Nachdem ich mich in meiner letzten Kolumne auf Serien konzentriert habe, die ich für überbewertet halte, möchte ich mich heute mit Produktionen beschäftigten, die meiner Ansicht nach zu früh abgesetzt wurden, obwohl sie Potential hatten.

An erster Stelle steht hier
„Dirty Sexy Money“, eine Serie, die sich um den idealistischen Anwalt Nick (Peter Krause) und seine Arbeit für einen machthungrigen Familienclan dreht, mit dem seine eigene Geschichte auf vielfältige und auch mysteriöse Weise verknüpft ist. Der großartige Peter Krause fungierte schon in „Six Feet Under“ als eine Figur, die vielleicht nicht die spektakulärsten Geschichten erlebt, aber als Dreh- und Angelpunkt der Handlung auftritt. In „Dirty Sexy Money“ geht es eigentlich um die schwerreiche Familie Darling, doch auch hier ist er wieder derjenige, aus dessen Augen wir diese Welt betrachten und kennenlernen und der frischen Wind in die Gewohnheiten der Sippe bringt. „Dirty Sexy Money“ ist natürlich nicht „Six Feet Under“, es ist lange nicht so dramatisch und aufwühlend, es ist leichtfüßigere Unterhaltung, wenn auch keine Comedy. Die Serie ist schnell und modern, die Dialoge pointiert, der Look sophisticated und jedes Familienmitglied ist auf seine Weise spannend, ebenso wie es aufregend ist, die Bindungen untereinander und die Kommunikation miteinander zu beobachten. Leider nimmt die Qualität der Serie in der zweiten Staffel rasant ab, nachdem klar wurde, dass es keine 3. Season geben wird. Die Produzenten versuchten, die Handlung voranzutreiben und alle Ideen, die sie hatten, noch in die verbleibenden Folgen zu pressen. Das funktioniert natürlich gar nicht. Schade, dass nicht mehr Zeit und Raum geblieben ist, um die Serie konstant weiterzuentwickeln.

Nur eineinhalb Staffeln erlebte die Serie
„Irgendwie L.A“ (im Original: „It’s like, you know…“). Eine Comedy-Serie, die einen New Yorker porträtiert, der nach Los Angeles zieht ausgestattet mit allen erdenklichen Vorurteilen über die Stadt, die man haben kann. Nur um nach kurzer Zeit festzustellen, dass er drauf und dran ist, sich in Los Angeles zu verlieben. Wenn man als Zuseher L.A. nicht kennt, ist es witzig, manche „typischen“ Verhaltensweisen der Bewohner kennenzulernen, etwa, dass alle vorm Fernseher hängen, wenn die Polizei ein verdächtiges Fahrzeug verfolgt und das per Hubschrauber mitgefilmt und live übertragen wird. Außerdem gibt es einen netten Running-Gag in der Serie: Jennifer Grey (die Hauptdarstellerin von „Dirty Dancing“) spielt sich selbst, sieht sich aber nicht mehr ähnlich, da sie kurze Zeit vorher eine Nasen-OP durchführen ließ, was in der Serie permanent thematisiert wird – sogar ihr eigener Vater erkennt sie nicht mehr; ebenso Thema ist ihre prominente Vergangenheit als Teenie-Kultfilmstar. Die Serie markierte auch den Durchbruch für Evan Handler, der später in Serien wie „Sex and the City“ und „Californication“ zu sehen war bzw. ist.

Die dritte Serie, die ich gerne noch in die Verlängerung geschickt hätte, ist
„Flash Forward“, eine Produktion mit einer äußerst innovativen Grundiee: Die gesamte Weltbevölkerung fällt für 137 Sekunden in Ohnmacht und jeder Mensch sieht sich während dieser Zeit in der Zukunft, genau sechs Monate später. Nach diesem „Flash Forward“ bricht Chaos aus, Millionen von Menschen sind tot, weil sie während der Ohnmacht beispielsweise einen Unfall hatten, viele sind traumatisiert und verstört. Das FBI setzt eine Kommission unter der Leitung von Mark Benford (prominent besetzt mit Joseph Fiennes) ein, die die näheren Umstände dieses mysteriösen Phänomens klären soll – doch nun fangen die Probleme erst an. Keine Serie zum nebenbei Bügeln, da die Rück- und Vorblenden und die Gedanken der Protagonisten dazu einigermaßen komplex und schwer fassbar sind. Die Serie war nach der ersten Staffel noch keineswegs zu Ende erzählt, wurde aber dennoch abgesetzt.
Welchen Serien hättet Ihr gerne noch eine Chance gegeben?