Stars
>Directors Uncut: Denis Villeneuve

Directors Uncut: Denis Villeneuve

Die erste Ausgabe unserer neuen Reihe widmet sich dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve, dessen Film „Arrival“ momentan in den Kinos zu sehen ist.
Vor wenigen Wochen startete mit dem Science-Fiction-Streifen „Arrival“ der neue Film von Denis Villeneuve in den österreichischen Kinos. Ein passender Zeitpunkt, um den kanadischen Filmemacher genauer unter die Lupe zu nehmen. Am 3. Oktober 1967 wurde Denis Villeneuve in Gentilly, einem kleinem Ort in Kanadas französischsprachiger Provinz Québec, geboren. Ursprünglich strebte er einen Beruf im naturwissenschaftlichen Bereich an, entschied sich jedoch schlussendlich sich seiner anderen großen Leidenschaft zu widmen: dem Filmemachen. Er begann an der „Université du Québec à Montréal“ Film zu studieren. Während dieser Zeit war er bereits an der Produktion einiger Kurzfilmprojekte beteiligt und konnte zwischen 1990 und 1991 in Folge den Jugenfilmwettbewerb „La Course Europe-Asie“ gewinnen. Zudem assistierte er dem populären kanadischen Dokumentarfilmemacher Pierre Perault bei den Dreharbeiten dessen letzten Werks „Icewarriors“ am Nordpol. Im Jahre 1998 gelang es ihm sein Spielfilmdebüt als Regisseur mit dem Titel „Der 32. August auf Erden“ zu realisieren und gelangte damit in die Reihe „Un Certain Regard“ der Filmfestspiele von Cannes. Das Drama erzählt die Geschichte einer Frau, die nach einem schweren Verkehrsunfall ihr Leben verändern will und plant sich von ihrem besten Freund schwängern zu lassen. Seinem Debüt folgte er nur zwei Jahre später mit dem Drama „Maelström“, welches von einer Frau handelt, die nachdem sie einen alten Mann angefahren hatte und dieser in Folge dessen ums Leben kam, in einen Strudel von Schuldgefühlen versinkt. Kritiker weltweit lobten den Film, was darin resultierte, dass „Maelström“ als Kanadas Kandidat für die Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ der Oscarverleihung 2001 ausgewählt wurde. Der Film schaffte es jedoch dann nicht unter die fünf Nominierten.

Denis Villeneuve

Nach einer beinahe zehn Jahre langen Pause als Filmemacher, kehrte er im Jahre 2009 mit „Polytechnique“ zurück. Basierend auf wahren Ereignissen, handelt der Film vom sogenannten Montreal-Massaker, bei welchem ein Mann mit der Begründung Feminismus bekämpfen zu wollen, 14 Frauen und im Anschluss sich selbst das Leben nahm. Erzählt wird das Ganze aus der Sicht zweier Studenten, die das Blutbad mit eigenen Augen miterlebten. Zwar wirkt das um die Gräueltaten nicht zu beschönigen komplett in schwarzweiß gehaltene Drama ab und an unfokussiert erzählt, weiß aber vor allem aufgrund der Szenen innerhalb des Schulgebäudes zu überzeugen.

Mit dem 2010-erschienenen Mystery-Drama „Die Frau die singt - Incendies“ widmete sich Villeneuve der Geschichte der Zwillingsgeschwister Jeanne und Simon, die durch einen Notar den letzten Wunsch ihrer kürzlich verstorbenen Mutter mitgeteilt bekommen: Beide sollen jeweils ihren gemeinsamen Vater, den sie zuvor noch nie kennengelernt hatten, und einem bisher unbekannten weiteren Sohn ihrer Mutter, einen Brief überreichen. Erst wenn die Briefe übergeben wurden, darf ein Grabstein für deren Mutter gesetzt werden. Obwohl Villeneuve mit diesem Werk seinen bis damals größten Erfolg verbuchen konnte und bei den Oscars 2011 als „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert wurde, ist er hierzulande noch recht unbekannt geblieben. Ein trauriger Umstand, denn hierbei handelt es sich um eine wahre Perle über die Entstehung und Toleranz von Gewalt. Unbedingt ansehen!

Aufgrund des internationalen Erfolgs, den er mit „Incendies“ erzielen konnte, wurde Villeneuve die Gelegenheit gegeben, sein erstes Filmprojekt in Hollywood zu verwirklichen: Der Thriller „Prisoners“ mit Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal in den Hauptrollen kam 2013 weltweit in die Kinos und erzählt die Geschichte von Keller (Hugh Jackman), einen konservativen Familienvater, dessen Leben sich drastisch ändert, als seine kleine Tochter und deren beste Freundin entführt werden. Um Vergeltung zu bekommen, entscheidet er sich einen vermeintlichen Verdächtigen zu entführen, und solange festzuhalten, bis jener ihm verrät, wo die Mädchen sind. Ein atemberaubend in Szene gesetzter, wunderbar gespielter, wendungsreich geschriebener und bis zum bitteren Ende mitreißender Thriller, der seinesgleichen sucht!

Nur ein Jahr später folgte mit „Enemy“ (der hierzulande nur auf DVD/Blu-ray erschien) bereits die zweite Kollaboration zwischen Villeneuve und Schauspieler Jake Gyllenhaal. Gyllenhaal verkörpert hier den Geschichtslehrer Adam, der ein monotones und langweiliges Leben führt, bis er eines Tages in einen Film einen Schauspieler entdeckt, der exakt gleich aussieht, wie er. Sogleich fasst er den Entschluss diesen aufzuspüren und kennenzulernen, jedoch ist die ganze Situation weit skurriler, als ursprünglich gedacht. Mit surrealen Bildern entführt uns Villeneuve in das Unterbewusstsein eines Mannes, der sich von vielerlei Faktoren in seinem Leben unterdrückt fühlt und den Konventionen der Gesellschaft entfliehen möchte. Ein unterbewertetes Schmankerl für Geist und Augen!

Im letzten Jahr konnte Villeneuve mit dem Drogenthriller „Sicario“ seine bereits dritte US-Produktion in die weltweiten Kinos bringen. Das Kriminaldrama erzählt die Geschichte der FBI-Agentin Kate (Emily Blunt), die zudem Teil eines SWAT-Teams in Arizona ist und für eine Task Force an die mexikanische Grenze geschickt wird, um mit einem Team dem lokalen Drogenhandel Einhalt zu gebieten. Schnell wird sie aber mit einem korruptem Umkreis konfrontiert und stellt sich bald die Frage, wem sie denn überhaupt noch trauen kann. Ein ästhetisch brillanter Drogenthriller, der eine Härte an den Tag legt, wie man sie nur selten im Kino sehen kann!

Denis Villeneuve

Egal ob nun „Incendies“, „Prisoners“ oder „Sicario“, ein jeder seiner zuvor gemachten Film von handelt von einer oder mehreren Personen, die durch einen Zwischenfall in ein düsteres Milieu verfrachtet wird und sich dazu gezwungen fühlt, die Grenzen der eigenen psychischen Belastbarkeit herauszufordern. In seinem neuesten Werk „Arrival“ wird uns nun eine Geschichte vom ersten Kontakt zwischen Menschen und einer außerirdischen Lebensform erzählt. Villeneuves Herangehensweise bleibt dabei überraschend optimistisch und trägt unter anderem dazu bei, dass es sich hierbei um sein bis dato vielschichtigstes und intelligentes Werk handelt. Aufgrund des atemberaubenden Setdesigns und der ästhetischen Brillanz hat Villeneuve hiermit ein für alle Mal unter Beweis gestellt, weshalb ausgerechnet er als Regisseur für den 2017 erscheinenden „Blade Runner 2049“, der offiziellen Fortsetzung des Science-Fiction-Klassikers aus dem Jahre 1982, auserkoren wurde und somit in die Fußstapfen von Ridley Scott treten wird.

Denis Villeneuve

Abschließend lässt sich sagen, dass es sich bei Denis Villeneuve auf alle Fälle um einen Filmemacher handelt, den man weiterhin im Auge behalten sollte! Weiter so!
Mehr dazu auf Uncut:
Denis Villeneuve
Der Autor
chros
chrosTV

Forum

  • Super!

    Hut ab, Christian! Das Autorenportrait von Denis Villeneuve ist dir mehr als gelungen. Es war aufklärend und informativ. Da hat man richtig Lust, in die Welt dieses beachtlichen Mannes zu tauchen und sich etwas seiner Werke anzusehen. "Arrival" hat mich eh schon länger gereizt.

    Insgesamt empfinde ich die Idee eines "Directors Uncut" genial. Schließlich zählen nicht immer nur die Schauspieler. Oft bin ich auch erstaunt, welcher Regisseur welche Filme gedreht hat, denn es ist alles auf den ersten Blick nicht ganz offensichtlich.
    IMG_0315
    19.12.2016, 21:20 Uhr
    • Dankeschön!

      Vielen Dank für die netten Worte!
      Freut mich sehr zu lesen, dass das Format scheinbar Anklang gefunden hat!
      Es lohnt sich auf jeden Fall sich mit Villeneuve auseinandezusetzen. Was "Arrival" betrifft würd ich je mehr ich drüber nachdenke sogar soweit gehen zu sagen, dass es sein bis dato gelungenstes Werk ist, was innerhalb seines fantastischen Oeuvres wirklich etwas bedeutet!
      Voraussichtlich wird spätestens Ende diesen Monats bereits die nächste Ausgabe "Directors Uncut" veröffentlicht, diesmal aber über einen weit kontroverseren Filmemacher, also stay tuned! ;-)
      chros
      07.01.2017, 16:04 Uhr