Filmkritik zu Mammuth

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  • Bewertung

    Überfärbter, sinnloser und krampfpoetischer Film

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2010
    Er ist offenbar in die Jahre gekommen: Gérard Depardieu hat seit seinem letzten Film einige Kilos zugenommen und sich lange Haare wachsen lassen. Vielleicht ist es einer Alterserscheinung, vielleicht hat er aber seine Rolle in diesem Film ein wenig zu ernst genommen. Er spielt hier nämlich einen Schlachthofs-Hilfsarbeiter, für den es Zeit wird, in den Ruhestand zu treten. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, schließlich hat Serge zwar in seinem Leben viel gearbeitet, aber die meiste Zeit davon hatten ihn seine Arbeitgeber nicht bei der Steuer angemeldet. Der Einfaltspinsel hatte sich nie gefragt, warum er nie einen Gehaltszettel erhalten hatte. Viele Jahre, nachdem er einen Motorradunfall hatte und sich auf keine Maschine mehr setzen wollte, setzt er sich also noch einmal auf seine 75er-Mammuth, um die Orte, an denen er früher gearbeitet hatte, wieder aufzusuchen.

    Die Regisseure Gustave de Kervern, Benoît Delépine haben ihren Film als sehr poetischen Film angelegt. Der Film ergeht sich in knallbunten, überbelichteten und überfärbten Landschaftsaufnahmen mit hoher Körnung, in der der Held der Geschichte noch unvorteilhafter aussieht. Die Begegnung mit seiner Nichte, die in einem bizarren Kunststudio voller zerschnittener und neu zusammengesetzter Puppen sitzt, führt ihn schließlich in ihre geistig entrückte Welt. Die Dialoge im Film sind größtenteils reines Blah-Blah, zur Hirnwichserei der Drehbuchautoren passt die Szene, in der Serge mit seinem Cousin gemeinsam masturbiert, wunderbar dazu. Ein wenig Rettung für das zwangsverpflichtete Journalistenpublikum hier bietet Depardieu mit einigen sehr komischen Szenen, in denen er als Tollpatsch so manches auf seine Art löst...
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    (Markus Löhnert )
    19.02.2010
    23:00 Uhr
    Draco dormiens nunquam titillandus.
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