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Heidi@Home: #metoo oder Der Fall Kevin Spacey

Zeit für die eine weibliche Präsidentin, auch in der US-Serienlandschaft
Wenn die Trumps dieser Welt schlimme Dinge tun, fällt es uns leicht, darüber hart zu urteilen, weil sie alles verkörpern, was wir ablehnen und was uns zutiefst zuwider ist. Wenn die eigenen Helden fallen, ist es manchmal ganz schön schwierig objektiv zu bleiben, damit umzugehen und darüber zu schreiben.

Mir ist es in den letzten Tagen so gegangen, nämlich als Kevin Spacey im Zuge von #metoo und quasi in Gesellschaft vieler anderen berühmter mächtiger Männer der sexuellen Belästigung überführt wurde. Spacey versuchte noch – in einem Move, den viele Francis Underwood-würdig hielten – von der Sache abzulenken, indem er sich als homosexuell outete. Wohl in der Hoffnung, dass diese Nachricht vom Outing die anderen, bitteren Schlagzeilen verdrängen würden. Tatsächlich hat ihm dieses Outing, um das er seit Jahren herumtänzelte - offiziell, weil er möglichst wenig Privates preisgeben möchte, damit man sich mehr auf seine Rollen-Persona konzentrieren könne – sehr viel Kritik eingebracht. Beispielsweise vom Comedian Billy Eichner, der twitterte:


Man warf Spacey im Zuge dessen auch vor, ein altes Vorurteil gegenüber Homosexuellen quasi noch mit diesem Outing zu unterfütten, nämlich das der Pädophilie. Zu diesem Zeitpunkt sah es aber noch so aus, als wäre das eine singuläre Anklage (schlimm genug!). Doch dann brach Bahn, was schon lange zurückgehalten wurde und Spacey sah sich nicht „nur“ mit einem Fall konfrontiert, sondern mit zahllosen und steht nun quasi vor den Scherben seiner Karriere und wohl auch vor einer existentiellen Lebenskrise. Die Serie „House of Cards“ wird nicht nur eingestellt, was ohnehin geplant war, es wird auch überlegt, die letzten Folgen ohne ihn zu drehen. Ein bereits fertiger Film („Gore“ für Netflix) wird möglicherweise nicht mehr erscheinen, Scotland Yard untersucht Fälle am Londonern Old-Vic-Theater, in dem Spacey eine Zeitlang sogar künstlerischer Leiter war.

Das alles schockiert mich wirklich, denn ich halte Kevin Spaceys Darstellung des Lester Burnham in „American Beauty“ für brillant, seinen Oscar damals für absolut verdient und wie viele andere war ich begeistert von „House of Cards“ und Spaceys Rollenperson Francis Underwood. Ich schrieb über Spacey/Underwood in meiner damaligen Kolumne über die Serie:

Spacey hatte knapp vor Drehstart sehr lange Shakespeares mörderischen Richard den Dritten gespielt, sein Underwood ist vor allem eines: enorm faszinierend. Nur deshalb, weil er höflich ist und zuvorkommend, kultiviert, belesen und charismatisch, schafft er es, seine Umgebung für sich einzunehmen. Und in weiterer Folge: für sich arbeiten zu lassen. Fast wie ein Marionettenspieler gelingt es ihm, die Handlungen seiner Mitmenschen zu koordinieren und zu dominieren. Was ihn antreibt, ist übrigens Macht. Er verachtet Menschen, die ihre Jobs des Geldes wegen machen. Geld ist für ihn zweitrangig, denn das schönste Haus wird nach einigen Jahren baufällig. Macht dagegen überdauert die Jahrhunderte. Das Streben nach Macht ist seine große Triebfeder.

Das klingt, aus der jetzigen Perspektive aus betrachtet, als hätte Spacey möglicherweise mehr von seiner eigenen Persönlichkeit in die Rolle gelegt als wir uns das hätten vorstellen wollen und können. Nichtsdestotrotz, wie schon Ingeborg Bachmann sagte: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, und so gilt das selbstverständlich auch für Kevin Spacey. Wenn sich auch gleichzeitig die Frage stellt, wie es mit anderen Hollywood-Größen weitergeht, die sich schon lange ähnlicher Vorwürfe ausgesetzt sehen, wo es aber noch keine größeren Konsequenzen gab, womöglich, weil sie noch mehr Macht und Einfluss haben als Spacey.

Wie es mit „House of Cards“ weitergehen soll, für die letzten Folgen, dafür hat Schauspielerin Jessica Chastain eine sehr gute Idee:


Und ja, das sind wir, wir sind bereit für eine weibliche Handschrift in Hollywood, für eine weibliche Stimme, für die Sicht der Dinge von Frauen und für ihre Geschichten. Freilich nicht nur, weil gewisse Männer uns enttäuscht haben, sondern weil es gesellschaftspolitisch so wichtig ist, neue Perspektiven kennenzulernen, und es endlich Zeit dafür ist, Frauen und Männer tatsächlich gleichermaßen wahrzunehmen und Raum zu geben, und echte Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Auch in Hollywood.
Die Autorin
heidi
Heidi@Home

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