Filmkritik zu Offseason

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  • Bewertung

    One of us, one of us!

    Exklusiv für Uncut vom SXSW
    Neben den Headlinern und zahlreichen Spielfilmneuheiten, die am South by Southwest Festival Premiere feierten, durften sich mit der Midnighter-Schiene auch Fans von blutigerem Kinospaß am Festival erfreuen. Darunter auch der nervenaufreibende Horrorsteifen „Offseason“ von Jungregisseur Mickey Keating (Psychopaths, Carnage Park), der mit viel Atmosphäre und einer wunderschönen Landschaft die Abgründe einer abgelegenen Ortschaft skizziert.

    Als Marie (Jocelin Donahue) durch einen beunruhigenden Brief erfährt, dass das Grab ihrer Mutter (Melora Walters) verwüstet worden ist, macht sie sich mit ihrem Freund George (Joe Swanberg) unverzüglich auf den Weg zur isolierten Ferieninsel, auf der ihre Mutter begraben liegt. Obwohl sich ihre Mutter zu Lebzeiten vehement gegen ein Grab in ihrem Heimatort ausgesprochen hat, war dem Testament der Mutter der Wunsch zu entnehmen, ihre letzte Ruhestätte überraschenderweise doch auf die Insel verlegen zu wollen – ein Umstand, der der Tochter stets suspekt war. Nach ihrer Ankunft im Ort, der sich gerade auf die Abreise der letzten Touristen und somit auf das Ende der Saison vorbereitet, beginnt für Marie ein Albtraum. Das seltsame Verhalten der eingeschworenen Dorfgemeinschaft und das Gefühl man wolle sie mit allen Mitteln auf der Insel festhalten lässt sie einfach nicht los. Schließlich offenbart sich ihr das schreckliche Geheimnis, das die Ortschaft umhüllt und ihr Leben für immer ändert.

    Regisseur Keating vermag es mit einfachen Mitteln und kleinem Budget effektiv eine unheimliche Stimmung zu schaffen. Kaum ist die Protagonistin im Städtchen angekommen, erinnert der schaurige Ort und das umgebende Ambiente unweigerlich an ähnlich gruselige Landschaften, wie wir sie beispielsweise aus Silent Hill kennen. Der erste Blick, auf den alles eigentlich normal scheint, gefolgt von einem plötzlichen Erschaudern und dem Gefühl, das irgendwas nicht stimmt. Doch was stimmt hier nicht? Die finale Erklärung des Mysteriums mag für manche mehr oder weniger Sinn ergeben, zumindest Fans von Kreaturen wie sie einst von Horrorliterat H. P. Lovecraft geschaffen wurden, könnten hierbei jedenfalls auf ihre Kosten kommen.

    Hauptdarstellerin Jocelin Donahue ist in jeder noch so ausweglosen Situation, in der sie sich ihr im Lauf des Films befindet, überzeugend und zeigt besonders in der allerletzten Szene des Films ihrer schauspielerische Bandbreite. Ein weiteres Highlight ist der Auftritt von Jeremy Gardner, der Genreenthusiasten durch Filme wie „The Battery“ und „After Midnight“ auch als Regisseur ein Begriff sein dürfte, der als mysteriöser Fischermann durch eine besonders aufschlussreiche Szene führt.

    Mit typischen Horrortropen wie dem warnenden alten Mann und dem nebelerfüllten Friedhof, auf dem sich unsere Protagonistin verirrt, bedient sich „Offseason“ so manchem überholten Klischee. Nur in einigen wenigen Szenen, beispielsweise jene in der lokalen Kneipe „The Sandtrap“ oder der Sequenz auf der Brücke, schafft es der Film wahre Furcht in den Zuschauern auszulösen. Die zugegeben eher dünne und nicht ganz neue Geschichte, die uns der Film auftischt, gerät über den Film hinweg allerdings so oder so immer mehr in den Hintergrund, viel mehr steht hier die unheimliche Atmosphäre selbst im Fokus, zu deren Aufbau auch die wunderschöne Bildgestaltung beiträgt.

    Ein stimmungsvoller, ästhetisch inszenierter Horrorfilm, der vor allem in seiner allerletzten Einstellung eine überraschende Punktlandung hinlegt. Auch wenn „Offseason“ insgesamt mehr der „Style-over-substance“-Kategorie zuzuschreiben ist, ist der Film, wenn man sich erst mal dem Erlebnis hingibt, eine echte Entdeckung!
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    (Julia Pogatetz)
    23.03.2021
    21:52 Uhr