Berlinale 2006
Berlinale Tag 6

Berlinale Tag 6

Am sechsten Tag der Berlinale trifft deutsche Vergangenheitsbewältigung auf weltpolitische Gegenwartskritik ...
Eigentlich wäre ja für heute 9:30 Uhr die PV des Filmes über Leonard Cohen geplant gewesen. Ein sicherlich sehenswerter Dokumentarfilm über das Leben des bekannten Musikers von Regisseur Lian Lunson. Dann aber bekam ich kurzfristig die Information, dass es nur 10 Minuten später eine PV des Filmes „Der Rote Kakadu“ nebenan gibt. Harald und ich haben entschieden, dass wir Euch über diesen Film berichten wollen, schließlich wird er ja auch bald in den österreichischen Kinos zu sehen sein und obendrein behandelt er ja auch ein sehr sensibles Thema, nämlich die DDR Zeit und das Leben der Jugendlichen, nur wenige Wochen vor dem Bau der Berliner Mauer.

Dass sich dieser Film dann mit dem zweiten Film des heutigen Tages auf eine ganz eigene Art verknüpfen würde, war mir anfangs gar nicht bewußt: „The Road To Guantanamo“ behandelt das Schicksal von drei britischen Moslems, die unschuldig mehrere Jahre in Gefangenschaft, zuletzt im US-Strafgefangenenlager auf Guantanamo verbrachten und nur unter schwierigsten Bedingungen frei kommen konnte. Die europäische, korrekt: die deutsche Vergangenheit trifft sich mit der weltpolitischen Zukunft. Die Sturheit, mit der Gerichte oder Militärs an einer vorgefaßten Meinung festhalten, um ihre Handlungen zu legitimieren und Menschen gegen ihren Willen festzuhalten, zu bespitzeln oder ihre persönliche Freiheit auf ein Mindestmaß zu beschränken oder sie dieser sogar gänzlich zu berauben, ist eine Parallele, die sich einem geradezu aufdrängt. Wir glauben immer, wir hätten aus unseren Fehlern gelernt und würden, weil wir so eine zivilisierte Gesellschaft sind, verachtenswürdige Grausamkeiten wie Folter niemals mehr einsetzen. Doch die Beweise aus der Gegenwart sprechen eine andere Sprache.

Natürlich sind beide Filme völlig unterschiedlich angelegt. Der eine ist ein auf den ersten Blick liebenswerter und zwischendurch sogar richtig unterhaltsamer Film über die Jugend in der DDR oder über die schwierigen Bedinungen, unter denen es nur möglich war, die Musik zu hören oder zu ihr zu tanzen, die man hören wollte. Der andere eine Mischung aus Dokumentation und Spielfilm, alles andere als liebenswert und nur zwischendurch unfreiwillig unterhaltsam, wenn im Verhör durch die Amerikaner völlig absurde Fragen gestellt oder Schlußfolgerungen gezogen werden. Aber beide beschreiben den Druck von Regierungen auf einzelne Menschen, die rücksichtslosen Methoden, die eingesetzt werden, um die politischen Ziele zu erreichen und aber gleichzeitig auch deren Wirkungslosigkeit im Detail. Wie wenn es jemals einen Grund geben könnte, solche Handlungen zu rechtfertigen.

Für morgen stehen dafür wieder drei Filme auf dem UNCUT-Terminkalender: „Sehnsucht“ (Deutsches Liebesdrama aus ländlichem Umfeld, Regie: Valeska Griesebach, mit Ilka Welz, Annett Dornbusch, Andreas Müller u.a., ), „Candy“ (der neue Film mit Heath Ledger und Abbie Cornish über ein Künstlerpaar und seine Drogen(entzugs-)probleme), sowie „Romanza Criminale“ (Michele Placidos neuer Mafia-Thriller mit Kim Rossi Stuart, Anna Mouglalis u.a.)
Für mich geht heute dieser Tag ein wenig früher zu Ende als die letzten 5 Tage, bei denen Harald und ich täglich von 8 Uhr morgens bis fast 2 Uhr nachts auf den Beinen waren von einem Termin zum nächsten oder vor dem Computer gesessen sind, um die Neuigkeiten möglichst noch „frisch“ zu euch zu liefern. Ein wenig Entspannung auf der gemütlichen Couch in unserem Hotel, vielleicht mit dem Buch, das ich gerade lese (Therry Pratchett's „Maskerade“, eine humorvoller Scheibenwelt-Version des „Phantom der Oper“), auf jeden Fall mit einem guten Abendessen, heute zu einer ganz normalen Tageszeit.
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