Berlinale 2012
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Berlinale Tag 6

Hysterische Zustände am roten Teppich und eine dreifache Meryl als Geschenk für Meryl Streep.
Der Tag beginnt in Schwarzweiß und in 4:3. Besser gesagt in 4:2 oder 3:3, denn eine gigantische palmenähnliche Turmfrisur genau vor mir, verdeckt einen Teil der Leinwand. Doch desto länger der etwas avantgardistische Film „Tabu“ dauert, umso mehr leeren sich die Sitzreihen und die Dame mit der Palme auf dem Kopf beschließt freundlicherweise einen Platz in der mittlerweile fast freien Reihe rüber zu rücken, um sich dort gemütlicher ausbreiten zu können. „Tabu“ selbst wird wahnsinnig kontrovers aufgenommen. Diejenigen, die den Film durchhielten applaudierten am Ende lautstark. Ein sehr mühsamer Film, dessen Stellenwert als gelungenes Kunstwerk, jedoch nicht zu leugnen ist.

Im Mittelpunkt des heutigen Tages steht jedoch eine der ganz Großen Hollywoods. Eine Frau, die so populär ist, dass es Leute gibt, die über vier Stunden lang im Berliner Schneeregen warten, um sie aus Reihe eins betrachten zu können, wenn sie über den roten Teppich huscht. Als sie sich schließlich blicken lässt, brechen hysterische Zustände und lautstarke Freudengesänge der wartenden Masse aus. Die Rede ist von Meryl Streep. Jene Frau, die vielleicht am 26. Februar ihren dritten Oscar erhalten wird. Doch das wäre in diesen Tagen nicht der einzige Preis für die sympathische Amerikanerin. Immerhin erhält sie heute den goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. Geschenke ganz anderer Art wurden ihr heute bereits auf der Pressekonferenz überreicht. Den Anfang macht ein Strauß Blumen von einem aufmerksamen Journalisten, der ihr einen „Happy Valentine’s Day“ wünscht - die Schauspielerin dankts mit einem Küsschen. Ganz besonders freut sie sich aber über das Geschenk eines russischen Journalisten: eine originale Babuschka, die ihr Gesicht trägt. Lachend packt Meryl eine Meryl nach der anderen aus, bis drei Holz-Meryls vor ihr auf dem Tisch stehen. Erst als ein weiterer lustiger Journalist sich selbst als Geschenk für Streep anbietet und sie umarmen will, lehnt sie freundlich, aber bestimmt ab. Der Film, um den es ja heute eigentlich ging, heißt „Die Eiserne Lady“. Ein Biopic über die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher. Als Film recht durchschnittlich, jedoch mit einer erwartungsgemäß guten Meryl.

Mehr dazu auf Uncut:
Tabu - Die Eiserne Lady - Parada - Meryl Streep
Der Autor
patzwey
patzwey

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