Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Neues vom Gleichen

Kobergs Klarsicht: Neues vom Gleichen

Kein Film ist schlecht, nur weil er Stereotype bedient. Die gekonnte Abweichung vom Altbekannten ist der entscheidende Faktor.
Wenn ich ein Alien wär’ und auch eine Invasionsarmee hätt’, flög ich zur Erde. Aber das Mutterschiff, dessen Zerstörung meine ganze Armee hilflos abstürzen ließe, das würde ich irgendwo hinter dem Mars parken. Oder ich hätte so was erst gar nicht. Weil doch jeder Außerirdische weiß, dass die Menschen diese Schwachstelle kurz vor ihrer eigenen Auslöschung doch noch finden und zerstören werden.

Das neuerliche Vernähen der immer gleichen Handlungsfäden ist nicht nur ein Indiz für mangelnde Kreativität unter den Drehbuchschreibern. Das mag schon auch ein Grund sein, aber eben nur einer von mehreren. Zum einen wäre da natürlich die Never-change-a-winning-team-Mentalität. Wenn das Publikum noch einmal die Geschichte von der sozial benachteiligten, unsportlichen Teenager-Mannschaft sehen will, die zum Schluss das wichtige Endspiel gerade noch gewinnt, weil der eine Junge, der wirklich was drauf hat, im letzten Moment ins Team zurückgeholt werden kann, dann wird den Faden auch noch einmal jemand aufgreifen. Durchaus verständlich.

Die Sache mit dem Mutterschiff hat aber sicher auch einen anderen Grund: Manche Geschichten erzählen sich eben leichter als andere. Und wenn es um Heldentum geht, dann ist alles einfacher, wenn sich das Schicksal der Menschheit auf das gelingen einer einzigen Handlung zuspitzen lässt. Anders wäre die Geschichte vom Beginn der Alien-Invasion über die totale Verzweiflung hin zum entscheidenden Befreiungsschlag nicht in einem Film unterzubringen. Und irgendwann während der langwierigen Rückzugsgefechte, wenn der Sieg absehbar, aber noch nicht sicher schiene, würde das Publikum langsam den Saal verlassen.

Manche Geschichten sind eben immer wieder gut – und werden dann noch besser, wenn sie recht spät und nicht allzu plump den gewohnten Faden verlassen. Wie etwa in Gavin Hoods „Ender's Game“ (apropos Mutterschiff und so) oder aber auch in Ron Howards „Rush - Alles für den Sieg“. In beiden Fällen hat man das Ende aufgrund von literarischen oder historischen Vorgaben durchaus erahnen können, aber die Filme für sich allein betrachtet haben ihre durchaus stereotypischen Ausgangspunkte zu Gunsten interessanterer Schlussphasen hinter sich gelassen. Sehr erfreulich. Vor allem wenn man bedenkt, dass es für gewöhnlich umgekehrt abläuft. Da machen Filme wie „Elysium“ oder „Prisoners“ Hoffnung auf Abweichung vom Einheitsbrei und letztendlich endet alles im Klischee. Genau wie in „Silver Linings“ – um keine Gelegenheit ungenützt zu lassen, mich über diesen Film zu beschweren.

Dass das Spiel mit den immer selben Grundelementen eine Kerntätigkeit der Popkulturschaffenden – auch der guten – ist, wollen diverse Kritiker immer noch nicht recht akzeptieren. Aber auch dieses Spiel muss gelernt sein. Nur Gulasch und Chili con Carne werden mit jedem Mal aufkochen besser.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Genug wollen das sehen

    Ein wichtiger Faktor für die immer wiederkehrende Variation bereits altbekannter Stereotype ist gewiss auch die beständige Nachfrage beim Publikum. Wie sonst ließen sich Filme im Fernsehen wieder und wieder erfolgreich ausstrahlen, wenn nur genug Zeit dazwischen vergeht. Die Wiederkehr bekannter Motive aus den Märchen bzw. auch aus der Bibel sind ein Beleg dafür, dass das Vertraute und Gemochte auch immer wieder gut in Geschichten funktioniert. Aber wie Du schon erwähnt hast: das Zitat an sich ist ja nicht das Problem, sondern die gelangweilte, unmotivierte Wiederholung. "Die Bürgschaft" ist und bleibt ein Klassiker der deutschen Gedichte, wer sie aber monoton herunterleiert, wird kaum Applaus dafür bekommen.
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    07.11.2013, 08:57 Uhr