Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Die lukrative Seite der Macht

Kobergs Klarsicht: Die lukrative Seite der Macht

Mit dem Teaser zum siebten Film beweist die Star Wars-Franchise, dass sie ihre PR-Hausaufgaben gemacht hat.
40 Millionen Klicks in weniger als 72 Stunden. Und das für den Teaser eines Filmes, an den angeblich ohnehin niemand glaubt. Apples Trailer-Plattform ging angesichts des User-Ansturms überhaupt in die Knie. Zurück bleibt die Frage, was „Star Wars“ richtig macht. Und mit „Star Wars“ meine ich in diesem Fall nicht die sechs gedrehten und auch nicht die neun versprochenen Filme, sondern die Marke; das spekulative Konstrukt, das Disney 4 Milliarden Dollar wert war. Ich weiß natürlich, dass für das Geld auch noch das eine oder andere Schnäppchen dabei war, aber im Grunde ging es bei dem Deal wohl um keuchende Helmträger und leuchtende Schwerter.

Wenn der Brettpielklassiker „Das verrückte Labyrinth“ in der Star Wars-Edition erscheint und Lego eifrig Plastik-Storm Trooper samt Bauklotzraumschiffen in die Kinderzimmer kippt, dann bedient die Industrie eine Generation, die zum Kinostart des letzten Films noch am aufrechten Gang feilte – die aber nächstes Jahr gerade alt genug sein dürfte, um in die Kinos zu strömen, wenn „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ die Vorweihnachtszeit überschatten wird. Auch ich gehöre einer Generation an, die eigentlich zu jung ist, für den Hype; die oft erst mit der remasterten Rückkehr der ersten Trilogie in die Kinos ihre Berufswünsche von Lockfahrer auf Jedi-Ritter korrigierten. Und heute sind wir der festen Überzeugung, „Star Wars“ sei ein zentrales Element unserer kulturellen Prägung.

Der jahrzehntelange Erfolg der Star Wars-Franchise beeindruckt vor allem im Vergleich mit anderen großen Filmreihen der letzten Jahre. Wer interessiert sich heute noch für Twilight“? Und als ich letztes Jahr zu einem jugendlichen Fan der Hobbit-Filme meinte, „Der Herr der Ringe“ war dann doch eine andere Klasse, schaute der mich unbeeindruckt an und meinte: „Das hab ich nicht gesehen“. Hallo?! Peter Jacksons „Herr der Ringe“ ist Vergangenheit, aber „Angry Birds: Star Wars“ ist der Renner?

Der Unterschied liegt in meinen Augen nicht primär in der Qualität der Filme oder ihrer Erzählungen, sondern ganz einfach darin, dass es kein Quartal gibt, in dem nicht irgendwo Star Wars-Memorabilia verkauft oder verschenkt werden. Seien es die VW-Werbung mit dem kleinen Darth Vader oder Treuepunkt-Gläser beim Billa. Vom TomTom-Navi in Yoda-Speak bis zur eigenen Adidas-Kollektion: Alle Altersgruppen werden ohne Unterlass daran erinnert, dass sie Star Wars-Fans seien sollten. Und wenn dann ein neuer Film geteasert wird, klicken jeder von uns mindestens einmal drauf.


Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Das Filmereignis 2015

    Jawohl - endlich kommt Teil 7 ins Kino 😃
    Schade, dass wir noch ein ganzes Jahr darauf warten müssen ...
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    02.12.2014, 21:55 Uhr