Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Spielzeugfledermäuse

Kobergs Klarsicht: Spielzeugfledermäuse

Die lukrativen Kinderzimmer-Umsetzungen großer Filmuniversen beeinflussen das, was ins Kino kommt.
Weihnachten ist für Kinder besonders schön. Die sind sich manchmal noch nicht ganz sicher, ob es das Christkind wirklich gibt und erleben sowieso viel mehr von der Mystik des Weihnachtsfestes. Und sie bekomme Geschenke, mit denen man gleich unter dem Weihnachtsbaum stundenlang Spaß haben kann. Lego zum Beispiel. Und wenn die Kinder dann endlich im Bett sind können wir auch Spaß haben, mit ihren Geschenken.

Die fünfjährige Tochter eines Freundes beispielsweise hat eine Lego-Bathöhle bekommen. Inklusive Batman, Robin und Joker, der böse grinst und eine Dynamitstange mit sich herumträgt. Mir gefällt das natürlich. Und ihr auch, obwohl sie fünf ist und Batman – weder der aus den Comics, noch der aus den diversen Filmen – wirklich geeigneten Stoff für Fünfjährige liefert. Aber im Lego-Universum ist der maskierte Rächer eine lustige Figur und was eine Dynamitstange ist geschweige denn, was ein Psychopath wie Joker damit anstellen könnte, das weiß eine Fünfjährige natürlich nicht.

In vielen Kinderzimmern finden sich Figuren aus Filmen, die die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Zimmer sicher noch nicht sehen dürften – was die Auswahl von Bildschirmmedien angeht sind Jungeltern in meinem Umfeld sehr reflektiert und dementsprechend kritisch. Was tun dann also die Kinder mit Batman, Aragorn und Darth Vader? Dasselbe, was ich mit EAV-Titeln gemacht habe: Sie verstehen nur das, was sie schon verstehen können. Sie basteln sich ihre eigene Fantasie rund um Figuren, die in unserer Medienwelt geisteskranke Clowns, Orks und ihre eigenen Söhne bekämpfen.

Legofiguren lassen – ein bisschen wie Bücher – in Köpfen nur Bilder entstehen, die der jeweilige Kopf schon kennt. Bei Filmen ist das anders, weil wir zu den realistischen Bildern dann doch einen anderen Zugang haben. Vielleicht wird die Tochter meines Freundes mit zwölf Batman-Comics verschlingen und mit sechzehn Retro-Abende mit Chrisopher Nolans Dark Knight-Trilogie veranstalten. Oder sie hat den Mann mit der Maske bis dahin schon fast wieder vergessen. Tatsache ist, dass sie mit den Figuren jetzt viel Spaß hat, auch wenn die Geschichte dahinter sie wohl noch verstören würde.

Angesichts des massiven Zuverdienstes großer Film-Reihen durch Kooperationen mit Spielwarenherstellern stellt sich wohl immer mehr die umgekehrte Frage: Für wen werden die entsprechenden Filme in Zukunft gedreht? Marvel bemüht sich seit längerem, Jugendfreigaben für die eigenen Filme zu bekommen. Den Herrn der Ringe durfte man mit 16 sehen, den Hobbit schon mit zwölf. Mal sehen, was Star Wars bringt. Es ist fast anzunehmen, dass da niemand vor laufender Kamera einen Arm verliert.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • (aus)wirkungen

    legofiguren in ihrer wirkung mit büchern zu vergleichen, das macht sinn – filme andrerseits sprengen nicht nur den eigenen erfahrungshorizont, die bilder entziehen sich darüber hinaus jeder kontrolle. man stelle sich vor, mama/papa würden nicht schon beim ersten anzeichen der verstörung beim spielen oder vorlesen auf “spaßmodus“ schalten...

    à propos zukunft: disneys baymax führt sein ganz junges publikum ja gezielt in marvels superheldenwelt ein, und in filme wie real steel; andrerseits bietet sich eine neue kategorie an – statt direct-to-DVD nunmehr direct-for-toy: transformers, lego-movie etc. damit auch die ganz jung gebliebenen noch geschröpft werden können...
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    13.01.2015, 18:07 Uhr