmet sich Gray darin einem aus wohlhabenden Kreisen entspringenden Jungen, der sich zu Beginn der 1980er-Jahre mit einem gleichaltrigen Afroamerikaner rebellischer Natur anfreundet. Bewegender Coming-of-Age als Vehikel für unbequeme Auseinandersetzungen mit realexistierenden Klassenunterschieden und White Privilege. Eine Starbesetzung rund um Anne Hathaway, Jeremy Strong und Anthony Hopkins ist das Tüpfelchen auf dem I. Leander Caine hat den Film bereits für Uncut bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes gesehen. Die Kritik dazu gibt es auf Uncut nachzulesen.


Bones and All

Nachdem er Cineastinnen und Cineasten in „Call Me By Your Name“ auf einen sommerlichen Sinnlichkeitstrip mitnahm und ihnen im „Suspiria“-Remake das Fürchten lehrte, vermischt Italo-Regisseur Luca Guadagnino in seinem neuesten Film diese beiden Facetten zu einem großen Ganzen.
Bild aus dem Film „Bones and All“ (Warner Bros, MGM)

Im Mittelpunkt stehen zwei junge, am Rande der Gesellschaft stehende Kannibalen, die nach ihrem Platz in der Welt suchen. Ein bisschen wehmütige Teenie-Romanze, ein bisschen rebellischer Roadmovie, ein bisschen blutiger Kannibalen-Horror. Nicht zu hundertprozentig stimmig, aber immerhin darf Generation-Z-Posterboy Timothée Chalamet einmal mehr für glaubhaften Herzschmerz sorgen. Diesmal wird er jedoch von der nicht minder talentierten Taylor Russell überragt. Kein Film für schwache Nerven. Die ausführliche Kritik gibt’s auf Uncut nachzulesen.


Weitere Neustarts


Pinocchio
Guillermo del Toro beschert der zeitlosen Geschichte des Holzjungen, der gern ein echter junger wäre, mithilfe handgemachter Stop-Motion-Animation und intelligent eingewobener Faschismuskritik ein einzigartig morbides Update. Ein vielschichtiges Wunderwerk, das nahezu alle bisherigen Adaptionen des italienischen Kunstmärchens in den Schatten stellen dürfte. Hierzulande leider nur in ausgewählten Kinos, im Dezember steht der Netflix-Start bevor.
Bild aus dem Film „Pinocchio“ (Netflix)



Strange World
Das neueste, computeranimierte Abenteuer der Marke Disney entführt Jung und Alt in wundersame Welten. In Zentrum steht ein genialer Entdecker, der sich angesichts einer drohenden Katastrophe auf eine gefährliche Expedition begibt. Begleitet wird er dabei von seiner chaotischen Familie.
Bild aus dem Film „Strange World“ (The Walt Disney Company)



Breaking the Ice
Das Langfilmdebüt der Wienerin Clara Stern erzählt von einer jungen, ehrgeizigen Eishockey-Spielerin. Als ein neues Mitglied in ihr Team hinzustößt, beginnt sie eine wilde, ungezügelte Seite zu entfalten. Queerer Coming-of-Age made in Austria.
Bild aus dem Film „Breaking the Ice“ (Filmladen)



Menschliche Dinge
Im neuesten Film von Yvan Attal droht das Saubermann-Image eines medial respektierten Ehepaars zu zerbrechen, als dem eigenen Sohn der zwei eine Vergewaltigung vorgeworfen wird. #MeToo-Kino mit Charlotte Gainsbourg.
Bild aus dem Film „Menschliche Dinge“ (Polyfilm)



Leider nicht im Kino


Glass Onion: A Knives Out Mystery
An dieser Stelle sollte eigentlich ein kurzer Text über Rian Johnsons heißerwarte Fortsetzung zu seinem mit fabelhaften Wendungen und Kalauern gespickten Whodunnit-Revival aus dem Jahre 2019 stehen. Aber aus unerklärlichen Gründen hat sich Netflix gegen einen Kinostart in Österreich entschieden (in Deutschland ist der Film in einigen wenigen Kinos zu sehen). Nicht nur für Kinofans ein regelrechter Jammer, sondern in Anbetracht der hohen Besucherzahlen des ersten Teils eine gar völlig sinnbefreite Entscheidung.
Bild aus dem Film „Glass Onion: A Knives Out Mystery“ (Netflix)



Wien


Land of Dreams
Die iranische Künstlerin Shirin Neshat entwirft in ihrem neuesten Film eine Zukunftsvision, in der die Träume der amerikanischen Bevölkerung überwacht werden sollen. Die politisch aufgeladene Satire läuft exklusiv im Stadtkino im Künstlerhaus.
Der Autor
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Forum

  • glass onion

    ...ab sofort (23.12.2022) als netflix-stream verfügbar. man muss seinen abonnenten zu weihnachten was exklusives bieten - bevor sich noch mal zig-tausende vertschüssen.
    r2pi_f4e09adb6c.jpg
    23.12.2022, 14:23 Uhr
  • A Netflix Crime

    Glass Onion nicht im Kino?! Das spricht schwer gegen Netflix.
    apanatschka_bd42685caa.jpg
    04.12.2022, 14:43 Uhr