Kobergs Klarsicht
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Kobergs Klarsicht: Diesseits des Tellerrandes

Die Mär vom seelenlosen Hollywood-Film hält am besten, wenn man nicht hinschaut.
Es ist jedes Jahr ein spannender Übergang, von den Oscar-Verleihungen zur Diagonale in Graz. Auch wenn die Oscars von vielen Seiten wie der international wichtigste Filmpreis behandelt werden, sind sie ja eigentlich doch auch nur ein Festabend des US-amerikanischen Films und stehen damit der Diagonale als Festival des österreichischen Films näher, als man meinen möchte. Die Dimensionen sind halt eben andere.

Neben einiger berechtigter Kritik an den Oscars und der auch in unseren Kinos offensichtlichen Dominanz US-amerikanischer Filme, ist da immer wieder auch eine ärgerliche Überheblichkeit gegenüber dem „Hollywood-Kino“, auf die man in Gesprächen rund um die Diagonale stoßt. Dort der reizüberflutende Einheitsbrei, hier die österreichische Filmkunst. Wenn der Erfolg ausbleibt, sind gerne die finanziellen Möglichkeiten schuld. Oder die Kinobetreiber. Oder das verständnislose Publikum, das vom Hollywood-Kino stumpf geworden ist.

Ich bin immer wieder begeistert, von österreichischen Filmen. Im letzten Jahr etwa von „Die beste aller Welten“. Ich mag die ruppige Erzählweise vieler österreichischer Produktionen, die oft unbarmherzige Darstellung sozialer Abgründe und ich mag den recht einzigartigen Humor. Aber in Österreich hängen so viele immer noch krampfhaft an der Unterscheidung zwischen Kunst und Unterhaltung; zwischen Niveau- und Popcornkino. Und natürlich haben viele, die vom plumpen Hollywood-Kino reden, oft schon lange keinen Film von dort mehr gesehen. Weil für seichte Unterhaltung ja die Zeit zu schade ist.
Dabei sind diese Filme, die sich nicht den Kopf über die Trennung von E- und U-Kultur zerbrechen, immer wieder innovativer und gewagter, als so vieles, was in Österreich und Europa als „Festivalfilm“ gehandelt und von den besseren Tageszeitungen zum Filmtipp erhoben wird. Stellvertretend für eine Liste an Beispielen sei hier der Kürze zuliebe „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ erwähnt.

Christoph Waltz hat in diesem Zusammenhang einmal den deutschen Schauspieler Wolfgang Liebeneiner zitiert, der gemeint haben soll: „In Amerika wird Film hergestellt wie Kunst und verkauft wie Ware, und in Deutschland ist das genau umgekehrt.“ In der Übergangszeit zwischen den Oscars und der Diagonale, geht mir dieses Zitat immer wieder durch den Kopf.
Der Autor
Koberg2016
DerKoberg


Forum

  • Kino darf auch Unterhaltung sein

    Natürlich ist das Kino eine Kunstform, aber zu einem nicht unwesentlichen Teil soll es doch auch Unterhaltung bieten. Auch ein Drama ohne Holzhammerhumor kann mir großen "Spaß" bereiten. Es wäre schrecklich, wenn im Kino nur mehr Festivalfilme von Lars von Trier mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle gezeigt würden. Kino soll anspruchsvoll, niveauvoll aber auch unterhaltsam sein dürfen. Am besten alles zur gleichen Zeit.
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    15.03.2018, 08:50 Uhr