Müll Mates
Müll Mates: Schwarzenegger in den 70er-Jahren

Müll Mates: Schwarzenegger in den 70er-Jahren

Der zweite Teil der Schwarzenegger-Kolumne: die 70er. Wie sich der spätere Governator in stereotypen Rollen und mit marginalen schauspielerischen Kenntnissen versucht, zu einer Marke zu etablieren, ist für die Müll Mates einen genaueren Blick Wert!
Bonsoir J,

Nach seinem mehr oder weniger großen Erfolg mit „Herkules in New York“ dauerte es ganze 4 Jahre bis Arnold Schwarzenegger wieder auf die Kinoleinwand zurückkehrte. Diesmal als Komparse im durchaus sehenswerten „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ von New Hollywood-Regisseur Robert Altman. Und obwohl Schwarzenegger nur für wenige Minuten im Bildhintergrund zu sehen ist, spiegelt der Film perfekt den Trashfaktor von Schwarzeneggers Karriere in den 70ern wieder. Denn bis zum Auftauchen des zu dieser Zeit bereits x-maligen Mr. Universum sowie Mr. Olympia (#funfact: Schwarzenegger erwirtschaftete in den 70ern durch Immobilienhandel neben seinem BWL-Studium ein Millionenvermögen) ist der Film durchaus düster, spannend und optisch beeindruckend inszeniert. Doch als Arnie im schauspielerischen Nirvana mit hilflos wirkender Mimik Emotionen auszudrücken (oder auch zu unterdrücken) versucht, bekommt der Film eine absurd trashige Note und Freunde des schlechten Geschmacks sehen sich zwangsläufig mit spontanen Lachanfällen konfrontiert. Was sind so deine Favoriten aus den 70ern?

If it bleeds, we can kill it,
P

Hallo P,

Um noch kurz bei Arnolds schauspielerischer Randnotiz, dem Neo-Noir „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, zu bleiben: In dem von dir angesprochenen Auftritt hat Schwarzenegger zwar keine Sprechrolle, doch bestimmt, trotz seiner Hilflosigkeit, die gesamte Szene. Da kommt es nämlich dazu, dass die Hauptperson (der klassische Film-Noir-Privatdetektiv Philip Marlowe) und ein Haufen an Gangstern ihre Oberkörper entblößen. Schließlich fällt einen nur noch der muskelbepackte Arnie ins Auge, der ständig am Versuch scheitert, nicht genau in die Kamera zu schauen.
In den 70ern ist interessant zu sehen, dass die steirische Eiche wie im schon erwähnten Film zunächst versucht, im eher dramatischeren Fach Fuß zu fassen. Dabei sollte man keinesfalls den Film „Mister Universum“, für welchen er den Golden Globe für „Best Acting Debut“ (seinen einzigen) bekommen hat, vergessen. Neben Jeff Bridges, der als Geschäftsmann den reichen Dandy gibt, stellt Arnold als Bodybuilder die Working-Class dar. Hiermit zeigt sich schon das nächste, bereits erwähnte Merkmal der anfänglichen Schwarzenegger-Karriere: lange Zeit kommt er dem Stereocasting des Bodybuilders nicht aus. Der Film ist auf keinen Fall darauf angelegt, doch ergibt sich, wie ich finde, sein Trashfaktor dadurch, dass kein einziger Plot Point Sinn ergibt. Am Ende wird dies noch auf die Spitze getrieben, als der alte Bodybuilding-Trainer aus heiterem Himmel drogeninduziert eine Orgie feiert und danach alles kurz und klein schlägt.

This is a seven-shot six-shooter, and I had it especially made,
J

Grüße J,

Haha ja, die finale Sequenz von „Mister Universum“ gehört sicherlich zu den irrsten Kampfszenen der Filmgeschichte. Vor allem dann auch noch, wenn plötzlich etwa fünfzig mehr Öl als Kleidung tragende Bodybuilder durch die Straßen laufen und auf einem Bus posieren! Hier sieht man auch bereits einige Konkurrenten (bzw. Freunde) Arnolds, um die es dann 1977 in dem sogar in Cannes gezeigten, nicht zu unterschätzenden, Dokumentarfilm „Pumping Iron“ geht. Das war es dann aber auch schon wieder mit den „ernsten“ Filmen der 70er. Denn zu meinen Arnie-Highlights dieser Zeit gehört unter anderem eine kleine Nebenrolle in der Brachialkomödie „Scavenger Hunt“. Ein Film, der wirkt, als ob sich Will Ferrell und die Marx Brothers mit Hilfe einer Zeitmaschine zufällig in den 70ern getroffen hätten, um auf einem LSD-Trip dieses (un)lustige Meisterwerk mit Kopfschüttelgarantie umzusetzen. Die Besonderheit in Bezug auf Schwarzenegger: Der Film ist zum Zeitpunkt seines Auftritts als Fitnessstudiobesitzer bereits so makaber und absurd, dass nicht einmal mehr er es vermag, dieses Kuriositätenkabinett noch schlechter zu machen. Und wieder einmal wird Schwarzenegger in einem Film besetzt, dessen Figuren allesamt Karikaturen sind und in dem nach Attraktion lechzende Szenen willkürlich zusammengestückelt werden. Auf die Spitze treibt diesen Stil jedoch das noch größere Meisterwerk „Kaktus Jack“.

Eine weitere weitgehend unbekannte Rolle spielte Schwarzenegger in einer Folge der Theaterstadel-ähnlichen und kein wenig lustigen Sitcom „Happy Anniversary and Goodbye“. Wieder einmal komplett überfordert, mimt er hier den italienischen Masseur Rico und vermischt dabei Italienisch, Englisch und Deutsch zu einem babylonischen Sprachcocktail. Und wie wir bereits in unserem Artikel über „Herkules in New York“ festgestellt haben, zeigt sich ebenfalls wieder, dass Schwarzenegger in den 70ern beinahe ausnahmslos auch in seinen Filmrollen – ganz autobiographisch - einen Migranten aus Europa spielt. Sein unnachahmliches Englisch wird dabei sogar immer wieder direkt in der Handlung thematisiert - ein bewusst gesetztes Stilmittel, um den Akzent zu erklären und dem Muskelprotz dadurch zumindest etwas von seinem Trashfaktor zu nehmen.

You should not drink and bake,
P

Lieber P,

Als Nachsatz zu den dramatischen Rollen sei auf jeden Fall noch die Folge „Dead Lift“ aus der zu Ende gehenden Fernsehserie „The Streets of San Fransicso“ erwähnt. Die Serie, mit welcher Michael Douglas Berühmtheit erlangte (aber leider in der letzten Staffel nicht mehr mitspielte), ist wahrscheinlich Schwarzenegger größte darstellerische Übung der 70er Jahre. Ihm wird beinahe die gesamte knappe Stunde überlassen, um als verunsicherter (wie sollte es nur anders sein:) Bodybuilder zuerst eine Frau in einem komplett überzeichneten schauspielerischen Ausbruch auf eine Couch zu schmeißen (und damit interessanterweise zu töten), sowie danach seinen Gewissensbissen einen mimischen Ausdruck zu geben. Kein Wunder, dass die Serie mit jener Staffel ihr Ende fand, zumindest in dieser Episode sind die Hauptcharaktere gespielt von Karl Malden und Richard Hatch nämlich nichts als halblustige Side-Kicks, die schließlich spannungslos den Mörder überführen.

In dem von dir zum Meisterwerk erkorenen „Kaktus Jack“ übernimmt abermals eine Schauspielgröße, nämlich Kirk Douglas, die Hauptrolle, die eine verkappte menschliche Realversion des Kojoten aus den „Road Runner“-Comics ist. Insgesamt ist der Film eine mehr schlecht als recht gelungene Parodie auf Western-Filme, die am meisten mit ihrem absurden Soundtrack (jeder der drei im Film im Zentrum stehenden Charaktere hat ein eigenes Titellied) glänzt. Arnold löst sich hier von seinem Bodybuilding-Image, u.a. sieht er während des gesamten Films erstmals davon ab, seinen entblößten Oberkörper zu zeigen. Ihm steht allerdings die Rolle des immer gut meinenden Loser-Cowboys nicht sonderlich.

In den auslaufenden 70ern hat Arnold also – bevor er im darauf folgenden Jahrzehnt zum Actionfilm gefunden hat – versucht in Komödien zu brillieren, was als Vorgriff auf Filme wie „Zwillinge“ oder „Kindergarten Cop“ gesehen werden kann. Seine dramatischen Rollen dieses Jahrzehnt könnten ebenso zukunftsweisend bewertet werden: so ernst wie in eben in den USA gestarteten „Sabotage“ ist er seit den Anfängen seiner Filmkarriere nicht mehr inszeniert worden!

Du bist das Böse! Du bist der Teufel!,
J
Der Autor
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Müll Mates


Forum

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    Hoffentlich beleuchtet Ihr auch Arnies 80-, 90- und 00-er Jahre. Einfach nur köstlich :-)
    Es gibt wahrhaftig talentiertere Schauspieler als Schwarzenegger - aber es gibt nur einen aus Graz :D
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    02.04.2014, 19:17 Uhr
  • Meisterwerk...

    ...das Wort kommt bei euch oft im Bezug auf Arnold-Filme vor. "Meisterwerk" gilt aber auch für eure Kolumne! Hut ab!
    themovieslave_d00814b111.jpg
    02.04.2014, 18:54 Uhr
  • Kaktus

    Ich kenne ja viele Schwarzenegger-Filme, aber ich muss zugeben, dass einige dieser Frühwerke an mir vorbeigegangen sind. Toller Bericht.
    edwood_57d5f12321.jpg
    02.04.2014, 17:44 Uhr