Demolition Man

Bewertung durch Thorsten  95% 
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Forumseintrag zu „Demolition Man“ von Thorsten

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Thorsten (20.03.2020 17:05) Bewertung
Ein dystopischer Science-Fiction Klassiker, der Jahr für Jahr mehr an Aktualität gewinnt!
Eldritch Advice
Ich kann mich noch erinnern „Demolition Man“ zum ersten Mal bei seiner Free-TV-Premiere gesehen zu haben. Obwohl ich als der Film ins Kino kam erst 10 Jahre alt war, habe ich seine Werbekampagne, dank der Videospieladaption, sehr wohl mitbekommen und dabei ein gewisses Interesse entwickelt. Ob meines jungen Alters, fand ich das Gezeigte zwar sehr unterhaltsam und actionreich, der offensichtliche Verweis auf dystopische Klassiker der Weltliteratur, wie etwa Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, ging damals allerdings an mir vorbei. Obwohl „Demolition Man“ einen moderaten Gewinn einspielte und für lange Zeit sowohl ein Prequel als auch ein Sequel im Gespräch waren, war er im Gegensatz zu anderen Werken aus Stallones Filmografie für einige Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Erst als die Leitmedien langsam von der Political Correctness dominiert wurden, etablierte sich „Demolition Man“ als Pflichtprogramm bei jenen Menschen, die bei Unterhaltungsmedien gerne auf eine einseitige Lektion mit erhobenen Zeigefinger verzichten. Wegen der gegenwärtigen Pandemie ist der Film wieder in aller Munde. Einerseits, weil er humorvoll eine progressive Klopapier-Alternative präsentiert, und andererseits weil manche fürchten, dass das im Film verordnete kontaktlose Händeschütteln, selbst nach der aktuellen Krise, ein fester Bestandteil unseres Alltags werden könnte.

In der Megalopolis San Angeles des Jahres 2032 gelingt es dem seit 1996 eingefrorenen Gangsterboss Simon Phoenix bei einer Anhörung aus dem Gefängnis zu fliehen. Nun findet er eine Welt vor, die nicht nur jede Form von Gewalt ablehnt, sondern in der darüber hinaus alles was von Stadtgründer Dr. Raymond Cocteau als schlecht definiert wird verboten ist. Diese Welt hat Phoenix nichts entgegenzusetzen. Nachdem er nach und nach mehr Polizisten ein jähes Ende bereitet, fasst man den Entschluss John Spartan aufzutauen, jenen Mann, den es damals gelang Phoenix dingfest zu machen, aber der im Rahmen der Festnahme durch einen Fehler zahlreichen Geiseln das Leben kostete, und dadurch selbst einige Jahrzehnte mit Kryoschlaf bestraft wurde. Als wäre die Jagd auf seinen Nemesis Phoenix noch nicht schwer genug, muss sich Spartan obendrein mit einer Welt arrangieren, deren Regeln er strikt ablehnt.

Ich muss sagen … Stallone hatte recht als er sagte, dass dieser Film seiner Zeit voraus war.

„Demolition Man“ verfügte über das seinerzeit stattliche Budget von rund 57 Millionen Dollar und vermochte damit eine futuristische Welt zu schaffen, die zu jedem Zeitpunkt zu überzeugen weiß, und deren Konformität, eine makellose dystopische Darstellung einer politisch korrekten End-Gesellschaft zeigt. Darüber hinaus besticht dieses Werk durch eine eindrucksvolle und übersichtliche Kameraführung, in der die gebotene Action ideal in Szene gesetzt ist. Die Kampfchoreografie mutet zuweilen etwas eigen an, was daran liegt, dass Wesley Snipes schlichtweg zu schnell für die Kamera agierte und seine Bewegungen deswegen etwas verlangsamte. Persönlich finde ich, dass dies den Kämpfen eine eigene Ästhetik verleiht und dadurch sogar positiv zu werten ist. Während die Optik von „Demolition Man“ somit einen klaren Wiedererkennungswert hat, ist der von Elliot Goldenthal komponierte Soundtrack nur wenig einprägsam. Zwar gelingt es ihm die jeweiligen Situationen stimmig zu untermalen, ein guter Soundtrack vermag es jedoch eine Szene noch besser zu machen, und dies ist hier nicht der Fall.

„Demolition Man“ bietet eine Besetzung die alle Stücke spielt und brilliert vor allem durch das Gegenspiel zwischen Silvester Stallone als der Protagonist John Spartan und Wesley Snipes als der Antagonist Simon Phoenix. Die Beziehung der beiden Charaktere lässt sich am besten mit der Dualität von Batman und Joker umschreiben, etwas auf das aufmerksame Seher im Film sogar hingewiesen werden. Ebenso bietet dieser Film eine sympathische und gekonnte Darbietung von Sandra Bullock, die als Lieutenant Lenina Huxley nicht bloß das Love Interest für Spartan mimt, sondern auch an der Action teilnimmt. Auch über den Rest der Besetzung kann ich ausschließlich positives schreiben; egal ob Nigel Hawthorne, Denis Leary oder in kleineren Rollen Rob Schneider und Jesse „the Body“ Ventura, allesamt sind sie eine Erwähnung wert.

Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

Regisseur Marco Brambilla erstellte ursprünglich eine über zwei Stunden lange Schnittfassung, die Warner Brothers aber nicht zufrieden stimmen konnte. Das Studio gab daher die Schere an Stuart Baird weiter, mit dem Auftrag eine schlankere Fassung zu basteln. Baird kürzte den Film auf etwa 115 Minuten und opferte dafür einen Nebenplot um Spartans Tochter, so wie auch einige Actionszenen. Während die Herauslösung der Nebenhandlung sehr organisch gelang, und meiner Meinung nach die richtige Entscheidung war, sorgten die im Schneideraum liegen gelassen Actionszenen für offene Fragen. So bleibt etwa das Schicksal vieler von Phoenix' Handlangern ungeklärt. Besonders bitter ist, dass dabei ein potentiell epischer Kampf zwischen Stallone und Ventura der Schere zum Opfer fiel.

„Demolition Man“ wurde zunächst von vielen als unterhaltsamer wenn auch übertriebener Actionfilm in einem Science-Fiction-Setting abgetan. Heute ist er zwar noch genau so unterhaltsam in Sachen Action, doch stellen viele mittlerweile seinen an Aktualität gewinnenden Science-Fiction-Aspekt in den Vordergrund. Für mich ist es stets ein außerordentliches Qualitätsmerkmal, wenn es ein Film schafft in all seinen Genres zu überzeugen. Zudem gelingt diesem unterschätzten Stallone-Juwel ein zufriedenstellendes Ende zu präsentieren, das weder kitschig, noch ein Köder für eine Fortsetzung ist. Vielmehr ist das Ende zutiefst menschlich und lädt zum Nachdenken ein. Ich bin der Ansicht, dass „Demolition Man“ auch in den nächsten Jahren weiterhin an Popularität gewinnen wird. Egal ob man dieses Werk als ein Actionvehikel für Stallone und Snipes oder wegen seiner dystopischer Darstellung einer nicht allzu fernen Zukunft genießt, eines ist es gewiss, eines freitäglichen Filmabend würdig!
 
 

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