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Heidi@Home: RIP Luke Perry

Heidi@Home: RIP Luke Perry

Gestern ist Luke Perry gestorben und das viel zu früh. Es ist ja immer zu früh, aber wenn dir Freundinnen schreiben, dass sie so sehr in Dylan verliebt waren und nun ehrlich geschockt sind, dann weißt du, das trifft jetzt den Nerv deiner eigenen Generation.
Ich war nie in Luke Perry verliebt. Zum einen war er äußerlich so gar nicht mein Typ, zum anderen war er mir viel zu jung. Ich habe als Teenagerin nur für Schauspieler geschwärmt, die mir heute viel zu alt wären, wie den Butler aus „Ein Haus am Eaton Place“, aber das nur nebenbei.

„Beverly Hills 90210“ war definitiv eine Serie, die ich sehr gerne gesehen haben, in meiner Jugend, sie lief von 1990 bis 2000 und alles an dieser Serie schrie auch ganz laut: „Neunziger“. Sie wurde immer samstags ausgestrahlt und es war jedes Mal eine Reise in eine ganz andere Welt. Das ging auch den Zwillingen Brandon und Brenda so, die in Folge eins – quasi so wie „Zwei Münchner in Hamburg“ – mit ihren Eltern von Minnesota nach Los Angeles zogen, ein richtiger Kulturschock natürlich. Jugendlicher sein im schnöseligen Beverly Hills, wo Geld keine Rolle spielt, dafür Attitude aber umso mehr, ist nicht sehr einfach. „Beverly Hills 90210“ war natürlich eine Soap Opera, und keine, die sich permanent selbst reflektiert hat, und intellektuell gekonnt mit der Meta-Ebene spielte, wie später „Dawson’s Creek“, die sich aber doch engagiert aller Zielgruppen-relevanten Themen an-, und dabei kein Blatt vor den Mund genommen hat.

Dylan Mc Kay war die interessanteste Figur der Serie, weil er sehr differenziert gezeichnet war. Er hatte eine geheimnisvolle Familiengeschichte und einen undurchsichtigen Background und trug selbst rein gar nichts dazu bei, die Rätselhaftigkeit, die ihn umgab, irgendwie aufzulösen. Er gefiel sich natürlich auch in der Rolle eines James Dean 2.0, wie man heute sagen würde, er wusste um seine Wirkung auf andere, insbesondere Frauen. Sein Charakter war ambivalent, nach außen erschien er oftmals rau und abweisend, tatsächlich war er aber enorm labil, immer auf der Suche nach Zuwendung und Liebe. Empfänglich aber auch für jede Art von Eskapismus, leider vornehmlich von der gesetzlich verbotenen Art. Dylan konnte sehr von sich eingenommen sein, aber wenn er schwach war, dann war er gefährlich schwach. Er verlor oft im falschen Moment den Kopf, und das ging bei ihm fast bis zur Selbstzerstörung.

Luke Perrys Verdienst war es, diese Vielschichtigkeit überzeugend zu verkörpern, dass man ihm sowohl seine Verletzlichkeit als auch die Rüpelhaftigkeit abnahm. Man empfand ihn als betörenden Anti-Helden, doch Perry schaffte es gleichzeitig, den Zusehern Respekt vor seiner dunklen Seite abzuringen und zu zeigen, dass ab einem bestimmten Punkt der Spaß dann auch wirklich zu Ende war und hier jemand einfach nur um die schiere Existenz kämpfte.

Luke Perry war natürlich nicht nur Dylan McKay. Aber – man muss es sagen wie es ist – er war vor allem Dylan McKay. Anders als andere Schauspieler, die damit hadern, ihr Leben lang auf eine Rolle angesprochen und damit quasi verschmolzen zu sein, hat Perry sich damit offenbar gut arrangiert: „Man wird mich mit ihm verbinden bis ich sterbe, aber das ist schon ok. Er gehört zu mir.“

Wenn man gestern auf diversen Social-Media-Kanälen aktiv war und gelesen, hat, wie viele KollegInnen – von Leonardo di Caprio über Patricia Arquette und Charlie Sheen bis hin zu seinen Serien Co-Stars– etwas über Perry geschrieben haben und vor allem wie sie über ihn geschrieben haben, so war er wohl ein besonders angenehmer und geschätzter Zeitgenosse.
Luke Perry ist am 4. März 2019 im Alter von 52 Jahren an einem Schlaganfall gestorben.
Die Autorin
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Forum

  • RIP

    90210 habe ich selten geschaut, aber Luke Perry gehört zu den Darstellern, die in Erinnerung geblieben sind.
    RIP
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    06.03.2019, 15:00 Uhr