Müll Mates, Slash Filmfestival
Müll Mates - slasheinhalb

Müll Mates - slasheinhalb

Die Müll Mates diesmal mit einem Bericht vom /slash einhalb! Was das Filmfestival an trashigen Meisterwerken hergegeben hat und warum Rutger Hauer der beste Schauspieler aller Zeiten ist, sind nur zwei Fragen, die geklärt wurden.
Lieber P,

wie auf UNCUT bereits berichtet, fand vom letzten Donnerstag bis Samstag der kleine Ableger des Festivals des fantastischen Films /slash – nämlich /slash einhalb – im Wiener Filmcasino statt. So wie du habe ich mir auch einige Werke – vom Eröffnungsfilm „You and the Night“ bis zum Abschlussfilm „Dead Snow: Red vs. Dead“ – zu Gemüte geführt.

Mein absolutes Highlight stellt der zweite Teil des Überraschungshits von 2011 „The Raid“ dar. Nachdem der erste Teil vor allem durch seine Action überzeugte (klassischen Plot gab es ja kaum), hat „The Raid 2“ nun auch eine ausgeklügelte Crime-Thriller-Handlung voller Intrigen und Wendungen. Trotz allem stehen natürlich die schnellen und innovativen Kampfsequenzen durch ihre Kreativität – vor allem in jener Hinsicht, wie die einzelnen Menschen blutrünstig ausgeschaltet werden – im Vordergrund. Auch mit dem aus „Oldboy“ bekannten Hammer gibt es einige witzig-spritzige Momente.
Was für ein Film hat dir besonders zugesagt?

You've just been erased,
J

Aloha J,

Ja „The Raid 2“ lies auch mich nicht kalt. Die 150 Minuten an blutigen, hochwertig produzierten und visuell grandios umgesetzten Action- bzw. Splatterspektakel vergingen wie im Flug. Lustig ist die Geschichte, dass der Regisseur mit Teil zwei nun jenes Projekt realisierte, das er eigentlich schon bei Teil eins machen wollte. Doch fehlte ihm damals noch das Budget. Nach dem Erfolg des ersten Teils bekam er letztendlich genug Geld und konnte sich nun austoben – und wie!. Das ist auch gleich eine Parallele zu meinem absoluten Festivalhighlight. Denn auch der Regisseur von „Dead Snow: Red vs. Dead“ bekam nun nach dem Erfolg des ersten (nur sehr mittelmäßigen) Teils ein viel größeres Produktionsbudget. Und das sieht man dem Film – bei dem es natürlich wieder um Nazizombies aus dem Eis geht – auch an allen Ecken und Enden an. Die Genialität des Films liegt allerdings vor allem im herrlich absurden Drehbuch (wie kann man sich solche Szenen ausdenken?) sowie in der witzigen Regie. Andauernd wird dabei mit genreinhärenten Erwartungen gebrochen und zusammen mit einigen genreerweiternden, kreativen Einfällen ergibt sich ein unglaublich schwarzer Humor. Aber zurück zum Budget: An den relativ teuer produzierten Szenen (was ein Merkmal vieler der am Festival gezeigten Filme war), erkennt man, dass es mittlerweile für Trashkino (bzw. für absichtlich produzierten Trash) einen relativ großen Markt gibt. Das soll nicht heißen, dass Trash bald Mainstream wird (wobei…), aber eine zunehmende Popularität ist dennoch zu erkennen. Dies scheint die Brieftaschen der Filmproduzenten zu lockern und es zu ermöglichen, dass auch im „schlechten“ Kino verankerte kreative Köpfe ihre Visionen verwirklichen können.

Romanes eunt domus,
P

Lieber P,

absolut richtig, obwohl ich jetzt nicht alle Filme des /slash einhalb, wie eben z.B. „The Raid 2“, zu meinen/unseren ohnehin schon sehr weit gefassten Begriffs des Trashfilms hinzuzählen würde.

Dead Snow: Red vs. Dead“ aber durchaus – für Leute mit Sinn für nicht nur schwarzen, sondern pechschwarzen Humor sehr empfehlenswert. Eine Stärke dieses Films ist bestimmt seine durchwegs leichtfüßige Art, dass einem auch bei äußerst makaberen Szenen – wie etwa als eine hilflose Oma aus einem Rollstuhl fliegt und anschließend von Zombies zermatscht wird – nicht das Lachen im Halse stecken bleibt.

Bei Dario Argentos neuestem Werk „Dracula 3D“ (der italienische Horrormeister war persönlich anwesend) fehlt es allerdings etwas an eben jener Leichtfüßigkeit. Zwar führen die Filmgrößen Thomas Kretschmann als Dracula und Rutger Hauer als Van Helsing durch den stilistisch zwischen den Hammer Films-Klassikern und Francis Ford Coppolas Dracula-Verfilmung situierten Film, der einen allerdings trotzdem nicht durchgehend bei der Stange halten kann, also durchaus seine Längen hat. Die beste Szene ist wohl, als Dracula als riesige Gottesanbeterin (ja, er kann sich in alle möglichen Tiere verwandeln) seinem nächsten Opfer auf den Fersen ist. Weiters durchaus erwähnenswert ist eine von Argento im Gespräch vor dem Film wiedergegebene Geschichte zu den Dreharbeiten: während des Drehs in einem Wald ging Rutger Hauer plötzlich verloren. Nach langer Suche der Crew erreichte sie schließlich ein Anruf von Hauer. Seine Erklärung: Er verirrte sich im Wald und nach stundenlangen Gehens traf er eine russische Prostituierte, woraufhin er sich entschied, mit ihr den Tag zu verbringen.

Renfield, you asshole,
J


Hakuna Matata!

Dracula 3D“ ist dabei wohl eines der trashigsten und dilettantischsten Werke Argentos, das jedoch durch das eigentlich recht hochwertige und teure 3D eine in der Trashfilmgeschichte relativ absurde Stellung einnimmt. Gefallen hat mir aber auch ein Film, der zwar ein vergleichbar recht kleines Budget besaß, diesen Nachteil jedoch durch den gezielten Einsatz von Trash wieder wett machte. Nämlich der von dir bereits eingangs erwähnte französische Eröffnungsfilm „You and the Night“, in dem sich „die Schlampe“, „der Teenager“, „der Star“ und Eric Cantona als „der Hengst“ im Haus von drei Unsterblichen treffen, um eine Orgie zu feiern. Ein sehr poetischer, lyrischer Film mit vielen fast schon philosophischen Dialogen. Ergänzt wird das Ganze jedoch wie gesagt durch trashige Elementen, wie etwa dem Riesenpenis von Cantona oder auch surrealistisch anmutenden und (beabsichtigt) unglaublich billig aussehenden Kulissen. Der Regisseur zeigt damit bei seinem Spielfilmdebüt, dass man Elemente, die eigentlich als „schlecht“ oder trashkinotypisch gelten durchaus auch in einen künstlerisch hochwertigen Film verpacken kann. Zum Schluss möchte ich auch noch kurz den kurzweiligen spanischen „Witching & Bitching“ von Àlex de la Iglesia erwähnen, der ebenfalls vor allem aufgrund seiner erfrischenden Absurdität begeisterte und freue mich auch schon auf das „richtige“ /slash im September!

Oh my god, they killed Kenny!
P
Der Autor
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Müll Mates


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    Wenn ich die Zeit hätte, würde ich mir alle besprochenen Filme anschauen :-)
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    08.05.2014, 12:03 Uhr