Filmkritik zu Red Sonja

Bilder: Kinowelt Fotos: Kinowelt
  • Bewertung

    Eine Geschichte so episch wie ihre Produktion chaotisch!

    Eldritch Advice
    Die gefürchtete Schwertkämpferin Red Sonja wird oftmals fälschlicherweise zu den Kreationen des Schriftstellers und Begründers des Sword & Sorcery Genres Robert E. Howard gezählt. Zwar taucht in seiner Kurzgeschichte „The Shadow of the Vulture“ eine „Red Sonya of Rogatino“ auf, aber diese streifte durch das Europa der Frühen Neuzeit und galt der rothaarigen Kriegerin im knappen Kettenbikini lediglich als Vorbild. Der Charakter bei dem heutzutage die meisten an Red Sonja denken wurde von Roy Thomas und Barry Windsor Smith erschaffen/adaptiert und debütierte 1973 im damals von Marvel herausgegebenen „Conan the Barbarian #23“. Da sie in der selben Welt wie der berühmte cimmerianische Barbar existiert, ist sie somit immerhin Teil des von Howards geschaffenen prähistorischen hyborischen Zeitalters. Zwar verdankte sie Conan ihr Debüt in den Comics, seiner Abwesenheit verdankte sie allerdings ihre Premiere auf der großen Leinwand. Ursprünglich wollte der legendäre Filmproduzent Dino de Laurentiis mit „Conan the Conqueror“ seine Sword & Sorcery Trilogie vollenden, aber konnte sich mit dem Rechteinhaber Universal Pictures finanziell nicht einig werden. Für Dino kein Grund das Projekt sterben zu lassen. Er besorgte sich die wesentlich günstigeren Filmrechte für Red Sonja und überredete Arnold Schwarzenegger zur einem Cameo-Auftritt. Freilich nicht als Conan, sondern als der unbekannte, aber dafür lizenzkostenfreie Lord Kalidor. Der Cameo-Auftritt wurde allerdings nicht wie geplant in einer, sondern in vier Wochen abgedreht und aus der kleinen Gast- wurde eine Hauptrolle. Kalidor nahm dann auch einen Großteil des Filmplakats ein und überragte das junge dänische Model Brigitte Nielsen, die als Red Sonja ihren ersten Filmauftritt hatte.

    Der lüsterne Blick von Königin Gedren (Sandahl Bergman) schweift über das Antlitz der junge Sonja (Brigitte Nielsen). Doch als diese dem offensiven Werben der finsteren Tyrannin widersteht wird aus Lust Zorn. Sie ordert ihre Soldaten dazu an, die Familie des widerspenstigen rothaarigen Mädchens zu töten und sich an ihr zu vergehen. Als die Königin und ihre Truppen abziehen, erwartet Sonja verwaist und geschändet den erlösenden Tod. Dieser bleibt jedoch aus. Stattdessen erscheint ihr die Göttin Scathach. Diese gibt ihr die Gabe eines mächtigen Schwertarms um Rache an ihren Peinigern nehmen zu können. So wurde aus dem jungen Mädchen Red Sonja, die Teufelin mit dem Schwert. Der Tag der Rache rückt näher als der muskelbepackte Lord Kalidor (Arnold Schwarzenegger) mit Kunde von ihrer sterbenden Schwester an sie heran tritt. Kunde von einem Talisman der sich in nun in den Händen von Königin Gedren befindet und so mächtig ist, dass er die ganze Welt vernichten kann. So lastet auf Red Sonjas Schultern nicht nur die Bürde der Rache, sondern ebenfalls die Last die Welt vor dem Untergang zu bewahren.

    Ich muss sagen … ich liebe diesen Film mehr als er es sich eigentlich verdienen würde.

    Fasst alles an diesem Film ist verworren und chaotisch. Regisseur Richard Fleischer, der schon mit „Conan der Zerstörer“ eine mittelprächtige Arbeit abgeliefert hat, war einmal mehr die falsche Wahl. Dazu kamen Verständigungsprobleme mit dem Kameramann Giuseppe Rotunna, denn Fleischer war des Italienischen nicht mächtig und Rotunna verstand kein Englisch. Das Drehbuch war ein heilloses Durcheinander, Red Sonja spielte neben Kalidor in ihrem eigenen Film nur die zweite Geige, …. eine Liste die ich wohl ewig fortführen könnte. Trotz all dieser Kritikpunkte, „Red Sonja“ versprüht die Atmosphäre des hyborischen Zeitalters. Das Budget von ca. 18 Millionen Dollar konnte zwar nicht wieder eingespielt werden, wurde aber zumindest in einigen Bereichen richtig eingesetzt. Visuelle Effekte wie sie nur die Kunst der Vorsatzmalerei auf die Leinwand zaubern kann sorgen für beeindruckende Landschaften die zum Träumen einladen. Dies in Verbindung mit den grandiosen und detailverliebten Kostümen macht diese Welt glaubhaft. Erklingt dazu Ennio Morricones majestätischer Soundtrack ist die Illusion perfekt - noch nie hat Schund so gut ausgesehen oder geklungen!

    Um für diesen Film einen Platz im „hyborischen Kanon“ zu finden, gehen viele Howard Fans davon aus, dass Kalidor nur ein Reisename Conans war und dieses Werk somit ein legitimer Nachfolger seiner Solofilme ist. Eine berechtigte Sichtweise, aber leider kommt Schwarzenegger in dieser Rolle nicht an seine Glanzleistungen als Conan heran. Dies ist durchaus verständlich, denn er reiste mit der festen Einstellung nur einen kleinen Gastauftritt zu haben zum italienischen Drehort und war nicht auf vier Wochen Drehzeit vorbereitet. Dazu kommt, dass das Filmteam jede seiner gedrehten Szenen in den Film schnitt. Insbesondere bei einem ehrgeizigen Schauspieler wie Schwarzenegger, der sich normalerweise akribisch genau auf seine Rollen vorbereitet, merkt man es, wenn er unvorbereitet in einen Film geworfen wird. In manchen Szenen ist es ersichtlich, dass er als Kalidor weniger Feuer in den Augen hat denn als Conan.

    Brigitte Nielsen ist eine wunderbare Frau, aber als Red Sonja war sie leider eine Fehlbesetzung. Nicht nur war es ihr erster Filmauftritt, aber es ist ihr anzusehen, dass ihr diese Rolle ganz und gar nicht behagte. Dies würde wesentlich mehr ins Gewicht fallen, wären da nicht die vollkommen deplatzierten Charaktere von Paul L. Smith und Ernie Reyes Jr.. Das hyborische Zeitalter ist kein Ort für das Stilmittel der „komischen Entlastung“. Durch den völlig unpassenden Humor wurden etliche Szenen mit Potential zerstört oder zumindest beeinträchtigt. Crom sei Dank fand man für Königin Gedren die richtige Besetzung. Sandahl Bergman, die in „Conan der Barbar“ noch die Heldin Valeria spielen durfte, ist in diesem Film kaum wiederzuerkennen und stellt die Antagonistin mit Bravour dar. Wahnsinn und Grausamkeit sind Attribute die ihr wider Erwarten sehr gut stehen.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig?

    Es ist nicht verwunderlich, dass „Red Sonja“ an den Kinokassen floppte. Bei den Dreharbeiten hielt niemand das Heft in die Hand, die Produktion war das pure Chaos, Schwarzenegger distanzierte sich, und verzichtete auf jedwede Promotion. Alles in allem ist unvollendet das passende Wort für diesen Film. Überflüssig zu erwähnen, dass sich Red Sonja eine bessere Live-Action Adaption verdienen würde … und dennoch, diese cineastische Katastrophe hat etwas besonderes an sich.

    Wie bereits erwähnt sind die Kostüme, visuellen Effekte und der Soundtrack hervorragend, aber es verbirgt sich noch etwas in diesem Film … ganz tief versteckt … es ist ein kleines bisschen Magie. Ignoriert man die störenden „Comedic Relief“ Charaktere, lassen sich zauberhafte Momente finden. Mein persönlicher Favorit ist eine Schwertkampf zwischen Kalidor und Red Sonja. Da sie sich nur jemanden hingibt, der sie im Zweikampf besiegt, hat dieses Duell etwas erotisches an sich. Es vereint Kampf und Liebesspiel miteinander und wenn beide Kontrahenten völlig ermüdet zu Boden sinken, wurde man Zeuge des großartigsten Innuendos der Filmgeschichte. Da es zwischen Schwarzenegger und Nielsen damals auch abseits der Kamera knisterte, wirken Szenen wie diese umso überzeugender. „Red Sonja“ ist gewiss kein guter Film, aber für mich versprüht er dennoch einen gewissen Charme und was noch wichtiger ist, ich kann für 89 Minuten in das hyborische Zeitalter eintauchen. Es ist kein Film für jeden Geschmack, aber meiner Meinung nach ist „Red Sonja“ eines freitäglichen Filmabends würdig. 

    Habt ihr Interesse an Horror und Trashfilmen sowie anderer cineastischer Kleinodien, empfehle ich euch meinen englischsprachigen YouTube Channel zu besuchen. Dort bespreche ich mindestens einmal wöchentlich ein Filmjuwel aus meiner Sammlung:
    https://goo.gl/oYL4qZ
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    (Thorsten Schimpl)
    08.09.2017
    13:11 Uhr
    https://www.youtube.com/VarangianVigilante

    Austrian YouTuber that loves to talk about his favorite movies, comics and pop-cultural stuff.