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  • Bewertung

    Der „Edle Wilde“ versucht Metropolis zu retten

    Eldritch Advice
    Das Genre des Peplum (hierzulande Sandalenfilm genannt) war Italiens Antwort an die Monumentalfilme Hollywoods der 50er- und 60er-Jahre, wie etwa Spartacus oder Ben Hur. Klarerweise konnte die italienische Filmlandschaft keine so großen Budgets aufstellen wie das US-amerikanische Vorbild, was aber nicht heißt, dass sie nicht versuchten ihre Filme im kleinen Umfang monumental zu gestalten. Was wie ein Widerspruch klingt, war in vielen Fällen vielmehr der Inbegriff des Einfallsreichtums. Manche Filmemacher machten es zu einer Kunst mit nur wenig Geld Filme zu drehen, die den Anschein erwecken eine teure Produktion zu sein. Ebenfalls gab es Filmemacher die keine Scheu davor hatten den Peplum-Film mit anderen beliebten Genres zu kreuzen. Dabei sticht insbesondere das Jahr 1961 hervor. Dieses schenkte uns nicht nur Mario Bavas legendären Peplum/Horror-Hybrid „Vampire gegen Herakles“, sondern auch Umberto Scarpellis eher unbekannten Peplum/Science-Fiction-Mix „Der Untergang von Metropolis“.

    Eine Gruppe Wilder macht sich auf den beschwerlichen Weg, um die futuristische Stadt Metropolis vor ihrem blinden Vertrauen in die Wissenschaft zu warnen, denn alles deutet daraufhin, dass die Natur schon bald Rache an ihnen nehmen wird. Nur Obro, der stärkste der Wilden, überlebt diese Reise, stößt in Metropolis jedoch auf taube Ohren. Vielmehr noch befielt König Yotar ihn gefangen zu nehmen, denn das Überleben von Obros zeugt davon, dass er starkes Blut in sich haben muss. Dadurch könnte er Yotar bei seinem Magnum Opus behilflich sein. In diesem trachtet er danach endgültig den Tod zu besiegen und damit seinen Sohn unsterblich zu machen. Doch Obros Widerstand ist noch nicht gebrochen.

    Ich muss sagen … es fehlt der letzte Schliff.

    „Der Untergang von Metropolis“ zeigt, dass man mit einem kleinen Budget durchaus viel anstellen kann und insbesondere bei den futuristischen Sets hat sich das Art Department keine Blöße gegeben. Metropolis wirkt dadurch auf den ersten Blick durchaus monumental. Ein zweiter Blick offenbart aber leider die Grenzen des Budgets, denn so monumental wie die Stadt auch wirken mag, es mangelt ihr jedoch an Details. So gibt es zwar einige wenige Verzierungen, aber es fehlt den Gebäuden an einer entsprechenden Innenarchitektur um wirklich glaubhaft zu sein. Das ist eine Limitation mit der man in einem italienischen Film leben muss. Die Symbiose aus Peplum- und Science-Fiction-Film ist besonders an den Kostümen ersichtlich. Diese gleichen einige der vorhin angemerkten Limitierungen aus und helfen dabei diese Welt als einigermaßen glaubhaft zu akzeptieren. Auch der Komponist Armando Trovajoli versuchte beide Genres in seinem Score miteinander zu vereinen. Dabei schuf er zwar kein Meisterwerk, aber einen stimmigen, wenn auch wenig einprägsamen Soundtrack.

    Dieser Film besticht vor allem durch seine Besetzung; allem voran Gordon Mitchell. Nach einer Nebelrolle in Stanley Kubricks „Spartacus“, war „Der Untergang von Metropolis“, eine der ersten Rollen als Protagonist für den US-amerikanischen Bodybuilder. Zwar schaffte es Mitchell nie an den Legendenstatus von Reg Park oder Steve Reeves heranzukommen, aber beeindruckte dennoch durch sein natürliches Charisma und seine Männlichkeit; Attribute die ihm dabei halfen die Rolle des Helden Obro überzeugend darzustellen, obwohl er damals des italienischen nicht mächtig war. Ihm Gegenüber steht Roldano Lupi als König Yotar. Der erfahrene italienische Schauspieler trägt durch seine Routine geschickt den Großteil der Last der Narration auf seinen Schultern. Seine Darstellung macht es dem Publikum leicht die Handlungen des Antagonisten nachzuvollziehen. Dadurch wird aus Yotar teilweise eine tragische Figur. Geschickt besetzt wurden auch die weiblichen Hauptcharaktere. So gelang es nicht bloß die atemberaubende Liana Orfei, als Königin Texen, sondern ebenfalls die bildhübsche Bella Cortez, als ihre Tochter Prinzessin Mercede, unter Vertrag zu nehmen.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Es hat durchaus seine Gründe wieso „Der Untergang von Metropolis“ in der Masse der Peplum-Filme unterging und heute nur noch wenigen ein Begriff ist; und dennoch wird er meiner Meinung nach unterschätzt. Er hätte das Potential gehabt mit einem größeren Budget, einer runderen Abhandlung der Geschichte und einer etwas geschickteren Regiearbeit ein Kult-Klassiker zu werden. Trotzdem ist jener Film, den wir letztendlich bekommen haben, ein visuell erfreuliches sowie kurzweiliges Werk, dessen größtes Problem ist, dass er klüger wirken möchte als er eigentlich ist. Sowohl die Idealisierung des „Edlen Wilden“ als auch der Kampf zwischen Natur und Zivilisation gehen zu keinem Zeitpunkt in die Tiefe. Dadurch fehlt es dem Film auch an einer zufriedenstellenden Konklusion.

    Trotz der von mir angeführten Kritikpunkte, überwiegen die positiven Aspekte. Dieses Werk hat nicht bloß Charme, sondern überzeugt vor allem in seinem visuellen Narrativ, wodurch die Mängel in der Handlung ignoriert werden können. Wenngleich dieser Film weder ein herausragender Science Fiction noch Peplum Eintrag ist, so schafft er es doch Fans beider Genres zu unterhalten. „Der Untergang von Metropolis“ ist ein interessanter Hybrid, der sich durchaus mehr Beachtung verdienen würde und ist daher auch eines freitäglichen Filmabends würdig!

    Habt ihr Interesse an Horror und Trashfilmen sowie anderer cineastischer Kleinodien, empfehle ich euch meinen englischsprachigen YouTube Channel zu besuchen. Dort bespreche ich mindestens einmal wöchentlich ein Filmjuwel aus meiner Sammlung:
    https://goo.gl/oYL4qZ
    thorsten_371a079608.jpg
    (Thorsten Schimpl)
    06.07.2018
    08:25 Uhr
    https://www.youtube.com/channel/UCgjBaox9BCi89vbfdMfABWg

    Austrian YouTuber that loves to talk about his favorite movies, comics and pop-cultural stuff, while trying not to butcher the English language.
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