Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Brutal lustig

Kobergs Klarsicht: Brutal lustig

Unterhaltsame Gewalt amüsiert durch ihre Widersprüchlichkeit und hinterlässt Fragen.
Tarantinos jüngster Film „Once Upon a Time in Hollywood“ erinnert ein bisschen an Harmony Korines „Spring Breakers“, wenn er so gemächlich absurd dahin plätschert um irgendwann in vorhersehbarer Plötzlichkeit zu eskalieren. Da bauen sich ein paar Das-macht-er-jetzt-aber-nicht-wirklich-Momente zu einem finalen Gewalt-Exzess auf, der in seiner Amüsantheit ein bisschen weh tut. Das darf man noch nicht lustig finden! Aber dankenswerter Weise lacht nach ein paar Schock-Sekunden der ganze Kinosaal und legitimiert den schwarzen Humor durch die Zustimmung der Masse.

Dass Gewalt unterhalten kann, steht außer Frage. Aber was ist davon zu halten? Ist das ein schlichtes Indiz für die Verrohung des Publikums oder eine harmlose Selbstverständlichkeit in der langen Tradition von erzähltem Mord und Totschlag? Michael Haneke versucht sein Publikum mit „Funny Games“ an die Grenzen des Erträglichen zu führen, aber Tarantino, Nicolas Winding Refn und ein paar andere ziehen in Sachen Gewalt-Intensität munter mit und ernten erleichtertes Gelächter.

Die Auseinandersetzung mit dem Extremen, dem Unaussprechlichen und Empörenden hat tatsächlich lange Tradition in der Erzählkultur. Um das zu belegen, wird gern auf die Ursprünge der klassischen Märchen verwiesen. Mord und Folter sind dort ohnehin erhalten geblieben. Nur die sexuellen Inhalte fielen unter den Tisch. Jugendliche Horrorfilmnächte sind der Inbegriff des lustvollen Herantastens an die Grenzen der Unerträglichkeit und dieses Bedürfnis scheint nie ganz zu verschwinden.

Amüsante Rachefantasien á la „Inglourious Basterds“ finalisieren mit einem comic relief – der humorvollen Erleichterung, herbeigeführt durch Überzeichnung und Tabubruch. Diese Entspannung erlöst nicht nur vom Druck, den der Film zuvor aufgebaut hat, sondern auch von jenem, der schon aus dem Alltag mitgebracht wurde. Das ist wohl Teil der Erklärung für das positive Erlebnis, das derartige Filme vielen Zusehenden bescheren. Was bleibt sind die Fragen, ob sich gesamtgesellschaftlich betrachtet die Dosis für diesen Effekt immer weiter steigern muss und, ob das Reflexionsvermögen ausreicht, um zu verhindern, dass die positive wahrgenommene Gewaltdarstellung nicht doch auf die Weltbilder abfärbt.