Müll Mates
Müll Mates - Sharknado 2

Müll Mates - Sharknado 2

Noch nie bekam die Fortsetzung eines Trashfilms eine so große mediale Aufmerksamkeit wie „Sharknado 2“. Die Müll Mates verfolgten die Weltpremiere Live und durchleuchten, ob der zweite Teil denselben Biss hat, wie seine Haie.
Lieber P,

gerade eben feierte „Sharknado 2“ seine (von David Hasselhoff beworbenen) Weltpremiere. Das erste (mir bekannte) Mal, dass ein TV-Film weltweit gleichzeitig (in Europa um 4:00 Uhr auf dem TV-Sender Syfy) seine Erstaufführung feierte. Schon dieser Umstand spricht über den Trashfilm und seine Verwertungstechniken Bände. Neben dem Internet sind (zumindest erzähltechnisch) TV-Serien derzeit wohl der stärkste Konkurrent des Kinos. Der Masseneremit vor dem Computer oder dem Fernseher schlägt abermals die wahrhaftige Masse im Kino, während von „The Wire“ oder den „Sopranos“ bis hin zu „Breaking Bad“ oder Game of Thrones“ das serielle Erzählen des Fernsehens nicht aufhört, interessanter zu werden. Nachdem der erste Teil „Sharknado“einen fast schon angesagten Überraschungserfolg feierte, konnte er die Filmverwertungskette rückwärtig durchlaufen. Zuerst als TV-Film, danach als DVD-Hit und schließlich (bei vor allem Filmfestivals) als Kino-Kracher. Auch „Sharknado 2“ denkt jenseits gängiger Konventionen und fügt mit seiner TV-Weltpremiere ein weiteres interessantes Ereignis hinzu, wobei es nicht das erste Mal wäre, dass ein Trashfilm einen Trend – der im aktuellen Zeitpunkt noch absurd erscheinen mag – startet.

It's a Sharknado,
J


Guten Morgen J,

ob auch Teil zwei ein angesagter Überraschungserfolg (wie du das so schön genannt hast) wird, wird sich erst im Laufe der nächsten Monate zeigen. Jedenfalls war es von Anfang an schwierig die von Teil eins hinterlassenen riesigen Fußstapfen auszufüllen. Denn während man beim Vorgänger noch nicht mit einem so großen Erfolg rechnen konnte, erwartete nun jeder von Teil zwei einen neuen Kultfilm. Um diesen erwarteten Erfolg zu landen, setzt dieser auf zwei fortsetzungstypische Elemente: Erstens auf Selbstreferenzialität und zweitens auf noch mehr Übertreibung. Dies erkennt man schon in der ersten Szene in der Kelly Osbourne als Stewardess ein Autogramm von Tara Reid verlangt, die das mittlerweile auch im echten Leben erhältliche Buch „How to survive a Sharknado“ geschrieben hat. Neben ihr sitzt 90210-Darsteller und Mitautor Ian Ziering in einem Flugzeug Richtung New York. Von einem plötzlich auftretenden Sharknado wird dieses jedoch zum Absturz gebracht und da die Piloten von Haien gefressen werden, liegt es an Superheld Ziering das Flugzeug zu landen.

Sharks. I never saw that coming,
P

Lieber P,

stimmt Fin (Ziering), der im ersten Teil noch als Normalo in einer anormalen Situation die Nerven bewahrt, wird im zweiten Teil zu einem nicht zerstörbaren, fast übermenschlichen Helden.
Nach der ersten von dir beschriebenen Sequenz folgt der nächste trashfilmtypische Moment, nämlich diegetische Inkonsistenz. Nachdem zunächst klar gemacht wird, dass das ganze Land vom Sharknado aus Teil eins weiß, glaubt nach der Landung niemand Fins Aussagen, dass Flugzeug wäre durch einen Hai-Wirbelsturm geflogen. Fin wird als verrückt bezichtigt, obwohl man einen Moment vorher noch gesehen hatte, wie das Flugzeug mit toten Haien umzingelt am Flughafen bruchgelandet ist.

Eine zu einem gewissen Grad kausal-logisch wenig zusammenhängende Story ist das Salz in fast jeder Trashfilm-Suppe. Fehler, die dem Zuschauer auffallen, ihn aber nicht aus der Geschichte werfen. So kann gleichzeitig mit/über den Film gelacht werden und ihm weiterhin (mehr oder weniger interessiert) gefolgt werden.

This is a twister with teeth,
J

Aloha J,

auf diese von dir bezeichnete diegetische Inkonsistenz folgt schließlich etwas, das ich gerne als dramaturgische Inkontinenz bezeichnen würde. Denn als die Sharknados letztendlich New York erreichen, öffnen sich alle Schleusen und es gibt es kein Halten mehr – vor allem nicht bei den Autoren. Denn jede scheinbar noch so stumpfsinnige Idee dieser scheint sofort aus ihnen heraus direkt auf den Bildschirm zu fließen. Man hat das Gefühl, dass hier nicht einmal versucht wurde die Ideen noch eine Zeit lang in sich zu halten und darüber nachzudenken. Aber so wird wohl ein Film gemacht, der mit voller Absicht den schlechten Geschmack bedienen soll. Von überall regnet es Haie, die nun auf möglichst kreative Art und Weise zerstückelt werden müssen. Die im ersten Teil noch im Ansatz erkennbare Intention so etwas wie Pseudohandlung zum Spannungsaufbau vorzugaukeln, verschwindet hinter Selbstparodie, unglaublich schlechten (und auch wenn sie nur kurz sind) langweiligen Dialogen sowie einer Welle von Kunstblut und Computeranimationen, die interessanterweise trotz des wohl größeren Budgets teilweise billiger und trashiger wirken, als noch beim Vorgänger. So verwundert es auch nicht, dass Ziering irgendwann inmitten eines Sharknados auf einem zähnefletschenden Hai reitet, und Tara Reid sich eine Kreissäge auf ihre zuvor von einem Hai abgebissene Hand montiert (Aufgrund der Effektdichte handelt es sich hierbei nicht einmal um Spoiler). Damit versucht man der medialen Abstumpfung des Zusehers entgegenzuwirken, der in einer reizüberfluteten Gesellschaft immer auf der Suche nach noch besserem Spektakel ist und somit schnell gewillt sein könnte zur Fernbedienung zu greifen und sich auf die Suche nach etwas „Neueren“ zu begeben - und teilweise gelingt dem Film das auch. „Sharknado 2“ ist daher wie man es erwarten konnte zwar eine gelungene Fortsetzung, aber eben dennoch nur eine Fortsetzung in der der Filmgenuss unter der allzu zwanghaften Aneinanderreihung von (oft sogar nicht absurd genug scheinenden) Absurditäten etwas leidet.

Best Actor in a Columbus movie,
P
Der Autor
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Müll Mates


Forum

  • Sharknado 3

    Hätte man sich natürlich denken können, aber natürlich ist auch „Sharknado 3“ bereits in Planung...
    http://www.syfy.com/sharknado3
    uncut_4fd94f1238.jpg
    31.07.2014, 16:04 Uhr