Filmkritik zu Bit

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  • Bewertung

    Girls Club - Vorsicht bissig ;)

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Das Genre des Vampirfilms ist, gemeinsam mit dem des Zombiefilms, wohl eines der inhaltlich erschöpftesten, umso erstaunlicher ist es dann, wenn es einem Regisseur gelingt, diesem wieder Originalität einzuhauchen. Mit dem feministisch-queeren Vampirstreifen „Bit“ versucht Regisseur Brad Michael Elmore sich an diesem schwierigen Vorhaben, welches ihm schlussendlich nur bedingt gelingt.

    Laurel, ein junges Transgender-Mädchen, hat eben erst die Highschool abgeschlossen und beschließt auf ungewisse Zeit zu ihrem Bruder in Los Angeles zu ziehen, um sie ihre schwierige Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Schon die erste Nacht in der Stadt der Engel wird ihr allerdings zum Verhängnis, denn ihre neue Bekanntschaft Izzy offenbart sich als Vampir, die einzig und allein an Laurels Blut Interesse hat. Ehe Laurel jedoch ihren letzten Tropfen Blut beraubt wird, werden sie von Duke unterbrochen, die sich als Anführerin der Vampire versteht. Da sie in Laurel Potential sieht, beschließt sie diese lieber zu verwandeln als einfach sterben zu lassen. Nach anfänglichen Zögern schließt sich Laurel der Blutsaugerinnengruppe an, deren oberstes Gebot es ist, keine Männer in Vampire zu verwandeln, da jene dadurch lediglich ihre Macht ausnützen würden. Doch Laurel fühlt sich ihrem neugewonnen Blutdurst nicht gewachsen und versucht sich dagegen aufzulehnen, was sehr bald Probleme in der Gruppenhierarchie hervorruft.

    Die Rolle der Laurel übernahm Nicole Maines, die als erste Transfrau die Rolle einer Transgender-Superheldin in der Serie „Supergirl“ übernahm, und vor allem für ihren Aktivismus im LGBT-Bereich Anerkennung bekommen hat.

    Für einen Film, der vor allem mit seinem Feminismus und einer gewissen Spitzzüngigkeit der Politik gegenüber punkten möchte, weist der Film bedauerlicherweise zahlreiche Schwachstellen auf, die die feministische Grundaussage des Films mehr als nur abschwächt. Besonders auffällig ist hierbei der schwache Dialog, der dermaßen unglaubwürdig und gekünstelt wirkt, als hätte der Regisseur noch nie ein reales Gespräch zweier Frauen wahrgenommen, was hie und da eigentlich gut aufgebaute Szenen subtil ins Lächerliche zieht. Dem Regisseur gelingt es außerdem ganz und gar nicht abgerundete, sympathische Figuren zu kreieren, und so bleibt selbst Protagonistin Laurel, die eigentlich beste Voraussetzungen hätte den Film durch ihre Präsenz zu tragen, über weite Strecken hinweg eindimensional.

    Nichtsdestotrotz ist das Genrewerk gekonnt in Szene gesetzt und vermittelt durch seine Farbgebung und einen tollen Score durchgehend eine gewisse düstere Coolness, die augenblicklich jüngst erschienene Teenie-Serien wie „Riverdale“ oder „Chilling Adventures of Sabrina“ in Erinnerung rufen.

    „Bit“ zeigt sehr gut, dass eine tolle Prämisse keine Voraussetzung ist, auch ein gelungener Film zu werden, versucht er doch allzu viel, was er im Endeffekt nicht umzusetzen vermag. Übrig bleibt ein schön fotografierter Film mit erstaunlich leerer Aussage und teilweise cartoonhafter Wortgefechte, der mit aller Deutlichkeit beweist, dass Style-over-substance nicht immer funktoniert.
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    (Julia Pogatetz)
    23.09.2019
    09:25 Uhr