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Bilder: The Walt Disney Company Fotos: The Walt Disney Company
  • Bewertung

    Making superheroes incredible again

    Exklusiv für Uncut
    Im Jahre 2004 veröffentlichte die Disney-Tochterfirma Pixar mit „The Incredibles“ einen ihrer bis heute beliebtesten Filme. Der Animationsspaß rund um die chaotische Superhelden-Familie Parr zeigte sich in einer Zeit, zu der Superhelden-Kino im Gegensatz zu heute noch eine seltene Rarität war, bei Zuschauern jeglicher Altersklasse großer Beliebtheit. So handelte es sich beim Film um eine intelligente Persiflage wie auch gleichzeitig Hommage an das Superhelden-Genre und konnte dabei sowohl Publikum als auch Kritik auf voller Linie überzeugen. Bei der Oscar-Verleihung 2005 konnte der Streifen neben der erwartbaren Nominierung in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ sogar zusätzlich noch eine Drehbuch-Nominierung abstauben. Da der erste Teil mit einem Cliffhanger endete, der die Ankunft des neuen Bösewichts „The Underminer“ zeigte, warteten Fans hochgespannt auf eine wohl wahrscheinliche Fortsetzung - lange Zeit jedoch vergebens. 14 Jahre und 13 Pixar-Filme später dürfen sich Liebhaber des ersten Teils endlich auf die Rückkehr der wahrlich unglaublichen Familie Parr freuen. Auf den Regiesessel nahm einmal mehr Animationsveteran Brad Bird Platz, der sich neben dem originalen „The Incredibles" mit dem fabelhaften „Ratatouille“ (2007) für ein weiteres Juwel Pixars verantwortlich zeichnen konnte, aber auch schon vor seiner Zeit bei der Animationswerkstätte den oft unterschätzten animierten Sci-Fi-Klassiker „The Iron Giant“ (1999) machte.

    Trotz der 14-jährigen Verzögerung zwischen den beiden Teilen setzt die Handlung des Sequels direkt an den Ereignissen des Originals an und zeigt gleich zu Beginn den bereits vor langer Zeit angekündigten Kampf zwischen Familie Parr und dem maulwurfsartigen Bösewicht „The Underminer“ (im Deutschen: „der Tunnelgräber“). Um weitere Kollateralschäden zu verhindern, entschließt sich die Regierung in Folge dessen das Superhelden-Schutzprogramm zu beenden. Aus diesem Grund soll die Familie Parr rund um Vater Bob alias Mr. Incredible (Craig T. Nelson), Mutter Helen alias Elastigirl (Holly Hunter), Tochter Violet, Sohn Dash und Baby-Sohn Jack-Jack vorerst wieder ein vermeintlich normales und unscheinbares Leben führen. Plötzlich bekommt die Familie jedoch ein verlockendes Angebot von den beiden schwererfolgreichen Unternehmer-Geschwistern Winston (Bob Odenkirk) und Evelyn Deavor (Catherine Keener), die mithilfe einer Kampagne Superhelden wieder zur Legalisierung verhelfen wollen. Dabei haben die beiden - sehr zu Überraschung von Bob - nicht ihn als das Werbeobjekt der Kampagne auserkoren, sondern tatsächlich seine Frau Helen. Während sie also als Elastigirl ihre dehnbaren Kräfte aufs Vollste ausnützen kann, muss sich Mr. Incredible unterdessen um die Probleme im Haushalt kümmern, was sich für ihn als schwieriger erweist als erwartet. Als es Elastigirl jedoch mit dem Screenslaver zu tun bekommt, - einem Widersacher, der mithilfe von Bildschirmen Personen unter Hypnose versetzt - muss sich die Superheldenfamilie wieder als eine solche vereinen, um gemeinsam dessen gefährlichen Machenschaften zu unterbinden.

    In ihren Ursprungsjahren hat sich Pixar noch in erster Linie als Garant für Originalität ausgezeichnet, ist mittlerweile jedoch auch schon leicht an der Hollywood-Krankheit Sequelitis erkrankt. Der gewohnten Qualität ihrer Werke tut das (sofern der Film kein „Cars“ im Titel trägt) jedoch in der Regel keinen Abbruch, denn mit über Jahre hinweg geplanten Filmen wie „Findet Dorie“ oder dem wahrlich meisterhaften „Toy Story 3“ hat die Produktionsfirma eindrucksvoll bewiesen auf welch einem hohen Niveau Film-Fortsetzungen produziert werden können. Dasselbe lässt sich nun zum Glück auch von „The Incredibles 2“ behaupten, denn Brad Bird hat hier eine mehr als würdige Weiterführung der Geschichte rund um die Superhelden-Familie Parr geschaffen.

    Ähnlich wie das Original strotzt auch die Fortsetzung nur so vor brillanter Situationskomik. Besonders den Momenten, in denen sich Bob während Helens Abstinenz als Hausmann beweisen muss, konnte fein geschriebener Wortwitz entnommen werden. Vor allem eine Szene, in der er seinem Sohn Dash bei einer Mathe-Aufgabe helfen soll, jedoch an den neuartigen Lösungswegen der Rechenprobleme scheitert (denn „Mathe sei doch immer Mathe“ und sollte laut ihm auch nicht verändert werden), wird dem einen oder anderen bestimmt ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Auch zwei sensationelle Nebencharaktere des ersten Teils können hier wieder für welche der größten Lacher im Film sorgen. Da hätten wir zum einen den eisigen Superhelden und Freund der Familie Parr Lucius alias Frozone (Samuel L. Jackson), der sich ins Besondere in den Szenen mit seiner kecken Ehefrau wieder für prächtigen Slapstick-Humor verantwortlich zeichnet. Zum anderen darf man sich auch auf ein Wiedersehen mit der herrlich verschrobenen Designerin Edna Mode freuen, die im Original einmal mehr von Regisseur Brad Bird selbst gesprochen wurde.

    Was der Fortsetzung tatsächlich sogar noch besser gelungen ist als dem bereits 'unglaublichen' Vorgänger, ist der Bösewicht. Zwar hatte Teil 1 mit Ex-Mr.Incredible-Fan Syndrome einen durchaus unterhalsamen Widersacher, der jedoch szenenweise etwas zu überzeichnet wirkte. Hier hat man mit dem Screenslaver einen Bösewicht kreiert, der auf der einen Seite durch sein alleiniges Auftreten tatsächliches Unbehagen in Zuschauern aller Altersklassen erzeugen kann - dem andererseits aber auch ein überraschendes Maß an Tiefe zu Teil wurde, das einem die Motivationen für dessen Handeln durchaus nachvollziehen lässt. Auf emotionaler Ebene ist der zweite Teil dementsprechend sogar reicher als das Original.

    Auch aus technischer Sicht weiß der Film auf voller Linie zu überzeugen. So werden einem wundervoll animierte und texturierte Action-Szenen geboten, die mit einer ungeheuerlichen Kinetik und einer Vielzahl an kreativen Einfällen bestechen. Angetrieben werden diese rasanten Sequenzen von einem abermals fantastischen Score von Oscar-Preisträger Michael Giacchino, der sich hier auch wieder seines eigens komponierten und besonders eingängigen „Incredibles“-Theme bediente und dieses in verschiedensten Variationen neu arrangierte.

    Der einzig gröbere Wehrmutstropfen ist, dass die Dynamik innerhalb der Familie nicht ganz so rund wirkt wie in Teil eins, was vermutlich auf die sehr ungleich verteilte Screentime der Figuren zurückzuführen ist. Während Violet wieder ein eigener Handlungsnebenstrang zuteil wurde und überraschend viel Fokus auf Baby Jack-Jacks neuentdeckte Superkräfte gelegt wird, wurde der Charakter des Dash doch diesmal sehr stark in den Hintergrund gedrängt und bekommt nicht mal wirklich Zeit um seine Laufpower zur Schau zu stellen.

    Es lässt sich am Ende des Tages aber sagen, dass Brad Bird mit seiner langerwarteten Fortsetzung zu „The Incredibles“ zwar nicht ganz an die Klasse von Pixars Original erreicht hat, aber doch sehr nah herangekommen ist. Rasant, emotional und im wahrsten Sinne des Wortes UNGLAUBLICH unterhaltsam - die 13 Jahre Wartezeit haben sich gelohnt!

    Klar inspiriert von Trumps berüchtigtem Wahlspruch gibt Bob Odenkirks Figur in einer Szene des Films den Slogan „Make Superheroes Great Again!“ von sich. Darauf sage ich nur:

    You didn't just make them great - you made them truly INCREDIBLE again!
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    (Christian Pogatetz)
    09.10.2018
    13:56 Uhr