Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Trashes to Trashes

Kobergs Klarsicht: Trashes to Trashes

Nicht jeder Film will intellektuell überzeugen. Das können Filmkritiker oft nicht akzeptieren.
Es ist ja irgendwo dubios, ein paar Spielzeugfiguren zu kreieren, diesen erst anschließend eine Geschichte zuzuschreiben und diesen Plot dann auch noch zu verfilmen. Trotzdem kommt nächste Woche der dritte Teil der Transformers-Saga in unsere Kinos und verankert einen der dümmsten Plots der jüngeren Filmgeschichte nun auch in der Geschichte der Neuzeit: Auf der vermeintlich dunklen Seite des Mondes hat Lance Armstrong ein gewaltiges Raumschiff gefunden.

Wäre ich ein Angehöriger einer hervorragend entwickelten außerirdischen Rasse, so käme es mir ja nicht in den Sinn, gerade die Form eines Lastwagens anzunehmen, um auf der Erde nicht aufzufallen. Und wäre ich doch aus irgendeinem Grund zu dieser eigenwilligen Entscheidung gelangt, so hätte ich sie spätestens dann überdacht, als die andere, die böse Alienrasse, sich für die Form von Panzern und Kampfhubschraubern entschied.

Eines beweisen die Transformers-Filme jedoch eindrucksvoll: Das großformatige Actionkino braucht nicht unbedingt intelligente Geschichten. Natürlich macht diese Intelligenz oft den Unterschied zwischen mittelmäßigen und guten Actionfilmen. Aber all die Idiotie der Handlung tut dem soliden Unterhaltungswert der Autobot-Geschichten keinen Abbruch.

Dieser Umstand verweist auf ein Phänomen das unter Filmkritikern weit verbreitet ist: Die Unfähigkeit Filme als das zu nehmen, was sie sein wollen. Bei Kritikern diverser österreichischer Zeitungen wird man den Eindruck nicht los, sie messen jeden Film an den Maßstäben eines französischen Sozialdramas. Und diesen Maßstäben entsprechen die Transformers so gar nicht.

Den drei Actionspektakeln und Shia LaBeouf ist mit der einen oder anderen schlechten Kritik natürlich noch kein Unrecht getan. Doch auch Quentin Tarantinos „Death Proof“ fiel diesem Phänomen zum Opfer. Und das, obwohl der Kultregisseur selbst verlautbaren ließ, er habe einen 70er Jahre Trash Action Streifen drehen wollen. Und diesem Genre macht er alle Ehre.

Dass Filme, die nur mit einem Stern, einer Kamera oder Popcorntüte versehen wurden oft sehenswerter sind, als jene mit vier, neun oder wo auch immer der obere Bereich angesiedelt ist, ist unter Kinofreunden hinlänglich bekannt. Dass aber ein Medium, dass so stark zwischen Kunst und simpler Unterhaltung pendelt, wie der Film, häufig von Leuten bewertet wird, deren Interesse sich auf einen derart kleinen Anteil des vorhandenen Spektrums konzentriert, ist – angesichts der vielen kompetenten Menschen, die gerne auch ihre Meinung verschriftlichen – erstaunlich.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • gammelfleisch

    bleibt gammelfleisch, und man muss es auch als solches bezeichnen dürfen (von wem auch immer es serviert wird). bezahlte lobreden besorgt sich das kino-marketing ohnehin selber.
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    27.06.2011, 00:27 Uhr
  • Absolut richtig

    Kann mich diesem Kommentar nur anschliessen! Wer kennt bitte jeden Tag in ein "A la Carte"-Restaurant, wenn er ab und zu auch zum Fast Food Restaurant seines Vetrauens gehen kann?
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    24.06.2011, 19:09 Uhr