Filmkritik zu Hundra

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  • Bewertung

    Der „weibliche Conan“ nimmt es leider mit Humor

    Eldritch Advice
    Der legendäre Produzent Dino De Laurentiis war immer für seine eigenwilligen Entscheidungen bekannt. Eine davon war, dass er 1982 nach dem Erfolg von „Conan der Barbar“ einen Großteil der Filmrequisiten und Sets nicht für den bereits feststehenden Nachfolger „Conan der Zerstörer“ aufbewahrte, sondern an einen anderen Produzenten, John Ghaffari, verkaufte. Dieser entschied sich mit dem erstandenen Material einen Sword & Sorcery Film um ein weibliches Gegenstück zu „Conan“ zu drehen. Nein, dabei handelt es sich nicht um die, aus den Marvel Comicheften bekannte, „Teufelin mit dem Schwert“ „Red Sonja“, sondern um den gänzlich neuen Charakter, „Hundra“. Um ihre Abenteuer auf die große Leinwand zu bringen wurde der erfahrene Regisseur Matt Cimber angeheuert; eine eher obskure Entscheidung, denn Cimber machte keinen Hehl daraus kein Fan von der Ernsthaftigkeit von „Conan der Barbar“ zu sein und entschied sich deswegen dazu „Hundra“ etwas heiterer zu gestalten.

    Hundra ist eine furchtlose Kriegerin und Teil eines Stammes der ausschließlich aus Frauen besteht. Kontakt zu Männern pflegen sie nur um für Nachwuchs zu sorgen. Danach steht Hundra allerdings nicht der Sinn; ihr reicht es den Sattel ihres Pferdes zwischen ihren Beinen zu haben, Abenteuer zu bestehen und zu jagen. Als sie eines Tages von einem Jagdausflug zurück kehrt, findet sie ihr Dorf den Flammen preisgegeben, sowie ihre Familie und Freunde geschändet und getötet vor. Es gelingt ihr Rache an den dafür verantwortlichen Männern zu nehmen. Als sie hernach ein Orakel über ihr weiteres Schicksal befragt, erteilt dieses ihr einen Auftrag: Hundra muss einen würdigen Mann finden um die Zukunft ihres Stammes zu gewährleisten.

    Ich muss sagen … „Hundra“ weiß vor allem im ersten und dritten Akt zu gefallen.

    Da „Hundra“ auf zahlreiche Requisiten und Sets von „Conan der Barbar“ zurückgreifen konnte, sieht dieser Film nicht nur fantastisch aus, sondern wirkt zudem so als ob er im „Hyborischen Zeitalter“ „Conans“ spielen könnte. Auf andere Bereiche des Films trifft dies leider nur teilweise zu. Zwar können sich die Kämpfe in ihrer Ästhetik und Intensität durchaus sehen lassen, aber nach einem starken Beginn verliert dieses Werk vor allem im zweiten Akt an Schwung. Dies liegt vor allem an Cimbers, meiner Meinung nach furchtbaren, Entscheidung mehr Humor einzubauen und damit vollkommen mit der epischen und dramatischen Atmosphäre des ersten Aktes zu brechen. Zum Glück wird der Film gegen Ende hin wieder seriöser und endet dadurch versöhnlich. Mehr als nur versöhnlich ist der grandiose Score von Altmeister Ennio Morricone, der für diese Produktion ein Meisterwerk des Fantasy Films schuf. Der Score alleine trägt sehr viel zur Unterhaltsamkeit von „Hundra“ bei.

    Allerdings sehe ich nicht jede Entscheidung Cimbers als schlecht an. So etwa war er es, der der charismatischen und atemberaubenden Laurene Landon die Rolle der Titelheldin Hundra gab. Sie ist die perfekte Verkörperung dieser Figur und es wirkt so als ob sie mit dieser Performanz ihre wahre Natur entdeckte. Mehr als nur einmal riskierte sie ihre eigene Gesundheit, weil sie darauf bestand so gut wie alle Stunts selbst durchzuführen. Eine Schande, dass sie Cimber im zweiten Akt nur mit Handbremse agieren lässt. Trotzdem weiß Landon auf allen Ebenen zu überzeugen. Leider aber gibt es keinen Charakter, der sich in Sachen Charisma mit ihr messen kann. Vielleicht liegt dies daran, dass Cimber ihre Feinde als eine gesichtslose Masse an Männern darstellen wollte. Dies sorgt allerdings dafür, dass es dem Film an einem richtigen Antagonisten fehlt. Lediglich zwei Charakteren gelingt es neben Landon hervorzustechen. Zum einen ist dies die weibliche Erzählerin und zum anderen der treue Hund der Titelheldin, „Beast“, der ein wirklich guter Junge ist.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    „Hundra“ ist einer jenen Filme für die ich gerne mehr Liebe aufbringen könnte, aber Cimber verhinderte dies indem er den dramatischen Ton mit unpassenden Humor gebrochen hat und die Suche Hundras nach einem würdigen Mann in den Vordergrund stellte. Ich bin der festen Meinung, dass dieser Film besser und auch erfolgreicher geworden wäre, hätte man den Racheplot nicht bereits im ersten Akt abgeschlossen, denn die Suche Hundras nach einem Mann zieht sich wie ein Kaugummi durch den Mittelteil und wirkt zudem sehr repetitiv. Trotzdem ist dieser Film nach wie vor unterhaltsam und besticht vor allem durch Landon als Hundra, die großartigen Kostüme und Sets aus „Conan der Barbar“, die famosen Actionszenen, sowie den grandiosen Soundtrack von Morricone.

    Mit einem anderen Regisseur hätte aus dieser Produktion ein großartiges Sword & Sorcery Werk werden können. Trotz und nicht wegen Cimber wurde es letztendlich aber immerhin ein solider Genrebeitrag, der einem Lust auf mehr macht. Nur allzu gerne hätte ich mehr Abenteuer aus Hundras Welt gesehen, aber leider blieb es nur bei einem Film. Wenn ihr Lust auf dieses Werk bekommen habt, achtet darauf, dass ihr es in der ungeschnittenen Fassung kauft, denn es befinden sich einige verstümmelte Versionen im Umlauf. Obwohl man einiges an Potential auf der Strecke gelassen hat, ist „Hundra“ eines freitäglichen Filmabends würdig.

    Habt ihr Interesse an Horror und Trashfilmen sowie anderer cineastischer Kleinodien, empfehle ich euch meinen englischsprachigen YouTube Channel zu besuchen. Dort bespreche ich mindestens einmal wöchentlich ein Filmjuwel aus meiner Sammlung:
    https://goo.gl/oYL4qZ
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    (Thorsten Schimpl)
    31.08.2018
    21:25 Uhr
    https://www.youtube.com/VarangianVigilante

    Austrian YouTuber that loves to talk about his favorite movies, comics and pop-cultural stuff, while trying not to butcher the English language.