Berlinale 2018
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Berlinale 2018 - Tag 9

Neben dem Besuch von Ed Sheeran gab es heute einen „Toni Erdmann“-Tag: Mit den neuen Filmen von Peter Simonischek und Sandra Hüller
Der neunte Tag der Berlinale hat gezeigt, dass sich doch noch ein paar Highlights im Wettbewerb versteckt hatten. In der Früh wurde der polnische Film „Twarz (Mug)“, was „Gesicht“ bedeutet, gezeigt. Der Film, der eigentlich das tragische Thema in Zentrum hat, dass ein Mann bei einem Unfall sein Gesicht verliert und eine Gesichttransplation erhält mit der fast niemand in der Familie und im Dorf umgehen kann, war einer der unterhaltsamsten Filme des Wettbewerbs. Mit feinem Humor und großartiger Kameraarbeit kommentiert Małgorzata Szumowska die Situation am polnischen Land, die Ablehnung von Veränderung und den großen Einfluss der katholischen Kirche.

Ein weiterer Favorit auf den Bären lief zu Mittag. „In den Gängen“, der zweite Film im Wettbewerb mit Franz Rokowski in der Hauptrolle, handelt von einem ehemaligen Kriminellen, der eine Stelle im Großsupermarkt in der ostdeutschen Provinz annimmt und sich dort einer Kollegin langsam annähert. Der Film ist eine schöne Alltagsbeoachtung, präsentiert ein wunderbares Ensemble an Darstellern, bereitet die tägliche Arbeitspolitik im Supermarkt humorvoll auf und kommt gegen Ende auch mit ein bisschen Wende-Dramatik daher.

Außer Wettbewerb aber als krönender Abschluss lief am Nachmittag noch der bulgarische Beitrag „Ága“. Der Film handelt von einem sibirischen Eingeborenenpaar, das im hohen Norden auf alte Weise in einer Hütte lebt. Umgeben vom ewigen Eis dreht sich ihr Leben um alte Geschichten und Legenden, die sich gegenseitig erzählen und die Jagd, auf die sie täglich gehen. Tochter Ága wird wenig erwähnt, sie hat vor Jahren das Zuhause verlassen um im Süden in einer Goldmine zu arbeiten. Als die Frau sterbenskrank wird, muss Ehemann Nanook sich die Frage stellen, ob er bereit ist dieser zu vergeben und sie aufzusuchen. Der Film ist eine optische Wucht und fasziniert mit seinem ungewöhnlichen Setting. Ein feiner leiser Film um den Wettbewerb zu beenden.

Großer Star des Tages war der Musiker Ed Sheeran, der für die Premiere des Dokumentarfilms „Songwriter“ nach Berlin kam. Und auch ein heimscher „Star“ schaute heute in Berlin vorbei: Peter Simonischek (zuletzt mit Sandra Hüller in „Toni Erdmann“ zu sehen) stellt den Film „Dolmetscher“ vor.

Großartige Kunstwerke, sonst wohl eher in Galerien installiert, gab es für Michael bei einem morgendliche Double-Feature als filmisches Frühstück. Die beiden neuen Werke („Accidence„ und „The Green Fog“) des Kanadiers Guy Maddin, im weitesten Sinne Hommagen an das Werk Hitchcocks und die „Bay Area“ von San Francisco, haben das Publikum hörbar gut unterhalten.

Eine neue Stimme aus China ist Yang Mingming. Die junge Filmemacherin hat ein Portrait einer ganz besonderen Mutter-Tochter-Beziehung geschrieben („Rou qing shi: Girls Always Happy“) und auch gleich Hauptrolle und Regie übernommen. Ein in jeder Hinsicht kulinarisch-köstlicher Film.

Auf dem Weg zur Uraufführung der digital restaurierten Fassung des jugoslawischen Kultkrachers „Kad budem mrtav i beo“ (When I Am Dead and Pale, 1967) hat Michael noch eine Werkschau filmischer Farb- und Tonexperimente aus der Frühzeit des Kinos mitgenommen (formidabel dazu an Klavier und Violine: Günter Buchwald).

Nach der Odyssee mit dem schelmischen Hauptfigur des anarchistischen Klassikers vom Balkan, gab es zum drüberstreuen noch den philosophisch-surrealen Slasher „Human, Space, Time and Human“ vom Koreaner Kim Ki-duk, der jüngst weniger mit seinen Filmen als im Zusammenhang mit Belästigungsvorwürfen in die Medien kam.

Die Autorin
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susn

Forum

  • Good Fellas

    und wie lauten die anderen Lieblingsfilme von Ed Sheeran?
    leander-caine
    06.03.2018, 06:23 Uhr
    • Filme

      Da ist der Ton im Video leider nicht so gut.
      Die Filme sind „Good Fellas“, „Cool Runnings“ und „Love, Actually“(Tatsächlich Liebe).
      uncut
      06.03.2018, 07:50 Uhr
  • Berlin liebt: Malgorzata Szumowska

    Immer wieder auf der Berlinale vertreten, kürzlich den Bären für die beste Regie, dann in der Jury gesessen und heuer wieder für "Mug" ausgezeichnet. Berlin liebt offenbar die polnische Regisseurin und umgekehrt.
    IMG_20180307_183904
    25.02.2018, 09:15 Uhr
    • Berlinale

      Da hast du Recht dass sie eine starke Verbindung zur Berlinale hat. Hat sie gestern auf der Preisträgerpressekonferenz auch betont, dass sie als Filmemacherin erst durch die Berlinale ist, wer sie ist.
      uncut
      25.02.2018, 09:29 Uhr