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Sundance Film Festival 2022 - Tag 4

Sundance Film Festival 2022 - Tag 4

Regina King und Sterling K. Brown begeistern als schäbiges Pastorenpaar, Cooper Raiff verguckt sich in seinem neuen Film in Dakota Johnson, Keke Palmer zieht in den Kampf gegen die Sklaverei und Kanye West erhält ein Doku-Porträt.
Foto: Filmverleih

Honk for Jesus. Save Your Soul.

Das Regiedebüt der Afroamerikanerin Adamma Ebo ist ein satirischer Frontalangriff auf das sektenähnliche Konzept der Megachurch. Lee-Curtis Chils (Emmy-Preisträger Sterling K. Brown) war einst der respektierte Pastor einer Baptistenkirche in Georgia, ist mittlerweile aber aufgrund eines Missbrauchsskandals in Verruf geraten. Er und seine Gattin Trinity (Regina Hall) wollen die Reputation der Megakirche reparieren und verlorene Anhänger*innen wieder zurück ins Boot holen. Begleitet werden sie dabei von einem Kamerateam. Der Film ist eine amüsante Mixtur aus Mockumentary und bissiger Kirchensatire, die ein hierzulande kaum bekanntes Thema persifliert.


Foto: Filmverleih

Cha Cha Real Smooth

Mit dem zweiten Spielfilm des erst 24-jährigen Indie-Filmemachers Cooper Raiff („Shithouse“) gab es ein weiteres Festival-Highlight zu begutachten. Regisseur Raiff verkörpert selbst Protagonist Andrew, einen 22-jährigen Studienabsolventen, der nicht weiß, was er nun mit seinem Leben anfangen soll. Zwischen seinem Kleinjob in einem Fastfood-Lokal und der Tätigkeit als Moderator von Bar-Mitzwah-Partys, irrt er ohne Ziel vor Augen durchs Leben. Bei einer dieser Partys lernt er die autistische Teenagerin Lola (Vanessa Burghardt) und deren junge Mutter Domino (Dakota Johnson) kennen. Zwischen ihm und dem Mutter-Tochter-Gespann entwickelt sich eine enge Freundschaft. Ein charmanter Coming-of-Age-Film mit reichlich Witz und treffenden Beobachtungen aus dem Leben eines Mittzwanzigers. Zu Beginn des Q&As nach dem Film schlich kein Geringerer als Dakota Johnsons Partner Chris Martin, seines Zeichen Frontmann der Erfolgstruppe Coldplay, für ein paar Sekunden durchs Bild.


Foto: Filmverleih

Alice

Im Debütfilm von Krystin Ver Linden schlüpft Keke Palmer in die Rolle einer versklavten Frau, die erfährt, dass ihr bisheriges Leben eine einzige Lüge war. Als es der Sklavin Alice (Palmer) gelingt, ihren Treiber (Johnny Lee Miller) abzuhängen und von der Plantage zu flüchten, wird sie auf der Straße vom früheren Aktivisten Frank (Rapper Common) aufgefunden. Die junge Frau muss feststellen, dass es in Wahrheit schon 1973 ist und sie als schwarze Frau mittlerweile eigentlich frei wäre. Sie plant einen Rachefeldzug gegen ihre früheren Sklaventreiber*innen. Eine wilde Mixtur aus Sozialthriller und Blaxploitation-Hommage, die konzeptuell spannend sein mag, in der Ausführung aber nur bedingt aufgeht.


Foto: Netflix

jeen-yuhs: Eine Kanye-Trilogie

Kanye West, heute von vielen einfach nur Ye genannt, gehört trotz oder gerade aufgrund seiner kontroversen Natur zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Rappern unserer Zeit. In den letzten 21 Jahren begleiteten die Filmemacher Coodie und Chike den Grammy-Gewinner mit der Kamera. Das Ergebnis gewährt intime Einblicke ins Leben und Schaffen des Universalkünstlers. Beim Sundance wurde der erste Teil der der 270-minütigen Musiker-Doku gezeigt, die später auf Netflix erscheinen wird.