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Müll Mates
Müll Mates - Mutanten

Müll Mates - Mutanten

Wenn in zwei aktuellen Kinofilmen Tiere durch undefinierbare toxische Substanzen mutieren und außergewöhnliche Kräfte entwickeln, klingt das nach einem spannenden Thema für die (Atom-)Müll Mates.
Grias di J, 


zusätzliche Beine, deformierte Augen, geschrumpfte Flügel. Vor nicht all zu langer Zeit haben Wissenschaftler erste Mutationen an Schmetterlingen in der Gegend von Fukushima entdeckt. Aber auch die Nachwirkungen von Tschernobyl oder Hiroshima führen auch Jahre danach zu zahlreichen Veränderungen des Erbguts bei Mensch und Tier. Klingt nach einer perfekten Realvorlage für die Drehbuchautoren des Weltkinos. Und ist es auch! Da kommt es schon mal vor, dass auf radioaktive Strahlung, Atommüll oder andere potentielle mutagene Substanzen zurückgegriffen wird, um sich Protagonisten oder Gegenspieler mit speziellen Fähigkeiten, sprich Mutanten, zu erschaffen. Zwei besonders trashige Vertreter dieser Gattung sind gerade in den österreichischen Kinos zu sehen. „Zombiber“ und Michael Bay's „Teenage Mutant Ninja Turtles“. Besonders erwähnenswert: beide haben bereits ein vielfaches von dem eingespielt, was man eigentlich erwarten könnte - zumindest wenn man nur von der Qualität der Filme ausgeht. Was hältst du eigentlich von diesen und anderen Mutanten?


Ich bin ein Möter, halb Mensch halb Köter,

P
Lieber P,

gerade unser Kinobesuch von „Zombiber“ hat es mir angetan. Wie schon seit einigen Jahren nicht mehr, habe ich damit einen Film in deutscher Synchronisation auf der großen Leinwand zu sehen bekommen (in ganz Österreich läuft dieser Horror-Trashfilm leider nicht in seiner originalen Version). Eine Synchronisation passt allerdings ohnehin gut zum Thema: es ist auch eine Art Mutation des eigentlichen Films, eine Abweichung vom ursprünglichen Material, welches mit anderen Augen bzw. Ohren aufgenommen werden kann. In „Zombiber“ geht es um durch toxischen Müll verseuchte Biber, welche mutieren und anschließend nach (Menschen-)Fleisch lechzen. Die Geschichte, wie Horrorfilme seit 1974 mit „Texas Chainsaw Massacre“ sooft, beginnt mit einer Gruppe Jugendlicher, die in ein abgelegtes Ferienhaus fahren. Bei einer Clique, deren Lebensinhalt (monogamer) Sex zu sein scheint, wird wenig überraschend das Wort „beaver“ (das auf englisch Biber heißen, jedoch auch ein Synonym für Vagina sein kann) zu einem Wortspiel. Die Synchronisation beinhaltet also nur den halben Witz, aber gerade dies, lässt ihn für Eingeweihte nur noch trashiger werden. Ein Trashfilm vergrößert durch seine Mutation (Synchronisation) seinen Trashfaktor!

Mutation: It is the key to our evolution,
J
Ey Biloute,


außerdem interessant bei der Sexualthematik in Bezug auf das Horrorkino der 70er finde ich die Tatsache, dass das sexuell enthaltsame und schüchterne Mädchen von den Bibern zuerst getötet wird und die Freizügige bis zum Schluss überlebt – das wäre in Zeiten von „Halloween“ & Co noch genau andersrum abgelaufen. Durchaus erfrischend ist auch die Tatsache, dass man bei den Bibern ganz klassisch auf Puppen zurückgriff und auf CGI großteils verzichtete. Dennoch: „Zombiber“ fand ich aufgrund der doch sehr trashig schlechten Story schon ziemlich langweilig. Denn gerade von einem Film, der versucht mit Genrekonventionen zu spielen und sehr gerne zu einem Kult-Trashfilm werden möchte, könnte man schon etwas mehr Innovation erwarten (mit Ausnahmen von Highlights wie etwa einem „Zombibär“). Aber vielleicht kommt die ja dann bei Teil 2, wenn die Macher ein etwas größeres Budget zu Verfügung haben. Ein ganz prominenter Vertreter des ebenso unlustigen wie unfreiwilligen Trashfilms stellt zweifelsohne „Teenage Mutant Ninja Turtles“ dar, bei dem einfach gar nichts passt. Das einzige was den Film nicht ganz so schrecklich wie „Transformers“ erscheinen lässt, ist die angenehme Laufzeit von „nur“ rund 100 Minuten. Michael Bay scheint sich in den letzten Jahren immer mehr zum Spezialisten für extrem schlechte Filme zu entwickeln, deren Trashfaktor aber einfach keinen Spaß macht. Aber die Einspielergebnisse geben seinen Unfilmen recht. Wie schlecht fandest du eigentlich den Turtles-Film?



I think it's half man, half bear, half pig,

P
Lieber P,

Bei „Teenage Mutant Ninja Turtles“ ist es interessant, dass – nicht nur in der persönlichen Betrachtung sondern ebenso in der Publicity rund um den Film – der Produzent, nämlich Michael Bay, vielmehr als Regisseur, Darsteller oder gar Comicbuchvorlage in der Mittelpunkt gerückt wurde. Dass allerdings Bay nicht Regie geführt hat, kann man tatsächlich nur an der von dir bereits erwähnten Laufzeit erkannt werden. Der visuelle Stil, die Dialoge, ja sogar die Hauptdarstellerin Megan Fox unterscheiden sich kaum von „Transformers 1,2,3“ oder „Transformers: Marky Mark“. Auch die wenig Sinn ergebenden Locationsprünge (mit dem Auto vom sonnigen Manhattan zu einem eingeschneiten Versteck auf einem Berg und wieder zurück in nur wenigen Minuten) sind Marke Bay. Dass der Film von den allseits beliebten mutierten Schildkröten handelt, merkt man nur in wenigen, tatsächlich lustigen Szenen, wie z.B. in jener, als die Turtles im Lift auf dem Weg zum finalen Kampf plötzlich zu beatboxen und mit ihren Waffen zu musizieren beginnen. Aber es gibt ja auch richtig bemerkenswerte Trashfilme rund um durch Atommüll mutierte Superhelden, wie die Reihe „Toxic Avenger“ (Atomic Hero), aber dazu ein anderes Mal.

Wusa,
J
Der Autor
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Müll Mates


Forum

  • Cool

    Tolle Kolumne. Jetzt weiß ich gar nicht ob ich mir zuerst „Zombiber“ oder „TMNT“ anschauen soll. Aber ich glaube ich werd den Nagetieren dann doch zuerst eine Chance geben.
    blutrausch_3ae267239b.jpg
    19.11.2014, 23:01 Uhr
  • Geniale Müll-Mates

    Ihr habt vollkommen Recht: Offensichtliche Trash-Filme halten ihre Versprechen selten. Die Michael Bay-Filme sollten Warnung genug sein ...
    Geniale Trash-Perlen sind frühere Filme von Peter Jackson wie BAD TASTE und BRAINDEAD :-)
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    13.11.2014, 14:50 Uhr