Neu im Kino
Neu im Kino (KW 04/2017)

Neu im Kino (KW 04/2017)

Zwei einst gefeierte, dann aber umstrittene Regisseure feiern in dieser Woche ihr Comeback und einer von ihnen hat dank einiger Oscar-Nominierungen sogar noch mehr Grund zu feiern.

Split

Mit seinem Überraschungserfolg „The Sixth Sense“ katapultierte sich der indisch-amerikanische Nachwuchsregisseur M.Night Shyamalan aus Philadelphia an die Spitze des Boxoffice und dank der Nominierung u.a. als bester Film sogar in die heiligen Hallen der Oscar-Academy. Es folgten noch einige Filme, darunter sogar sein wahrscheinlich wirklich bester Film „Unbreakable“, bevor es auf mehreren Stationen steil bergab ging. Manch einer sprach hinter vorgehaltener Hand sogar davon, man sollte ihm angesichts der schlechten Leistungen bei „The Happening“ Berufsverbot erteilen. Dennoch bekam er immer wieder Aufträge für durchaus kostspielige Produktionen („Die Legende von Aang“ oder „After Earth“), jedoch blieb die Begeisterung beim Publikum und der Kritik eher verhalten. Mit seinem neuesten Streifen „Split“ hat er es nun geschafft und begeistert wieder ein großes Publikum, sodass er seine geringen Produktionskosten von rund 10 Mio Dollar gleich am ersten Wochenende vierfach wieder hereinspielte. Und auch bei der Kritik kommt der Streifen über einen Mann mit mehrfach gespaltener Persönlichkeit sehr gut an. Die Sonne ist also wieder aufgegangen für M. Night Shyamalan.

Hacksaw Ridge - Die Entscheidung

„Aber niemals nehmen sie uns unsere Freiheit!“ mit diesem Schlachtruf seiner Filmfigur William Wallace aus dem mehrfach Oscar-gekrönten Film „Braveheart“ prägte sich Mel Gibson (in dem Film Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent in Personalunion) ins Gedächtnis aller Filmfans weltweit. Er hatte es geschafft, vom mehr oder weniger respektierten Schauspieler zum beachteten und preisgekrönten Regisseur aufzusteigen. Mit seiner höchst umstrittenen Interpretation der Kreuzigung Jesu Christi in „The Passion Of The Christ“ trat der konservative Katholik dann aber eine internationale Welle der Kritik und zahllose Debatten über die richtige Auslegung der biblischen Überlieferung los und polarisierte die Welt zusätzlich mit so mancher antisemitischer Aussage. Es folgte eine Zeit, in der sein filmisches Schaffen mit Argusaugen beobachtet und jeder seiner Filme unter dem Schatten von „The Passion“ umso kritischer betrachtet wurde. Mit seinem neuesten Kriegsfilm „Hacksaw Ridge“ hat er es nun aber geschafft, als Regisseur wieder ernst genommen zu werden. Der wie einst „Braveheart“ gnadenlos brutal inszenierte Film schildert das Schicksal des jungen Armeearztes Desmond T. Doss (Oscar-nominiert: Andrew Garfield), der sich während des 2. Weltkrieges im Zuge der Schlacht von Okinawa weigerte zur Waffe zu greifen. Er erhielt als bisher einziger Mensch die begehrte US-Ehrung der „Medal of Honor“, ohne jemals einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben.

Jackie

Es war auf der Berlinale des Jahres 2015 als der chilenische Regisseur Pablo Larrain für seinen umstrittenen Film „The Club“ den großen Preis der Jury verliehen bekam. In diesem Film kritisierte er die Praxis der katholischen Kirche in Chile im Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch durch Geistliche anhand einer WG der besonderen Art, in der nur Priester wohnen, die aufgrund entsprechender Vorwürfe ihrer Ämter enthoben wurden. Rechtzeitig zur Angelobung eines neuen US-Präsidenten kommt bei uns nun sein neuester Film ins Kino, in dem er die Präsidentschaft John F. Kennedys inklusive der Ereignisse rund um das auf ihn verübte Attentat aus der Perspektive seiner Frau Jackie Kennedy erzählt. In der Hauptrolle wurde Natalie Portman für den Oscar als beste Schauspielerin nominiert. Die Kritiken zum Film sind jedoch eher durchwachsen ausgefallen, wenngleich Natalie Portmans Leistungen einhellig positiven Anklang fanden.

Personal Shopper

Kristen Stewart. Die unbestritten absolute Idealbesetzung für Belle in „Twilight“ ist seither immer noch dabei, sich eine von der Trilogie unabhängige Position als Schauspielerin zu erarbeiten. Dabei wird sie immer wieder gerne in Horrorfilmen eingesetzt – vielleicht wegen ihrer zierlich-zerbrechlichen Figur, ihrer blassen Haut und (so sagen es die bösen Zungen immer wieder) ihrer mimisch blassen Leistungen. Nicht immer jedoch ist gerade die ausdrucksstarke Mimik gefordert, wie man besonders z.B. bei Isabelle Huppert immer wieder merkt – und die ist ein Star auf der ganzen Welt und ein besonderer Liebling des Publikums und der Jurys in Cannes. So ist es auch kein Wunder, dass ausgerechnet dieser Film um den Geist eines jungen Burschen, der seine Schwester nach dessen Tode heimsucht, in Cannes den Preis für die beste Regie einheimsen konnte. Regisseur Olivier Assayas („Die Wolken von Sils Maria“) wurde bei der Pressevorführung zwar ausgebuht, konnte beim Publikum und der Jury aber dann voll punkten, was sicherlich zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass Kristen Stewart perfekt in den Film und zu dem Film passt.

Monster Trucks

Lange hatte sich Paramount mit diesem Film zurückgehalten, obwohl er in der Produktion bereits 125 Millionen Dollar verschlungen hatte. Zu schlecht war das Resultat und zu groß das Risiko eines Totalversagens, denn der 4-jährige Sohn des früheren Studiobosses Adam Goodman war beauftragt worden, die Story und einen Entwurf des Drehbuchs anzufertigen. Man wollte den ungewöhnlichen Weg gehen, Filme für Kinder gleich von Kindern schreiben zu lassen. Leider ging das Experiment total in die Hose. Nun versucht man, an der Kinokasse zu retten, was noch zu retten ist. Wer also eine Spende an Paramount abgeben möchte – bitte sehr. Den richtigen Humor vorausgesetzt dürfte der Film zumindest für einige Lacher gut sein, wie man hört.

Mein Blind Date mit dem Leben

Normalerweise treffen sich bei einem „Blind Date“ zwei Menschen, die sich vorher noch nie in Person getroffen haben und nicht wissen, wie sie aussehen. Spätestens nach dem Date verfliegt die Blindheit für gewöhnlich. Was aber, wenn einer der beiden wirklich blind ist und es nur nicht zugeben möchte? Saliya und Max haben gerade Matura gemacht und nun wartet die große weite Welt, doch Saliya ist so gut wie blind, soll aber in einem Nobelhotel arbeiten. Wie das wohl gut geht? – Ein möglicherweise sehr liebens- und sehenswerter deutscher Film unter der Regie von Marc Rothemund („Da muss Mann durch“, „Heute bin ich blond“).

Weitere Neustarts

Außerdem starten in dieser Woche noch drei weitere Filme, darunter mit „Die schönen Tage von Aranjuez“ ein weiterer 3D-Film ohne Action unter der Regie von Wim Wenders. In dem Drama geht es um die Liebesbeziehung eines älteren Paares und einem Schriftsteller, der genau diese Geschichte schreibt – was ist real: die Geschichte oder das Buch, das er schreibt?

In „Resident Evil: The Final Chapter“ wird nun (hoffentlich) das letzte Kapitel der Computerspiel-Verfilmungen eröffnet und in „Wendy - Der Film“ geht es um einen Pferdehof und die junge Wendy, die sich um ein Pferd kümmert und die besondere Freundschaft zwischen den beiden.

Somit wünsche ich Euch angesichts dieser umfassenden Auswahl eine spannende, unterhaltsame und kurzweilige Kinowoche!
Der Autor
markus_lhnert2020_d56a9fa338.jpg
Harry.Potter

Forum