Eldritch Advice
Eldritch Advice: Alien Day Special 2022

Eldritch Advice: Alien Day Special 2022

Frivol und schaurig - Roger Corman und das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt
Info: Der Planet, auf dem die Besatzung der USCSS Nostromo auf die tödliche außerirdische Lebensform stieß, wird Acheron beziehungsweise LV-426 genannt. Aus dieser Zahl wurde der 26. April hergeleitet und zum „Alien Day“ ausgerufen.

Wir schreiben den dritten „Alien Day“ nachdem die „Walt Disney Company“ sich im März 2019 „20th Century Fox“ und damit auch die „Alien“-Lizenz einverleibt hat. Bislang ist es „Disney“ nicht gelungen, das seit geraumer Zeit kreativ brachliegende „Alien“-Franchise zu revitalisieren. Die 2021 begonnene Comicheftreihe dümpelt beim hauseigenen Verlag „Marvel Comics“ vor sich hin, während dem ebenfalls 2021 erschienenen kooperativen Survival-Shooter „Aliens: Fireteam Elite“ scheinbar langsam die Spieler ausgehen. Der Megakonzern der Maus ist damit bei „Alien“-Fans ähnlich beliebt wie „Weyland-Yutani“ bei den Menschen in der dystopischen Zukunft von „Alien“. Aktuell befinden sich sowohl eine TV-Serie (Noah Hawley) als auch ein Filmprojekt (Fede Alvarez) in Produktion. Ziemlich sicher ist, dass damit (abermals) ein neuer Verlauf der „Alien“-Chronologie etabliert wird. Gesetzt den Fall, Georg Christoph Lichtenberg wäre heute noch am Leben und ein Filmkritiker, würde er dazu wohl schreiben: „Bei Disney gärt es, ob [es] Wein oder Essig werden wird, ist ungewiss“.

Doch lassen wir die Zukunft einmal Zukunft sein, und begeben und stattdessen auf eine Reise in die Filmwelt der frühen 80er Jahre. In eine Zeit nach dem Erscheinen von „Alien“ im Jahr 1979 und bevor die Fortsetzung „Aliens“ 1986 in die Kinos kam. Damals machte man sich noch keine Gedanken darüber, was und was nicht zum Kanon gehört, sondern wollte vor allem eines; am Erfolg von „Alien“ teilhaben. Bühne frei für Roger Corman. Der 2010 mit einem Ehrenoscar ausgezeichnete Filmliebhaber und Produzent, ließ noch nie einen Trend an sich vorbeiziehen. Zwischen 1980 und 1982 sammelte er zahlreiche talentierte Filmschaffende um sich. Deren Ziel war es für Corman ein von „Alien“ inspiriertes Science-Horror-Epos zu schaffen. Also Proto-Versuch dafür, kann das 1980 veröffentlichte Werk „Das Grauen aus der Tiefe“ (OT: „Humanoids from the Deep“) betrachtet werden, dessen letzte Szene ein eindeutiger „Alien“-Pastiche ist. Noch deutlicher sind die Referenzen allerdings in jenen Filmen, die in den beiden darauf folgenden Jahren erschienen sind. Die Rede ist hierbei von „Planet des Schreckens“ (1981, OT: Galaxy of Terror) und „Mutant - Das Grauen im All“ (1982, OT: Forbidden World“).


Planet des Schreckens: 65 %

Der 1981 von Bruce D. Clark inszenierte Film, liest sich auf dem Papier außerordentlich gut. So beinhaltet er nicht nur das schauspielerische Talent von Genregrößen wie Robert Englund oder Sid Haig, sondern geizt darüber hinaus auch nicht mit den Reizen von Taaffe O'Connell und Erin Moran.
Bild aus dem Film „Planet des Schreckens“ (United Artists)

Abgesehen davon war, ein damals noch relativ unbekannter, James Cameron für die Produktionsgestaltung zuständig. Dadurch sieht „Planet des Schreckens“ auch wesentlich besser aus, als das Budget von 1,8 Millionen Dollar vermuten lässt. Bei der Gestaltung der Sets, lernte Cameron einen jungen Requisiteur namens Bill Paxton kennen. Somit ist diese Corman Produktion nicht bloß von „Alien“ inspiriert, sondern kann ebenfalls als eines der Fundamente für „Aliens – Die Rückkehr“ gesehen werden, für den Cameron Regie führte, und Paxton in die Rolle des Private First Class Hudson schlüpfte. Viele der optische Elemente von „Planet des Schreckens“, wurden daher formvollendet in „Hadley’s Hope“ auf „LV-426“ zitiert. Nun könnte man meinen, dass dies die richtigen Zutaten für ein großartiges Science-Horror-Epos sind. Leider gelang es Clark jedoch nicht aus diesem intergalaktischen Horrortrip eine kohärente Geschichte zu formen. Einzelne Szenen verstehen es zwar immer wieder zu überzeugen, doch am Ende wirkt das gefährliche Abenteuer auf dem Planeten Morganthus zu zusammenhangslos um ein immersives Erlebnis zu bieten. Obwohl die Handlung nur relativ lose mit der Prämisse des Vorbilds spielt, ist „Planet des Schreckens“ durchaus empfehlenswert und eine sinnvolle „Alien Day“ Ergänzung.


Mutant - Das Grauen im All: 85 %

Ursprünglich hatte Regisseur Allan Holzman eine Weltraumadaption von „Lawrence von Arabien“ (1962) im Sinn, doch als Corman ihm dafür nicht das nötige Budget zur Verfügung stellte, entschied er sich kurzerhand aus diesem Projekt ein „Alien“-Rip-Off zu machen. Daraufhin öffnete sich Cormans Geldbörse. Im Vergleich zu „Planet des Schreckens“, ist „Mutant“ wesentlich durchgängiger und orientiert sich plottechnisch näher an „Alien“.
Bild aus dem Film „Mutant - Das Grauen im All“ (Filmverleih)

Die Besetzung bietet zwar keine zukünftigen Stars, ist aber dennoch überzeugend. Vor allem Dawn Dunlap, June Chadwick und Linden Chiles sind erwähnenswert. „Mutant“ profitiert durch die Wiederverwertung der grandiosen Sets, die James Cameron für „Planet des Schreckens“ kreierte. Typisch für eine Corman Produktion, finden sich auch hier Szenen, die einem seiner früheren Filme entlehnt wurden. Die Weltraumschlacht mit der „Mutant“ beginnt, stammt aus dem „Star Wars“-„Mockbuster“ „Sador - Herrscher im Weltraum“ (1980). Doch es wurde nicht nur „taktisch geschickt geborgt“. Die beeindruckenden und obendrein blutigen Spezialeffekte stammen aus der legendären Schmiede des 2019 verstorbenen John Carl Buechler. So ist es kein Wunder, dass dank Buechler der außerirdische Horror glaubhaft vermittelt wird. „Mutant“ gilt zwar bereits seit langem als Kultfilm, sowie als eines der bekannteren „Alien“-Plagiate. Die Science-Fiction-Elemente des Films werden aber immer noch unterschätzt. Doch verdient sich insbesondere das gut durchdachte Ende wesentlich mehr Respekt. „Mutant“ ist ein kurzweiliger Science-Horror-Klassiker, der nur wenige Schwächen und viele Stärken hat. Eine ideale Bereicherung für einen gelungenen „Alien Day“.
Der Autor
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Thorsten


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