Müll Mates
Müll Mates - Haifilme

Müll Mates - Haifilme

Haie: Sie sind schnell, sie sind bissig und sie sind die beliebtesten Trashfilmmonster der Gegenwart. Für die Müll Mates Grund genug, sich über die Jäger der Meere zu unterhalten.
Hai J,

Es tut sich was! Haifilme brausen wie ein „Sharknado“ durch die Trashfilmlandschaft. Was die Genreväter des Fischhorrors Steven Spielberg und Joe Dante einst mit einfachen Mitteln erschaffen haben, nimmt nun immer absurdere Ausmaße an und es herrscht ein reger Kampf um die Kreation des trashigsten Monsters. Dabei kann man die Haifilme grob in zwei Kategorien gliedern: Zum Einen sind da die „realistischen“ (naturalistischen) Haifilme, wie z.B. der äußerst trashige „Hai-Alarm auf Mallorca“, „Deep Blue Sea“, „Shark in Venice“ oder der völlig überschätzte „Shark Night 3D“. Zum anderen boomt gerade das Genre des Fantasy-Haifilms, zu dem Filme wie „Ghost Shark“, „2 Headed Shark Attack“ oder der an Dilettantismus nicht mehr zu unterbietende „Jurassic Shark“, gehören. Wie kannst du dir diese Entwicklungen erklären?

Beware of the Blob,
P

Lieber P,

einen Punkt hast du ja schon angeschnitten: Steven Spielberg hat mit „Der weiße Hai“ den ersten Blockbuster in die Kinos gebracht. Der erste Film der in hunderten von US-amerikanischen Kinos gleichzeitig gestartet ist und damit unzählige Wohnblöcke auf einmal in die Lichtspielhäuser getrieben hat. Dieser Erfolg und die allgegenwärtige Angst des Menschen vor der Naturgewalt Meer - welches er bis heute nicht domestizieren und kontrollieren kann - treibt Filmemacher an, dieses Thema immer wieder aufzugreifen. Zweiteres brachte es auch soweit, dass nach Spielbergs erstem großen Hit weiße Haie immer mehr vom Aussterben bedroht sind. Aber warum momentan so viele Shark-Filme die Kinos oder vielmehr DVD-Regale belagern, kann ich mir nicht so recht erklären...

Call me Snake,
J

Dereee J,

Hmm, das mit der Naturgewalt Meer finde ich interessant. In diesem Zusammenhang könnte man den Hai(trash)film auch als Rache der Natur am Menschen deuten. Immerhin werden die meisten Monsterhaie in den Filmen ja durch die Verschmutzung der Umwelt (oft durch gierige Geldhaie oder Regierungen) etabliert - so z.B. auch im recht unauffälligen „Supershark“. Aber auch in „Sharknado“ oder „Avalanche Sharks“ spielen Naturkatastrophen (sind sie vielleicht Auswirkungen des Klimawandels?) eine große Rolle und gehen eine tödliche Symbiose mit den Haien ein. Aber auch die Wissenschaft versucht in den Filmen oft Gott zu spielen und kreiert so mittels dubioser Experimente einen Killerhai. Filmwissenschaftlich könnte man jetzt auch den Theoretiker Robin Wood ins Spiel bringen. Dieser sagt, dass wir immer vor dem Angst haben (und uns genau das in Filmen gleichzeitig fasziniert), was aus unserer Gesellschaft verdrängt wurde und nun zurück kommt, um in Kino Rache zu nehmen. Freud besagt außerdem, dass alles was unheimlich ist, früher einmal heimlich und vertraut war, bis wir uns von ihm entfremdet haben und uns nun davor fürchten. In diesem Fall wäre das die Natur. Und wenn der Mensch in seiner Fantasie immer einen Superhelden braucht, der für die Menschheit kämpft und sie rettet, dann kann der Fantasy-Superhai auch als mit Superkräften ausgestatteter Superheld und Rächer der Natur gesehen werden. In diesem Zusammenhang könnte man nun auch die Frage stellen, wer nun das eigentliche Monster ist. Die Haie, oder wir?

You talkin' to me,
P

Lieber P,

wer das Monster ist, ist eine gute Frage. Wer gegen den Hai (bzw. die Me(e/h)rzahl) kämpft, kann man zumindest gut erklären: schon bei „Der weiße Hai“ ist das die heilige Dreifaltigkeit, nämlich Polizei (Brody), Militär (Quint) und Wissenschaft (Hooper). In den weiteren Meeresungeheuer-Filmen ist es zumeist ein/e Polizist/in (der/die das Proletariat symbolisiert) und ein/e Wissenschaftler/in (der/die das Akademikertum symbolisiert) die auf unterschiedliche Art und Weise der Wahrheit auf der Spur sind und sich schließlich am Ende zusammentun (so auch beispielsweise im überraschend unterhaltsamen „Sand Sharks“). In dem von dir erwähnten „Supershark“ verbindet sich beides in der Person der Protagonistin, die eine Agentin des Oceanic Investigation Bureau ist und damit gleichzeitig Forscherin wie Ordnungshüterin ist. Das Militär kanalisiert sich im Gegensatz zu „Der weiße Hai“ oftmals nicht in der Person eines Veteranen, sondern in zumeist sinnloser purer Waffengewalt im Laufe des Filmes - auch das ist wohl eine gesellschaftspolitische Aussage...

60% of the time, it works, every time,
J

Dear J,

Gut, dass du all diese stereotypen Charaktere ansprichst. Denn auch diese immer wiederkehrenden, langweiligen Figuren gehören zu den Zutaten eines gelungenen Hai(trash)films. Auch wenn sie meist lediglich dazu dienen, eine meist schlecht inszenierte Überleitung zwischen den einzelnen Splatterszenen zu liefern. Der recht mittelmäßige „Sharktopus“ treibt diesen revueartigen Stil übrigens auf die Spitze. Worauf es letztendlich in den besagten Filmen ankommt sind Spektakel und Attraktion. Diese sollen beim Publikum - ähnlich wie bei anderen Horrorfilmen, Pornos oder Melodramen - eine Gefühlsregung auslösen. Und da du Spielberg erwähnt hast: Während man in „Der weiße Hai“ den Hai nur erahnen konnte, wurde er im Laufe der Filmgeschichte immer sichtbarer (vielleicht parallel zur immer deutlicher werdenden Umweltverschmutzung?). Bis er letztendlich heutzutage als perfektes CGI-Monster wie in einer Freakshow zum Amüsement des Publikums ausgestellt wird. Eine Kombination mit einem anderen Monster wie z.B. in „Mega Shark vs. Giant Octopus“, befriedigt die Sensationslust des Publikums dann noch umso mehr. Und da die Verknüpfung aus menschlichen Ängsten und Monster(hai) so gut funktionieren zu scheint, dürfen wir schon gespannt sein, welche Auswüchse das Haikino in den nächsten Jahren noch annehmen wird.

Put the cookie down,
P
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