Neu im Kino
Neu im Kino (KW 39/2017)

Neu im Kino (KW 39/2017)

Der langerwartete erste Leinwandauftritt einer Horrorikone, eine ungewöhnliche Freundschaft auf royaler Basis oder doch ein Wiedersehen mit den sprechenden Merchandise-Artikeln – Pardon: Autos – der Marke Pixar? Diese Woche dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Es - Kapitel 1

Als Kultautor Stephen King vor 31 Jahren einen Roman über eine Gruppe an Jugendlichen, die ein kinderfressendes Monster in Clownsgestalt besiegen wollen, veröffentlichte, hätte er sich wohl nie gedacht, welch Signifikanz dieser noch viele Jahre später haben würde. Das schlicht und einfach als „Es“ (im Originalen „It“) betitelte Buch wurde zu einem der meist-verkauften und beliebtesten Werke im bereits beachtlichen Oeuvre Kings. Schon 1990 wurde der 1100-seitige Schinken aufgrund großer Nachfrage verfilmt – damals jedoch nur in Form einer zweiteiligen Miniserie fürs Fernsehen. Die TV-Produktion wird zwar vielen Kindern der Achtziger schlaflose Nächte bereitet haben, ist jedoch abgesehen von Tim Currys kultverdächtiger Performance als Horrorclown Pennywise aus qualitativer Sicht nicht unbedingt nennenswert. Es dauerte nicht lange bis sich Fans eine ansehnlichere Adaption wünschten. Bereits 2009 gab Warner Bros bekannt den Kult-Roman unter Regie von David Kajganich für die große Leinwand zu adaptieren - dieser gab aber schon kurze Zeit später den Regieposten ab. Als Ersatz nahm dann wenige Jahre später „True Detective“-Regisseur Cary Fukanaga den Platz am Regiestuhl ein, verließ aufgrund kreativen Differenzen mit dem Studio das Projekt jedoch ebenfalls - genauso wie der bereits von Fukanaga engagierte Hauptdarsteller Will Poulter („Wir sind die Millers“, „The Revenant“). Nachdem die Zukunft des Films kurzzeitig auf der Kippe stand, kündigte Warner Mitte 2015 an, dass Regisseur Andy Muschietti („Mama“) nun die Verfilmung inszenieren würde. Als neuer Pennywise wurde kurz darauf der gebürtige Schwede Bill Skarsgård engagiert.

Trotz des enormen Produktionschaos kann sich die filmische Neuinterpretation von Stephen Kings „It“ auf jeden Fall sehen lassen und weiß als gelungene Mixtur zwischen Monsterschocker und Coming-of-Age-Film im 80er-Gewand köstlich zu unterhalten.

Meine Exklusivkritik vom SLASH-Filmfestival gibt es auf UNCUT nachzulesen.

Victoria & Abdul

Der englische Filmemacher Stephen Frears hat sich in den letzten Jahren besonders für seine biographischen Dramen einen Namen gemacht. Dabei erzählte der Oscar-nominierte Regisseur sowohl von den Schicksalen weltbekannter Persönlichkeiten („The Queen“, „The Program“) als auch unglaubliche Geschichten über weniger bekannte Personen („Philomena“, „Florence Foster Jenkins“). In seinem neuesten Werk „Victoria & Abdul“, das gleichzeitig als Fortsetzung zum Historiendrama „Ihre Majestät Mrs. Brown“ (1997) dient, vermischt der 76-jährige Brite eine bekannte Geschichte mit einem weniger bekannten Detail.

Am Ende des 19. Jahrhunderts stellte die damalige britische Königin Victoria (Judi Dench) den Inder Abdul Karim (Ali Fazal) als Bediensteten im Königshaus ein. Trotz seiner Herkunft entwickelte sich zwischen den beiden eine langjährige Freundschaft.

Den ersten Kritiken zufolge ist Frears mit seinem bereits 23. Spielfilm ein charmantes Historiendrama gelungen, das jedoch ein wenig an fehlendem Fokus leiden soll.

Cars 3 - Evolution

Disneys Tochterfirma Pixar gilt grundsätzlich als ein Qualitätsgarant für fantastische Werke des modernen Computeranimationsfilms. Mit Genre-Klassikern wie der „Toy Story“-Trilogie (1995-2010), „Findet Nemo“ (2003), „WALL-E“ (2008) oder zuletzt „Inside Out“ (2015) konnte die Animationsstätte aufgrund der vielschichtigen Thematiken ihrer Werke sowohl junge Zuschauer als auch das ältere Publikum begeistern und zahlreiche renommierte Preise abstauben. Bei genauer Betrachtung der Filmografie Pixars sticht einem jedoch ein Ausrutscher deutlich ins Auge: das „Cars“-Franchise. Konnte der erste Teil (2006) immerhin noch solide Unterhaltung bieten, war der zweite Teil ein uninspiriertes Chaos, das weit entfernt von der üblichen Kreativität und Originalität der anderen Pixar-Filme war. Trotz der eher verhaltenen Kritiken war die Marke „Cars“ stets finanziell erfolgreich und wurde aufgrund der zahlreichen Merchandise-Artikel zum wahrscheinlich rentabelsten Franchise im Oeuvre Pixars. Bei so viel Erfolg war es nur eine Frage der Zeit, bis ein dritter Teil daher musste.

In „Cars 3“ muss Rennauto Lighting McQueen (im Original von Owen Wilson gesprochen) unter Beweis stellen, dass er trotz seines Alters immer noch in Höchstform ist.

Auch wenn der Film aus den USA recht solide Kritikerwertungen bekam, sind diese trotzdem noch meilenweit von der Euphorie entfernt, die andere Werke Pixars erhalten. Leute, die die ersten beiden Teile schon mochten, werden wahrscheinlich auch hier wieder eine tolle Zeit im Kino haben – die restlichen Pixar-Fans können sich immerhin schon auf den Start von „Coco“ im November freuen.

Weitere Neustarts

Des Weiteren startet das serbische Drama „On the Milky Road“, in dem drei Lebensabschnitte eines Mannes, dessen Lebensqualität vom Balkankrieg getrübt wird, erzählt werden. UNCUT-Kritikerin LucyVonTrier konnte den Film bereits bei der Premiere beim letztjährigen Filmfestspielen von Venedig sehen und hatte nur Positives über das Drama zu berichten.

Zudem erwartet uns mit der österreichischen Romanverfilmung „Wir töten Stella“ der neue Film von Julian Pölsler („Die Wand“), der erneut einem gleichnamigen Buch der Autorin Marlene Haushofer zu Grunde liegt. Hier spielt Martina Gedeck eine Dame, die die erst 19-jährige Stella bei sich einziehen lässt, was jedoch unerwartete Konsequenzen mit sich bringt.

Fans des immer häufiger auftauchenden Pferdefilms „Made in Germany“ dürfen sich auf das Drama „Rock My Heart“ freuen, in dem ein herzkranke Teenagerin (Anna Lena Klenke) auf ein Pferderennen vorbereitet wird, ohne dabei von ihrer Krankheit zu wissen.

Zu guter Letzt sei noch der Start der österreichischen Dokumentation „Chuzpe“ zu erwähnen, die als Porträt der ersten Punkband Wiens dient.

Cineasten sollten sich also auch in der kommenden Woche den einen oder anderen Kinobesuch erlauben dürfen. Ich wünsche daher allen UNCUT-Lesern tolle Kinoerlebnisse!
You’ll float too!
Der Autor
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