Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Ordentlich Wums

Kobergs Klarsicht: Ordentlich Wums

Mal stumpfsinnig, mal unterhaltsam, mal gefährlich und mal hebt sie gar das Niveau – Gedanken zur Gewalt in Filmen.
Da braucht es einen walisischen Regisseur und einen indonesischen Kampfkünstler, um das Action-Genre wieder einmal richtig aufzumischen. Und es brauchte einige Zeit, bis es Gareth Evans „The Raid“ in unsere Kinos geschafft hat – nur um dann recht schnell wieder zu verschwinden. Doch der Film hat sich bereits so etwas wie Kultstatus erarbeitet. Und das, obwohl es über hundert Minuten nicht viel mehr zu sehen gibt als pure, harte Gewaltszenen.

Die Debatte um Gewalt in den Unterhaltungsmedien ist so alt wie die Unterhaltungsmedien selbst und bringt es im Schnitt wohl auf kaum mehr als ein neues Argument pro Jahrhundert (begonnen hat alles bei den griechischen Tragödien). Es bedarf nicht mehr als eine kurze Rückbesinnung, um einzugestehen, dass Gewalt schon immer Kernbestandteil menschlicher Erzählkultur war; ganz unabhängig davon, wem dieser Umstand nicht gefällt. Aber warum bereitet sie uns wieder und wieder so viel Freude, wenn wir – oder die meisten unter uns – sie doch eigentlich ablehnen?

Da sitzt dann ein Saal voller erwachsener Menschen lachend und johlend in „The Expendables 2“ und freut sich mit Terry Crews über sein irrsinniges Mündungsfeuer. Vielleicht zucken ein paar Augen, wenn Jason Statham seinen Gegenüber in den laufenden Rotor eines Flugzeugs tritt, aber alle bleiben bestens unterhalten.

Freilich lassen sich gewalttätige Auseinandersetzung viel einfacher visuell umsetzen als verbale Gefechte und der Kampf um Leben und Tot ist eben immer noch die Mutter aller Kämpfe, aber ausschlaggebend für die Freude an Sprüche klopfenden Massenmördern liegt offenbar in der Verklärung. Denn wenn Stallones Starensemble Osteuropa befreit, fühlt sich wohl kaum jemand an reale Gewalterfahrungen erinnert. Vielmehr geht es um eine Aneinanderreihung von Stereotypen, die all jene amüsiert, die mit Hollywoods Versionen von Feuergefechten groß geworden sind.

„The Raid“ geht da schon einen Schritt weiter und führt auch einige Hartgesottene an die Grenzen des Amüsements. Plötzlich wird die Gewalt dann doch wieder nachvollziehbar. Ihre Faszinationskraft verliert sie dabei nicht, aber sie hat wieder etwas Abstoßendes, vielleicht sogar Verstörendes. Und in den Kritiken großer Filmkenner wird die visuelle Ehrlichkeit mit Lob bedacht.

Je nach persönlichen Sehgewohnheiten sind Gewaltszenen wohl immer eine Gratwanderung, während der wir uns – amüsiert, verstört oder gelangweilt – mit Regungen auseinandersetzen, die in vielen realen Leben in den Hintergrund gerückt sind, die aber doch jeden auf verschiedene Weisen faszinieren. Wie sehr die Abstumpfung demgegenüber dann aber doch Sorgen bereiten sollte, bleibt trotz alldem leider offen.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Gewalt alleine ist fad

    Ohne das Minimum einer Handlung fehlt einem Film auch bei noch so spektakulären Gewaltszenen oder Spezialeffekten jeder Unterhaltungswert. Als Stilmittel alleine wohl ebenso. In der Kombination mit einer intelligenten Handlung ist sie mitunter notwendig - je nach Geschichte. Generell glaube ich aber schon, dass das Publikum abgestumpft ist. Schaut Euch doch mal die "Actionfilme" vor 20 Jahren an. Die hatten alle eine Altersfreigabe von 18, heute bekommen Filme mit viel Gewalt und Brutalität locker ein "ab 16", sobald das Ganze irgendwie komisch ist, sogar noch weniger. Sich das bewusst zu machen, dass Gewalt an sich aber eigentlich alles Andere als komisch ist, schafft innere Distanz und hat keinen geringen Einfluss auf die Wahl an der Kinokasse, meine ich.
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    11.09.2012, 17:43 Uhr